Die Gruppe Postkom möchte ein deutsch-polnisches linkes Netzwerk aufbauen

Die polnische Linke stärken

Am 14. Sep­tember ist in Poznań eine Soli­da­ri­täts­de­mons­tration für das vom Räumung bedrohte Zentrum Rozbrat geplant. Daran werden auch Unter­stüt­ze­rInnen aus Berlin teil­nehmen.

„Lie­big­straße 34 und Rozbrat bleiben“, riefen rund 60 Men­schen am Mon­tag­nach­mittag auf einer Wiese in der Nähe des Pol­ni­schen Instituts. Eigentlich wollten sie einen offenen Brief über­geben. Ber­liner Kul­tur­ein­rich­tungen und linke Pro­jekte fordern darin den Erhalt des Sozialen Zen­trums Rozbrat in Poznań – das gerade von einer Zwangs­räumung bedroht ist. Weil das Pol­nische Institut aber geschlossen hatte, wurde der Brief nicht über­geben, sondern nur an die Fens­ter­scheibe geklebt. Gegenüber der taz erklärte Martyna Wit­kowska vom Pol­ni­schen Institut, dass die Ein­richtung.…

.….dem pol­ni­schen Außen­mi­nis­terium ange­gliedert und „nicht für Fragen der Immo­bi­li­en­nutzung und Land­nutzung in Posen zuständig“ ist. Das Rozbrat ist bei den außer­par­la­men­ta­ri­schen Linken bisher wenig bekannt. Dabei liegt das älteste soziale Zentrum Polens nur knapp 270 Kilo­meter von Berlin ent­fernt. Es ist nicht nur ein wich­tiger Begeg­nungsort der pol­ni­schen Linken, es beher­bergt auch die größte anar­chis­tische Bibliothek in Polen.

Marek Jaku­bowski und Sta­nisław Kow­alski, die die Kund­gebung mode­rierten, ver­suchen seit vielen Jahren, linke Initia­tiven in Polen in Berlin bekannt zu machen. 2011 haben sie dafür die Gruppe Postkom gegründet. „Wir hatten das Gefühl, dass die sozialen Bewe­gungen in Polen und in ganz Ost­europa innerhalb der Linken in Berlin wenig präsent sind. Viele Leute, die seit Jahren inter­na­tio­na­lis­tische Arbeit in Berlin betreiben, beziehen sich haupt­sächlich auf die Kämpfe in West­europa oder auf anderen Kon­ti­nenten “, sagt Jaku­bowski der taz. Einige Mit­glieder kommen aus Ost­europa oder haben dort einige Semester stu­diert. „Wir sind aber keine rein aka­de­mische Gruppe“, betonen die beiden. In den letzten acht Jahren hat Postkom Ver­an­stal­tungen zu unter­schied­lichen Themen in Berlin orga­ni­siert: etwa zur rechten Szene in Polen, zur Ein­führung der dor­tigen Sicher­heits­ge­setze bis hin zu gewerk­schaft­licher Orga­ni­sierung in Polen. Doch den Postkom-Akti­visten Jaku­bowski und Kow­alski geht es um mehr als reinen Infor­ma­ti­ons­aus­tausch: „Wir haben beschlossen, uns mit Polen sys­te­ma­tisch aus­ein­an­der­zu­setzen, um ein deutsch-pol­ni­sches linkes Netzwerk auf­zu­bauen.“ Ihre Bünd­nis­arbeit zeigt nun erste Erfolge. Auf der Kund­gebung soli­da­ri­sierten sich unter anderem das Ber­liner Bündnis Zwangs­räumung ver­hindern, Unter­stüt­ze­rInnen der pol­ni­schen Basis­ge­werk­schaft IP und die femi­nis­tische Hilfs­or­ga­ni­sation Cocia Basia, die pol­ni­schen Frauen wegen der rigiden Abtrei­bungs­ge­setze Aborte in Berlin ermög­licht, zusammen mit Rozbrat. Am 14. Sep­tember ist auch in Poznań eine Soli­da­ri­täts­de­mons­tration für das Rozbrat geplant. Daran werden auch Unter­stüt­ze­rInnen aus Berlin teil­nehmen. Aller­dings werden sie nicht als auto­nomer Block aus Berlin auf­tauchen, sondern gemeinsam mit in Berlin lebenden pol­ni­schen Linken für das bedrohte Zentrum ein­treten.

Peter Nowak

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