Am 6. August protestierten im Wedding huderte gegen Zwangsräumung in der Dubliner Straße 8

Verdrängt in Berlin -

Sie war nur durch das Zusam­men­spiel der Justiz und der Inves­toren möglich, die über mehrere Jahre gut doku­men­tiert ist.

Seit meh­reren Jahren kämpft eine Wohn­ge­mein­schaft in der Dub­liner Straße 8 in Berlin-Wedding gegen Ver­mie­ter­willkür. Mitt­ler­weile sind alle recht­lichen Mittel aus­ge­schöpft. Am 6.8. wurde sie zwangs­ge­räumt. Diese Geschichte einer Ent­mietung ist manchen bekannt. In einer Doku-Soap mit mitt­ler­weile 37 Folgen wird die jah­re­langer Geschichte einer Ent­mietung in Berlin doku­men­tiert. Knapp zusam­men­fasst handelt es sich…

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Arbeitskampf im Berliner Hostel »Wombat’s«

Ein Fall von Hostel Busting

Eine Hostel-Kette will sich einer kämp­fe­ri­schen Beleg­schaft in Berlin durch die Schließung der Filiale ent­le­digen. Die Unter­stützung für die Beschäf­tigten ist groß.

Für aus­tra­lische Beu­tel­säuger bestand zu keiner Zeit eine Gefahr. Zwar stand der Slogan »Wombats ent­eignen« auf Schildern bei einer Pro­test­kund­gebung am Freitag ver­gan­gener Woche in Berlin. Gemeint waren aber nicht die Tiere, sondern ein Unter­nehmen. Die For­derung zeigt, dass die Ent­eig­nungs­de­batte weitere Kreise zieht. Denn Wombat’s ist kein Immo­bi­li­en­konzern, sondern eine Hostel-Kette mit Filialen in München, London, Budapest, Wien und ab Anfang August vor­aus­sichtlich auch in Venedig. Die Ber­liner Filiale im ehe­ma­ligen Scheu­nen­viertel in Berlin-Mitte soll zum 31. August geschlossen werden. Des­wegen hatten die Beschäf­tigten zu einer Pro­test­kund­gebung vor dem Hostel auf­ge­rufen. Der Grund für die dro­hende Schließung ist nicht etwa.…

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Wombat enteignen

Union Busting in der Tourismusbranche

In Berlin-Mitte wehren sich Beschäf­tigte des Hostels Wombats gegen Schi­kanen des Manage­ments

„Wombat ent­eignen“ stand auf Schildern, die Teilnehmer/​innen einer Pro­test­kund­gebung am 17. Mai vor einem Gebäude in der Alten Schön­hauser Allee 2 in Berlin-Mitte in die Höhe hielten. Dort hat das Hostel Wombat sein Domizil. Es gibt Filialen in München, London, Budapest, Wien und ab Anfang August auch in Venedig. Die Ber­liner Filiale soll aller­dings zum 31. August geschlossen werden. Des­wegen riefen die Beschäf­tigten zu der Pro­test­kund­gebung vor dem Hostel auf. Der Grund für die dro­hende Schließung ist nicht etwa man­gelnder Umsatz, das Hostel mit seinen 350 Betten ist im tou­ris­tisch beliebten ehe­ma­ligen Scheu­nen­viertel oft aus­ge­bucht. Mit der Aufgabe der Filiale wollen die Wombat-Eigen­tümer …

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Gemeinsam gegen Jobcenter und Verdrängung


Die »Soli­da­rische Aktion Neu­kölln« will Nachbar_​innen orga­ni­sieren, ohne dabei bloße soziale Arbeit zu ver­richten

»Das Job­center nervt? Deine Miete wurde erhöht? Dein Chef stresst Dich?« Falls das zutreffe, dann solle man zur »Soli­da­ri­schen Aktion Neu­kölln« (SolA) kommen. Ein Flyer mit dieser Ein­ladung wird seit einigen Wochen regel­mäßig vor Job­centern, auf Märkten und öffent­lichen Plätzen in dem Ber­liner Stadtteil ver­teilt. An der ver­ant­wort­lichen Initiative, die sich im ver­gan­genen Jahr gegründet hat, betei­ligen sich nach eigener Aussage Men­schen, die in Neu­kölln wohnen und sich in der Ver­gan­genheit mit eben­jenen Job­centern, Chefs oder Vermieter_​innen aus­ein­an­der­setzen mussten. Dabei hätten sie die Erfahrung gemacht, dass man alleine wenig erreichen kann und sich daher zusam­men­schließen müsse.

»Nachbar_​innen helfen Nachbar_​innen«, beschreibt Anne Seeck, die zu den Mit­be­grün­de­rinnen der SolA gehört, das Grund­prinzip ihrer Stadt­teil­arbeit. Um bloße soziale Arbeit geht es ihr aber nicht. »Wir unter­stützen uns bei unseren Pro­blemen.«

Zu den Neuköllner_​innen, die sich von dem Angebot ange­sprochen fühlten, gehören laut der Gruppe auch Mieter_​innen, denen im Februar 2018 Gas, Wasser und Heizung abge­stellt wurden. Aktuell unter­stützt die Initiative eine Mie­terin, die eine Kün­digung wegen Eigen­be­darfs erhalten hat, nachdem sie eine Miet­erhöhung erfolg­reich ver­hin­derte. Die SolA mobi­li­sierte zum Kün­di­gungs­prozess vor das Amts­ge­richt.

Die Gruppe ver­sucht auch, im Stadtteil poli­tisch zu inter­ve­nieren. So sagte die Neu­köllner Zeitung »Kiez und Kneipe« im Mai 2017 eine Ver­an­staltung mit dem AfD-Rechts­außen-Poli­tiker Andreas Wild ab, nachdem die SolA einen Aufruf gegen die Ver­an­staltung ver­fasst hatte. Als dann im Herbst 2017 bekannt wurde, dass ein Start-up-Unter­nehmen in der Alten Post in Neu­kölln sein Domizil eröffnen wollte, for­derte die SolA »Woh­nungen für alle statt Start-up-Kultur«. 

Auch an der Mobi­li­sierung zur ber­lin­weiten Mieter_​innendemonstration im April 2018 betei­ligte sich die Gruppe. Unter dem Motto »5000 Flyer für Neu­kölln« sprachen die Aktivist_​innen zahl­reiche Men­schen an, die sich vorher noch nie an einer Demons­tration beteiligt hatten. Für Mat­thias L., der seinen vollen Namen nicht in der Zeitung lesen will, ist dies ein zen­trales Moment bei der Arbeit von SolA. »Wer sich mit anderen zusammen gegen Schi­kanen im Job oder beim Ver­mieter wehrt, geht dann bes­ten­falls auch auf eine Demons­tration gegen hohe Mieten oder fordert die Ent­eignung der Deutsche Wohnen«, hofft der Aktivist. Mat­thias L. hatte einige Jahre im Ber­liner »Bündnis gegen Zwangs­räumung« mit­ge­ar­beitet, ehe er Teil der Neu­köllner Initiative wurde. 

In der letzten Zeit haben viele außer­par­la­men­ta­rische Linke den Stadtteil als Ort der Orga­ni­sierung neu ent­deckt. Die Bremer Gruppe »kol­lektiv« stellte in einem Text die These auf, dass die Selbst­or­ga­ni­sierung in den Betrieben durch den neo­li­be­ralen Umbau der Arbeits­or­ga­ni­sation und die Fle­xi­bi­li­sierung der Beleg­schaften schwie­riger geworden sei. Des­wegen seien vor allem arme Stadt­teile wieder ver­stärkt in den Fokus linker Orga­ni­sie­rungs­arbeit gerückt. Damit solle ver­hindert werden, dass der in vielen Betrieben erfolg­reiche neo­li­berale Umbau auch in diesen Stadt­teilen zum Tragen komme. 

Die Orga­ni­sie­rungs­ver­suche finden so in vielen Orten Deutsch­lands statt. Schon einige Jahre enga­giert sich etwa das Bündnis »Hände weg vom Wedding« in dem ehe­ma­ligen Ber­liner Arbei­ter­stadtteil. Nicht erfolglos, wie sich an der all­jähr­lichen Stadt­teil­de­mons­tration am 30. April zeigt. Mitt­ler­weile wächst der Kreis der Gruppen aus dem Kiez, die sich an der Vor­be­reitung der Demons­tration betei­ligen. Die Ham­burger Initiative »Wil­helmsburg soli­da­risch« will eben­falls ein Anlauf­punkt für Men­schen des pro­le­ta­ri­schen Stadt­teils bei »Pro­blemen rund um Arbeit, Auf­enthalt, Job­center und Wohnen« werden. Offen bleibt, ob es den Pro­jekten gelingt, sich lang­fristig in den Stadt­teilen zu eta­blieren und auch unter­ein­ander von Erfolgen wie Miss­erfolgen zu lernen. 

https://​www​.neues​-deutschland​.de/​a​r​t​i​k​e​l​/​1​0​9​0​9​9​2​.​g​e​m​e​i​n​s​a​m​-​g​e​g​e​n​-​j​o​b​c​e​n​t​e​r​-​u​n​d​-​v​e​r​d​r​a​e​n​g​u​n​g​.html

Peter Nowak

Hinweis auf Labournet:

Gemeinsam gegen Job­center und Ver­drängung. Die »Soli­da­rische Aktion Neu­kölln« will Nachbar_​innen orga­ni­sieren, ohne dabei bloße soziale Arbeit zu ver­richten

http://www​.labournet​.de/​i​n​t​e​r​v​e​n​t​i​o​n​e​n​/​w​i​p​o​-​g​e​g​e​n​w​e​h​r​/​m​o​b​i​l​i​s​i​e​r​u​n​g​s​d​e​b​a​t​t​e​/​g​e​m​e​i​n​s​a​m​-​g​e​g​e​n​-​j​o​b​c​e​n​t​e​r​-​u​n​d​-​v​e​r​d​r​a​e​n​g​u​n​g​-​d​i​e​-​s​o​l​i​d​a​r​i​s​c​h​e​-​a​k​t​i​o​n​-​n​e​u​k​o​e​l​l​n​-​w​i​l​l​-​n​a​c​h​b​a​r​_​i​n​n​e​n​-​o​r​g​a​n​i​s​i​e​r​e​n​-​o​h​n​e​-​d​a​b​e​i​-​b​l​o​s​s​e​-​s​o​z​i​a​l​e​-​a​r​b​e​i​t​-​z​u​-​v​e​r​r​i​c​hten/

Relevanz selbst organisieren

GESELL­SCHAFT Auf der Sel­ber­machen-Kon­ferenz dreht sich am Wochenende vor dem 1. Mai alles um die Selbst­or­ga­ni­sie­rungs­formen der linken Szene

„Sel­ber­machen“ ist der zen­trale Schlüs­sel­be­griff einer Inter­na­tio­nalen Kon­ferenz, die von Freitag bis Sonntag (28.–30. April)
an ver­schie­denen Orten der Kreuz­berger linken Szene statt­finden wird. Unter­stützt wird sie von der Erwerbs­lo­sen­in­itiative
Basta, der Stadt­teil­gruppe Hände weg vom Wedding und ver­schie­denen Anti­fa­gruppen. Jessica Schmidt vom Vor­be­rei­tungs­kreis
der Kon­ferenz nennt das Ziel der drei Tage: „Gemeinsam wollen wir uns Fragen stellen, auf die die außer­par­la­men­ta­rische Linke Ant­worten finden muss, wenn sie ein wirk­licher gesell­schaft­licher Faktor werden will.“ Die Kon­ferenz rund um Selbst­or­ga­ni­sierung
beginnt am Freitag um 17 Uhr mit einer Auf­takt­ver­an­staltung „Zur Relevanz von Räte­kon­zepten und Kom­munen im 21. Jahr­hundert“. Ercan Ayboga wird über die Erfah­rungen mit kom­mu­naler Orga­ni­sierung in Kur­distan berichten. Zur gleichen Zeit beginnt ein Stadt­rundgang durch das anar­chis­tische Kreuzberg vor 1933. Das Wohnhaus des vom Sozi­al­de­mo­kraten zum Anar­chisten gewan­delten Johann Most soll dabei ebenso auf­ge­sucht werden wie Orte, an denen einst anar­chische Mas­sen­zei­tungen gedruckt wurden. Am Samstag und Sonntag wird das Thema Selbst­or­ga­ni­sation auf unter­schied­liche
All­tags­be­reiche her­un­ter­ge­brochen. „Gesundheit und gutes Leben für alle“ lautet das Thema einer Arbeits­gruppe, in der sich gesund­heits­po­li­tische Initia­tiven aus ver­schie­denen Städten aus­tau­schen. Die Initiative Zwangs­räumung wird über ihre fünf­jährige Geschichte einer selbst orga­ni­sierten Wider­standsform von Mie­te­rInnen berichten. Um die Erfah­rungen der Selbst­or­ga­ni­sation von Arbei­te­rInnen in besetzten Betrieben in Grie­chenland geht es in einer Foto­aus­stellung in Jockel’s
Bier­garten in der Rati­bor­straße 14c. Am Don­nerstag wird dort um 19 Uhr über die aktuelle Situation in den besetzten Betrieben
dis­ku­tiert. In Arbeits­gruppen stellen sich die Teil­neh­me­rInnen die Frage, ob Arbeit im Kol­lektiv und in besetzten Fabriken nicht
auch eine Form der Selbst­aus­beutung ist. So laden am Samstag um 19 Uhr ver­schiedene poli­tische Gruppen zum Erfah­rungs­aus­tausch über Orga­ni­sie­rungs­pro­zesse in pre­kären Arbeits­ver­hält­nissen ein. Die Kon­ferenz endet am Sonntag,
30. April. Ein Großteil der Teil­neh­me­rInnen will sich danach an den ver­schie­denen Demons­tra­tionen rund um den 1. Mai betei­ligen.
aus:

DON­NERSTAG, 27. APRIL 2017 TAZ.DIE TAGES­ZEITUNG
PETER NOWAK

sel​ber​ma​chen2017​.org/deu

Gegen Verdrängung, Verarmung und Ausverkauf

DEMO Mehrere Initia­tiven rufen dazu auf, gegen Gen­tri­fi­zierung auf die Straße zu gehen

Wenige Tage vor der Ber­linwahl signa­li­sieren viele Par­teien auf ihren Pla­katen, dass sie die Sorgen der Mie­te­rInnen ver­ste­henund Men­schen mit geringen Ein­kommen vor Ver­treibung schützen wollen. Für Kurt Jotter ist das unglaub­würdig. Der Gründer der Polit­kunst­gruppe „Büro für unge­wöhn­liche Maß­nahmen“ gehört zu den Orga­ni­sa­to­rInnen einer Demons­tration, die unter dem Motto „Gemeinsam gegen Ver­drängung, Ver­armung und Aus­verkauf der Stadt“ am kom­menden Samstag um 14 Uhr am Platz der Luft­brücke beginnen soll. Vor­be­reitet wird diese Demo nicht nur vom „Büro für unge­wöhn­liche Maß­nahmen“, sondern auch von zahl­reichen Initia­tiven, die sich in der letzten Zeit gegen hohe Mieten in unter­schied­lichen Ber­liner Stadt­teilen gegründet haben. Die Mie­te­rIn­nen­in­itiative „Kotti und Co.“ aus Kreuzberg ist ebenso ver­treten wie das Bündnis „Hände weg vom Wedding“. Zum Auftakt der Demo wollen Initia­tiven mit einer „Tour der Ent­mietung“ auf Häuser hin­weisen, aus denen Mie­te­rInnen ver­trieben werden. Sie soll um 11 Uhr vor der Gru­ne­wald­straße 87 beginnen, nach Neu­kölln und Kreuzberg ziehen und dann mit einem „Wall of Shame“-Block an der Demons­tration teil­nehmen.
Diese „Mauer der Schande“ soll aus großen Tafeln bestehen, auf denen Gebäude zu sehen sind, die ent­mietet werden. Embleme von Par­teien sind auf der Demons­tration nicht erwünscht, betont Jotter. Dem Regie­renden Bür­ger­meister Michael Müller wirft der Aktivist vor, die Wäh­le­rInnen zu täu­schen, indem er behauptet, die Mie­te­rInnen von Sozi­al­woh­nungen seien gesi­chert. Müller sei bisher nicht bereit, den Paragraf 5 des Ber­liner Wohn­raum­ge­setzes zu ändern, moniert Jotter. Dieser gibt Neu­ei­gen­tü­me­rInnen von ehemals Sozialem Woh­nungsbau die gesetz­liche Handhabe, nicht mehr an das Kos­ten­miet­recht des Sozialen Woh­nungsbaus gebunden zu sein. Massive Miet­erhö­hungen sind die Folge.

aus Taz vom 6.9.2016
Peter Nowak

Mieterhöhung in der Koloniestraße vorläufig ausgesetzt, doch nicht zurück genommen

Vor zwei Monaten hatten die 500 Bewoh­ne­rInnen aus 157 Woh­nungen der Häuser in der Kolo­nie­straße Kolo­nie­straße 2, 2a, 6, 6a, 6b, 7 und 8 erfahren, dass sich ab 1. Dezember 2015 ihre Mieten teil­weise ver­doppeln sollen (Mie­te­rEcho Online berichtete). Die Port­folio GmbH Lior Mamrud und Josif Smus­kovics, die die Häuser 2010 erworben hat, pro­fi­tiert von dem Wegfall der soge­nannten Anschluss­fi­nan­zierung. Sie macht es möglich, dass die Mieten der ehe­ma­ligen Sozi­al­woh­nungen in der Kolo­nie­straße steigen können. Viele der Bewoh­ne­rInnen haben ein geringes Ein­kommen, befürchten Miet­schulden und mög­liche Zwangs­räu­mungen und suchen sich neue Woh­nungen. Doch viele Bewoh­ne­rInnen wollen nicht weg­ziehen, sondern gegen die Miet­erhöhung kämpfen. Und sie wollen dafür sorgen, dass das Thema in der Öffent­lichkeit nicht in Ver­ges­senheit gerät. Ca. 70 Mie­te­rInnen der Wed­dinger Kolo­nie­straße und ihre Unter­stüt­ze­rInnen ver­sam­melten sich vor einigen Tagen vor dem Roten Rathaus. Die Kund­gebung wurde von der Stadt­teil­in­itiative „Hände weg vom Wedding“, dem „Büro für unge­wöhn­liche Maß­nahmen“ und dem Bündnis „Zwangs­räumung ver­hindern“ unter­stützt. Nicht die fröh­liche Weih­nachten sondern die „ fröh­liche Ent­mietung“ der Häuser in der Kolo­nie­straße wurde auf einen Trans­parent ange­prangert.

„Sie wollen uns Angst machen“
„Etwa ein Fünftel der Mie­te­rInnen ist schon aus­ge­zogen“, monierte Canan Delipalta, eine Mie­terin der Kolo­nie­straße, die ihre Wohnung nicht ver­lassen will. „Jede leere Wohnung ist ein Gewinn für den Eigen­tümer. Er spielt auf Zeit“, sagte eine andere Bewoh­nerin. Die Mie­te­rInnen sehen es daher auch nicht als Erfolg, als sie Mitte Dezember Post von der Haus­ver­waltung erhielten und ihnen mit­ge­teilt wurde, dass die Miet­erhöhung zum 1. Dezember zunächst aus­ge­setzt wird, weil noch juris­ti­schen Aus­ein­an­der­set­zungen mit dem Bezirksamt anhängig sind. Zugleich wurde aber ange­kündigt, die Mieten rück­wirkend ab dem 1. Dezember 2015 zu erhöhen, sollte die Haus­ver­waltung den Prozess gewinnen, Nun haben viele Mie­te­rInnen Angst, dass sie hohe Beträge nach­zahlen müssen. Auf diese Weise wird die stille Ent­mietung for­ciert. „Sie wollen uns Angst machen“, fasst Canan Delipalta die Stra­tegie von Eigen­tümer und Haus­ver­waltung zusammen. Die Mieter/​innen haben sich auch durch den kurzen Auf­tritt des Wed­dinger Sozi­al­stadtrats Stephan von Dassel nicht beru­higen lassen, der die Maß­nahmen seiner Behörde lobte und den Bewoh­ne­rInnen riet, ent­spannt ins neue Jahr zu gehen. Ein Sprecher des Stadt­teil­bünd­nisses „ Hände weg vom Wedding“ kri­ti­sierte den Sozi­al­stadtrat von Dassel, dass er sich als Weih­nachtsmann auf­ge­spielt habe und den Mieter/​nnen ein­reden wolle, sie bräuchten sich keine Sorgen zu machen .Er erin­nerte daran, dass es erst dem Enga­gement der Mie­te­rInnen in der Kolo­nie­straße zu ver­danken sei, dass die Aus­ein­an­der­setzung auch ber­linweit bekannt wurden. Er warnte aber davor, jetzt auf den Jus­tizweg und die Behörden zu ver­trauen. Wichtig sei es vielmehr, den Wider­stand fort­zu­setzen und aus­zu­weiten. Kurt Joter vom Büro für unge­wöhn­liche Maß­nahmen stellte in seiner kurzen Ansprache den Zusam­menhang zur Ber­liner Woh­nungs­po­litik her. Das Problem sei, so meinte er, dass durch die Politik der unter­schied­lichen Par­teien der Soziale Woh­nungsbau abge­wi­ckelt worden sei und kein Ersatz ange­boten werde.

MieterEcho online 26.12.2015

http://​www​.bmgev​.de/​m​i​e​t​e​r​e​c​h​o​/​m​i​e​t​e​r​e​c​h​o​-​o​n​l​i​n​e​/​k​o​l​o​n​i​s​t​r​-​w​e​i​h​n​a​c​h​t​e​n​.html
Peter Nowak

12 000 Unterschriften für das Café Leo

Unterstützer übergaben Petition an das Bezirksamt

Kreuzberg hat es vor­ge­macht: Nun setzen sich Anwohner in Wedding für den Erhalt eines für den Kiez am Leo­pold­platz wich­tigen Cafés ein. Tau­sende unter­zeich­neten eine Online-Pettion.

12 000 Unter­schriften hat Daniel Gol­lasch am Don­nerstag dem Bezirksamt Mitte über­geben. So viele Men­schen haben die von dem Grü­nen­po­li­tiker initi­ierte Petition mit der For­derung »Café Leo muss bleiben« unter­zeichnet. Dabei handelt es sich um einen mobilen Imbiss­wagen, aus dem Hüseyin Ünlü seit 2011 Snacks und alko­hol­freie Getränke ver­kauft. Zum Jah­resende soll damit Schluss sein. Das von Carsten Spallek (CDU) geführte Straßen- und Grün­flä­chenamt will die Son­der­nut­zungs­ge­neh­migung nicht mehr ver­längern. Spallek ver­weist auf die aktuelle Geset­zeslage, nach der in einer geschützten Grün­anlage ein Café-Betrieb nicht geneh­mi­gungs­fähig sei. Das Café sei in den letzten Jahren nur wegen seines »sozialen Son­der­stel­lungs­merkmals im Rahmen des Pro­jekts Leo­pold­platz« genehmigt worden, erklärte Spallek dem Bezirks­blatt »Ber­liner Woche«.

Das Café Leo wurde im Rahmen des Pro­gramms» Aktives Zentrum Mül­ler­straße« eröffnet und finan­ziert. Eigentlich war der Imbiss­wagen nur als Pro­vi­sorium gedacht. Geplant war die Errichtung eines festen Gebäudes mit Toi­letten. Doch dazu ist es bis heute nicht gekommen. Dass das Café Leo ersatzlos ver­schwinden soll, empört viele Men­schen aus der Nach­bar­schaft. Die Stadt­teil­in­itiative »mensch müller« fordert den Erhalt ebenso wie viele Anwohner. Gol­latsch, der in der Nähe des Leo­pold­platzes wohnt, hat die Petition initiiert. »Ohne das Café Leo würde es mit dem Leo­poldpatz wieder bergab gehen. Alle Anstren­gungen der letzten Jahre wären damit umsonst gewesen«, kom­men­tiert Walter Frey, einer der vielen Unter­zeichner, online die Petition.

Die Wed­dinger Stadt­teil­in­itiative »Hände weg vom Wedding« hat in den letzten Jahren kri­ti­siert, dass mit der Umge­staltung des Leo­pold­platzes auch eine Ver­drängung von ein­kom­mens­schwachen Men­schen ver­bunden ist. Auch poli­tische Stadt­teil­ver­an­stal­tungen waren auf Teilen des Leo­pold­platzes uner­wünscht. So unter­sagte die Naza­reth­kirche der Stadt­teil­in­itiative die Nutzung eines Areals, das ihr zur Ver­fügung gestellt wurde für eine Film­vor­führung. Sollte auch der Imbiss­wagen end­gültig ver­schwinden, würde der Leo­pold­platz für Men­schen mit geringen Ein­kommen noch unat­trak­tiver. Denn nicht alle können sich ein Getränk in den schicken Restau­rants und Cafés in der Umgebung leisten.

Die Unter­stützer des Cafés kün­digen weitere Aktionen an. Daniel Gol­lasch sagte im Gespräch mit dem »nd«, dass die Men­schen, die sich per Unter­schrift für den Erhalt des Café Leo ein­ge­setzt haben, auch auf die Straße gehen, wenn die Politik sich nicht bewegt. »Wenn Orte des Alltags und der Nach­bar­schaft ver­schwinden, setzen sich die Nachbarn besonders dafür ein.«

https://www.neues-deutschland.de/artikel/992070.unterschriften-fuer-das-café-leo.html

Peter Nowak