Die Graphic Novel »Rukelie der Ausnahmeboxer« erweckt die Geschichte des Sinto-Boxers Johann Rukelie Trollmann zum Leben
Im Garten der Bockbrauerei in Berlin-Schöneberg wurde am 9. Juli 1933 Boxgeschichte geschrieben. Den Kampf um die Deutsche Meisterschaft im Halbschwergewicht gewann Johann Trollmann, den Titel »Deutscher Meister im Halbschwergewichtsboxen« sollte er allerdings nur wenige Tage später wieder verlieren. Denn …
Birgit Sack hat mit ihrer umfangreichen Biographie das Leben einer politischen Theoretikerin und Aktivistin nachgezeichnet, die sich als Christin in sozialistischen und kommunistischen
Organisationen engagierte. Sie hat über ihr eigenes Leben hinaus Spuren hinterlassen: Sack erwähnt die enge Zusammenarbeit von Grollmuß mit dem linken Zentrumspolitiker und kurzzeitigen Reichskanzler Joseph Wirth in den 1920er Jahren, von dem der noch heute viel zitierte, weil immer noch aktuelle Satz stammt: »Der Feind steht rechts«.
In einem Wikipedia-Eintrag wird Maria Grollmuß als »deutsche katholische sorbische Publizistin und sozialistische Widerstandskämpferin gegen das NS-Regime« eingeordnet. Die Historikerin Birgit Sack hat im Wallstein-Verlag eine umfangreiche Biographie über sie vorgelegt. Sack konnte dabei auf die vielen Briefe zurückgreifen, die Grollmuß an ihre Schwester, aber auch an ihren lebenslangen Freund Hermann Kopf geschrieben hat. Grollmuß war eine selbstbewusste Frau, die sich bereits vor über hundert Jahren weigerte, …
Eine besondere Bedeutung bekam die Ehrung durch die Anwesenheit der 85-jährigen Roswitha Melchert, der Tochter von Hans und Elfriede Zoschke, die als Dreijährige die Verhaftung ihres Vaters miterleben musste. Bewegt dankte sie der Fan-Initiative für ihr Engagement. Zum Schluss wurde ein weiteres Gedenken im Bezirk angekündigt. Am 22. Juni um 12.15 Uhr wird in der Richard-Sorge-Straße 16 der Stolperstein für den am 1. August 1933 von der SA erschlagenen Friedrichshainer Jungkommunisten Bruno Schilter verlegt.
»Wir ehren hier zwei Menschen, deren Leben durch den NS zerstört wurde«, sagt Franziska Schön am Freitagnachmittag zu rund 150 Menschen, die vor einem Büroneubau in der Revaler Straße 32 in Friedrichshain versammelt sind. Schön ist Urenkelin von Hans Zoschke, dessen …
Ulrike Meinhof: Knarre, Bewusstsein und Kollektiv. Briefe aus der Diskussion im Knast. Verlag der Stiftung Cimarron 2025. 162 Seiten. ca. 14.00 SFr. ISBN: 9782931138069.
„Vom achten Mai auf den neunten
im stammheimer knastjahr sechsundsiebzig
ist Ulrike Meinhof gestorben
worden
aus Christian Geissler (k)
Maideutsch,
Sonderdruck der Christian-Geissler-Gesellschaft e.V.
Demnächst jährt sich der Todestag von Ulrike Meinhof zum 50ten Mal. Veile auch jüngere Menschen haben ihren Namen schon mal gehört. Doch nur wenige kennen ihre Biografie. Eine der bekanntesten linken Journalistinnen der 1960er Jahre in der BRD wird …
Eine Grußadresse kam auch von der Burak-Bektas-Initiative aus Berlin. Sie bemüht sich um Aufklärung des tödlichen Anschlags auf den damals 22-Jährigen. Bektas war am 5. April 2012 mitten in Berlin-Neukölln von einem Unbekannten erschossen worden. Zwei seiner Freunde überlebten den Mordanschlag schwer verletzt. Obwohl viele Spuren ins Neonazimilieu führten, wurde der Täter bisher heute nicht ermittelt. Die zwei Redner*innen der Initiative erhoben schwere Vorwürfe gegen Polizei und Justiz.
Das Haus in der Möllner Mühlenstraße 9 fällt sofort auf: Es ist weiß gestrichen, rechts neben der Eingangstür ist eine Tafel angebracht. Dort ist zu lesen, dass das Gebäude seit 1999 Bahide-Arslan-Haus heißt und dass die Namensgeberin hier am 23. November 1992 …
Das Haus in der Burgstraße 59 ist ein wichtiger Teil der Stadtgeschichte. Vier der insgesamt 16 Stolpersteine in Salzwedel erinnern an die jüdischen Bewohner*innen Clara Weil sowie Rachel, Hanna und David Hirsch, die vom NS-Regime deportiert und ermordet wurden
Das Fachwerkhaus in der Burgstraße 59 in Salzwedel, lange Zeit ein Modehaus und Zeugnis jüdischen Lebens, soll bald abgerissen werden. Noch zieren Graffiti und Plakate die Fassade – doch das Gebäude könnte schon bald verschwinden. Für den Abriss hat der Altmarkkreis 130 000 Euro im Haushalt 2025 eingeplant. Der Schritt ist umstritten, denn das Haus ist …
Bruno Schilter war lange vergessen – bis Oliver Reschke im Archiv die Akten fand. Mit der gut besuchten Veranstaltung an diesem Donnerstag sollte nicht nur das NS-Opfer Schilter in der Nachbarschaft bekannt gemacht werden. Reschke schildert sehr anschaulich, wie der NS-Terror im roten Friedrichshain für Angst und Schrecken sorgen sollte.
»Mörderkeller« steht auf einem großen Plakat. Ein Pfeil zeigt auf ein Gebäude in der Petersburger Straße 94 in Berlin-Friedrichshain. Davor steht eine Menschenmenge. Der Historiker Oliver Reschke ordnet die historische Aufnahme von 1946 ein: »Dort befand sich …
Für ihn war das Recht auf Kriegsdienstverweigerung universell und bedingungslos. Dafür kämpfte er. Connection hat heute fünf hauptamtliche Mitarbeitende. „Wir wollen die Arbeit auf jeden Fall fortsetzen“, sagte der Vorsitzende Franz Nadler dem Evangelischen Pressedienst (epd).
Wenn es um die Rechte von Kriegs- und Wehrdienstverweiger*innen in aller Welt ging, war Rudi Friedrich die erste Adresse. Anfang der 1990er Jahre hatte er das zuvor lockere Netzwerk der Kriegsdienstgegner*innen zu einem organisierten Beratungs- und Hilfsverein umgeformt: Connection e. V., dessen Geschäftsführer er lange Jahre war. Wie erst jetzt bekannt wurde, ist der Pazifist Mitte Juli …
Gegenüber »nd« zeigt sich auch Bernd Drücke von der gewaltfrei-anarchistischen Monatszeitung »Graswurzelrevolution« über den Tod seines Freundes und Weggefährten erschüttert. »Es gibt wohl niemanden, der so gut vernetzt mit Militär- und Kriegsdienstgegner*innen in aller Welt war wie Rudi.« Für die Rechte von Kriegs- und Militärdienstverweiger*innen einzutreten, war Friedrichs Lebensaufgabe – und das seit über 40 Jahren, erklärte er selbst im »nd«-Interview im Januar 2025.
Ein 60-jähriger deutscher Urlauber ist beim Wandern am Comer See in Oberitalien ums Leben gekommen, meldeten Presseagenturen Mitte Juli. Der Mann hatte laut der italienischen »Corriere della Sera« mit seiner Frau ein Ferienhaus am Comer See gemietet und war am Montag allein zu einer Wanderung aufgebrochen. Währenddessen schickte er demnach seiner Frau noch Fotos per Handy – dann brach der Kontakt ab. Einsatzkräfte fanden seine Leiche später in einem abgelegenen Waldstück bei Barni, im Hinterland des bekannten Touristenortes Bellagio. Am 18. Juli teilte der Verein Connection e. V. mit, dass es sich bei dem Verunglückten um …
Christoph wurde 1988 wegen „Unterstützung einer terroristischen Vereinigung“ (§129a StGB) zu 18 Monaten Knast verurteilt, weil er 1986 im damals linken Veranstaltungsraum Alte Pauline im ostwestfälischen Detmold auf einer Veranstaltung zur Zusammenlegung der politischen Gefangenen und für die Freilassung des schwererkrankten RAF-Inhaftierten Günter Sonnenberg einen Redebeitrag gehalten hat. Das allein reichte für ein 129a-Verfahren gegen drei Personen, die auf der Veranstaltung Reden gehalten haben
Nicht viele Menschen werden wissen, dass Christoph von Hoeren als politischer Gefangener vor mehr als 35 Jahren lebensbedrohlich erkrankte. Er überlebte nur, weil er nach einer öffentlichen Kampagne aus gesundheitlichen Gründen aus der Haft entlassen musste. Das geschah allerdings nicht in der DDR, denn dann hätte von Hoeren zumindest eine kleine finanzielle Entschädigung für die staatliche Repression erhalten. Christoph war politischer Gefangener in Westdeutschland, die darf es dort offiziell nicht geben. Daher hat er auch nie …
Roland Röder weist derweil auch auf den gesellschaftlichen Kontext hin, in dem der Brandanschlag geschah, bei dem Yeboah mit nur 27 Jahren starb. Er kritisiert dabei auch den langjährigen saarländischen Ministerpräsidenten Oskar Lafontaine, damals SPD. Die Kommunalpolitik wie auch die Landespolitik unter Lafontaine hätten sich geweigert, die Tatsache anzuerkennen, »dass es im beschaulichen Saarland eine aktive Nazi-Szene gab, die die Region Saarlouis als ›national befreite Zone‹ betrachtete«.
Am 19. September 1991 starb Samuel Yeboah durch einen rassistischen Brandanschlag in Saarlouis-Fraulautern. Fast 34 Jahre später wird eine offizielle Gedenktafel am Rathaus der Stadt an den Geflüchteten aus Ghana erinnern. Dabei existiert die Sandsteintafel schon seit fast 25 Jahren. »Sie entstand zum zehnten Jahrestag der Ermordung von Samuel Yeboah und war bereits…
Hermann G. Abmayr (Hrsg.): Willi Bleicher. Texte eines Widerständigen. Briefe aus dem KZ, Reden und Interviews. Schmetterling-Verlag 2025, 460 S., br., 24,80 €.
Eine Sammlung mit Briefen, Reden und Interviews erinnert an den Widerstandskämpfer und Gewerkschafter Willi Bleicher Er war vor 30 Jahren noch mit jenem Ausspruch bekannt, der auch zum Titel des Filmporträts über ihn wurde: »Du sollst dich nie vor einem lebenden Menschen bücken«. In »Texte eines Widerständigen« ist eine Rede Bleichers zur Verleihung des Carl-von-Ossietzky-Preises im Jahr 1978 abgedruckt, in der er auf die Hintergründe dieses Satzes einging: »Ich liebte sie nicht, meine Schullehrer, die mir als siebenjährigen Jungen befahlen, mich zu bücken, damit der Rohrstock nicht nur meinem Hinterteil Schmerzen bereitete, sondern auch meinem kindlichen Gemüt. So lernte ich beizeiten die Erkenntnis, mit welchen Mitteln und Methoden die Menschen kleingemacht werden.«
Zum 80. Jahrestag der Zerschlagung des Nationalsozialismus wurde dieses Jahr einmal mehr deutlich, wie sehr die Antifaschist*innen heute fehlen, die im Widerstand waren und über ihre Zeit in der Illegalität, im Exil und meistens in den faschistischen Konzentrationslagern berichten konnten. Es war nur eine kleine Zahl von Männern und Frauen, die aber in der BRD zahlreiche junge Menschen beeindruckten und mit dazu beigetragen hatten, dass diese selbst Antifaschist*innen wurden. Zu diesen inspirierenden Personen gehörte auch Willi Bleicher. Dass er heute fast vergessen ist, liegt auch daran, weil er schon 1981 mit 74 Jahren verstorben ist. Es ist daher überaus verdienstvoll, dass der Historiker Hermann G. Abmayr im Schmetterling-Verlag unter dem Titel …
2004 beteiligte er sich an den machtvollen Demonstrationen gegen Hartz IV und die Agenda 2010 des sozialdemokratischen Kanzlers Gerhard Schröder, auch in der Hoffnung, dass daraus eine neue emanzipatorische Bewegung entstehen könnte. Mit seinem Aufruf zur Bildung von Arbeitslosenräten lancierte er einen damals viel diskutierten Beitrag.
Der Großteil seiner Familie wurde in deutschen Konzentrationslagern ermordet. Andere gelten als verschollen. Jahre lang suchte Antonin Dick über das Internationale Rote Kreuz nach ihnen. »Bisher ergebnislos«, musste er vor über zwanzig Jahren konstatieren, in einem Essay im »nd«. Antonin Dick ist 1941 in der englischen Emigrantenstadt Royal Leamington Spa im County Warwickshire geboren worden. Seine Mutter gehörte er zu den Mitbegründer*innen der …
Ausgerechnet während der Gedenkstunde zum 80. Jahrestags der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau wurde die Shoah, der Massenmord an den europäischen Jüdinnen und Juden, von den Redner Roman Schwarzman in die allgemeine Verbrechensgeschichte eingemeindet.
Auschwitz steht für ein einzigartiges Menschheitsverbrechen, die industrielle Ermordung von Juden, nur weil sie Juden waren. Es ging nicht um die Eroberung von Land, nicht um die Unterwerfung von Menschen. Es ging um ihre Vernichtung. Diesen Unterschied hat die Philosophin Hannah Arendt 1964 im Gespräch mit Günther Gaus in dessen Sendung »Zur Person« so auf den Punkt gebracht: »Der Tag, als wir von Auschwitz erfuhren, ist der eigentliche Schock gewesen. …Und ich meine nicht die Zahl der Opfer. Ich meine die Fabrikation der Leichen. Da ist etwas passiert, womit wir alle nicht mehr fertig werden.«
Die Sitzung des Deutschen Bundestags am 29. Januar 2025 wird noch länger im Gedächtnis bleiben. Denn am späten Nachmittag stimmten dort die Abgeordneten von Union, FDP und BSW mit der rechten AfD zusammen für repressive Migrationsabwehr. Ein Tabubruch, wie es heißt. Weitgehend unbeachtet blieb dabei ein weiterer Tabubruch, der sich am selben Tag bereits im Vorfeld ereignete. Ausgerechnet während der Gedenkstunde zum 80. Jahrestags der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau wurde die Shoah, der Massenmord an den europäischen Jüdinnen und Juden, …
„Weil der Mensch ein Mensch ist, drum hat er Stiefel im Gesicht nicht gern“, wurde zu seiner lebenslangen Devise. Denn Rolf lernte in Lüneburg, wo er damals lebte, Linke kennen, die Marx studierten und Lenin studierten und sich organisieren wollten.
„Es war ein Überlebenskampf, der in meiner Kindheit anfing. Es war mein Wille am Leben zu bleiben.“ Diese Sätze schrieb Rolf-Dieter Missbach vor einigen Jahren. Rolf hatte erfahren, dass für ehemalige Heimkinder, die dort geschlagen und drangsaliert wurden, die Möglichkeit besteht, eine Entschädigung zu bekommen. Rolf musste seine Kindheit in einem solchen Heim in der Adenauer-Ära verbringen und noch Jahrzehnte später war ihm die Wut anzumerken, über das, was ihm dort geschehen ist. Doch er war kein Opfer, denn er erkannte früh, …