Karl Meyerbeer: Worüber wir streiten müssen. Konflikte, Spaltungen und Gemeinsamkeiten in der radikalen Linken. Unrast-Verlag Münster 2026. 140 Seiten. ca. 18.00 SFr. ISBN: 978-3-89771-052-8.
Karl Meyerbeer und das Zeitungsprojekt Strassen aus Zucker plädieren für eine innerlinke Streitkultur, die Widersprüche aushält und nicht gleich einen innerlinken Bürger*innenkrieg ausruft, wenn es unterschiedliche Positionen gibt.
Über die gesellschaftliche Linke und ihre Tendenz zur Spaltung gibt es viele Kalauer. Einer findet sich am Beginn des schmalen Bandes, das kürzlich im Unrast-Verlag erschienen ist unter dem Titel „Worüber wir streiten müssen“. In 16 Kapiteln befasst sich der belesene Karl Meyerbeer mit …
Die israelsolidarische Antifa richtete vor 20 Jahren ihre antistaatliche Kritik in erster Linie gegen Deutschland. Jeden Verweis auf eine deutsche Staatsräson hätten sie daher vehement zurückgewiesen. Hieran sollten israelsolidarische Linke heute anknüpfen, etwa Nikolas Lelle und David Uhlig: In einem – ansonsten guten – Beitrag in der Taz vom 20. Oktober bezeichnen sie die linke Kritik an der deutschen Staatsräson in Hinblick auf Israel und Antisemitismus als reine Strategie, vom eigenen Antisemitismus abzulenken. Dieses Verdikt dürfte zumindest für Linke nicht zutreffen, die allen Staaten und Deutschland im Besonderen ablehnend gegenüberstehen und schon deshalb mit einer deutschen Staatsräson nichts zu tun haben wollen.
Die Auseinandersetzung um Vanessa Emde von der Linkspartei, die als Direktkandidatin in Berlin ins Abgeordnetenhaus gewählt wurde, geht weiter. Ein Großteil der Medien hat sie als »Israel-Hasserin« gelabelt. Auch in der Fraktion der Berliner Linken gilt Emde mittlerweile als Hindernis für eine Regierungsübernahme. Dabei wird ihre Position, dass nicht Staaten, sondern nur Menschen Rechte haben, seit vielen Jahrzehnten ebenso …
Gerson schloss sich dieser Gruppe um Mamlok an. Am 30. September 1941 wurden Eva Mamlok, Inge Gerson und Inge Lewinsohn wegen des Besitzes und der Weitergabe verbotener Bücher denunziert und ins Gefängnis eingeliefert. Nach Berners späteren Erinnerungen wurden die drei Frauen wegen Wehrkraftzersetzung zum Tode verurteilt. Die Urteile seien aber in lebenslängliche Haft im Konzentrationslager umgewandelt worden.
Am Freitag wurde in Berlin-Kreuzberg der Blücherplatz in Eva-Mamlok-Platz umbenannt. Damit verschwindet ein preußischer Generalfeldmarschall aus dem Straßenbild, der im hohen Alter von zuletzt mehr als 70 Jahren durch Siege über Napoleons Truppen berühmt wurde. Blüchers Spitzname war »Marschall Vorwärts«. Im Militär verharmloste der Spruch »Er geht ran wie Blücher« lange Zeit die sogenannte Vorwärtsverteidigung. Sie war mit dem Tod vieler Soldaten bei Sturmangriffen verbunden. Eva Mamlok ist eine Antifaschistin, die sich bereits in jungen Jahren engagierte. Anfang der 1930er Jahre stieg sie auf das Dach des …
Jugendliche sollen den Inhaber des Ladens für Revolutionsbedarf mehrfach mit Reizgas besprüht haben. Dieser hatte ein Plakat vom Nova-Festival aufgehängt
Den Anlass für die Überfallserie sieht HG in einen Flugblatt, das er seit Anfang Oktober vor seinen Laden geklebt hat. Unter der Überschrift „Kampf gegen Judenfeindschaft“ wird dort Solidarität mit den Opfern des Nova-Festivals ausgedrückt. Am 7. Oktober 2023 hatten Mitglieder der Hamas und ihre Verbündeten das Festival überfallen und Besucher*innen misshandelt und ermordet. Das Flugblatt zeigt zwei Fotos, auf denen die Tafel der Getöteten zu sehen ist. Daneben steht die Parole „Wir werden wieder tanzen“. Sie stammt von Überlebenden des Festivals, die damit deutlich machten, dass sie sich dem Terror nicht beugen wollen. HG hatte das Flugblatt bei den kleinen linken Verlag Oda Benario bestellt, der israelsolidarische Materialen verbreitet.
Hans Georg Lindenau, der in Szenekreisen nur HG genannt wird, ist seit Jahren ein Symbol des rebellischen Kreuzberg, das auch in dem Stadtteil immer mehr verschwindet. Sein Gemischtwarenladen mit Revolutionsbedarf war ein Anlaufpunkt für Linke, und für Nachbar*innen. Doch jetzt hat auch HG der Nahostkonflikt eingeholt. Gleich zweimal wurde HG in seinen Laden von einer Gruppe …
Die ausufernde Diskussion um den LINKEN-Bundestagsabgeordneten Ferat Kocak zeigt einmal mehr, wie die Rechten aller Couleur die öffentliche Debatte bestimmen.
2012 als die LINKE mit Katrin Lompscher die Senatsverwaltung für Wohnen übernahm, richtete sich die Kampagne gegen ihren Staatssekretär Andrej Holm. Offiziell wurde ihm vorgeworfen, eine kurzzeitige Mitarbeit bei einem DDR-Wachregiment nicht angegeben zu haben. Doch in Wirklichkeit fürchtete der Immo-Clan den linken Stadtsoziologen und Aktivisten für Mieterrechte. Den wollten sie nicht auf dem wichtigen Posten im Senat haben. Damals gab es eine große Unterstützungskampagne für Andrej Holm, an der sich auch Menschen beteiligten, die keine Mitglieder der Linkspartei waren. Heute wäre eine Unterstützung für Ferat Kocak nötig, ohne auch Kritik an manchen seiner Positionen beispielsweise zum Nahostkonflikt zu verschweigen. E
Die Taz ist mit ihren Titelblatt vom 23. September wieder einmal ihrem alten Markenkern gerecht geworden, witzig und respektlos gegen alle Autoritäten zu sein. Es zeigt Bundeskanzler Merz auf einem Treffen von Großbanken und die Überschrift lautet: „Verbindungen zum Immo-Clan?“ Das ist eine sehr berechtigte Frage. Denn Merz und andere Politiker nicht nur …
Das 100-minütige Feature von Carlo Hoffmann, das mit Unterstützung des DGB Frankfurt/Main und der Rosa Luxemburg Stiftung realisiert werden konnte und bei den Sendern
Radio Blau und Radio Corax erstausgestrahlt wurde, ist ein wichtiges Stück linke Geschichte auch über die Rote Hilfe Deutschland in einer Zeit, in der für
Menschen das NS-System tatsächlich so weit weg ist, wie es Anna Seghers schon vor mehr als 50 Jahren beschrieben hat.
„Wenn die Zeit kommt, der Hitler und der Nazismus der Jugend wie eine Legende vorkommen wird, wie ein Stück Geschichte, die ihren Abscheu erregt und ihr fast unbegreiflich ist, bringen die Aufzeichnungen von Lore Wolf in die Köpfe und in die Gemüter, was damals ein Antifaschist erlebt hat.“ Dieses Geleitwort hat die Schriftstellerin …
Rund um den Tag der Erinnerung und Mahnung veranstaltet der Berliner VVN-BdA drei historische Stadtspaziergänge zu Orten der Verfolgung und des Widerstands in der Nazizeit in Friedrichshain. Die letzte Stadterkundung startet am 15. September um 15 Uhr vor der Gedenkstele für sieben von den Nazis ermordete Widerstandskämpfer*innen in der Koppenstraße und endet am Bersarinplatz. Dort befand sich in der Nazizeit das Keglerheim, ein berüchtigter Folterkeller der SA.
Der Tag der Erinnerung und Mahnung ist für Antifaschisten in Berlin ein wichtiges Datum. Dieses Jahr fiel der Termin auf den Sonntag eine Woche nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, bei der die AfD 43,8 Prozent der Stimmen und beinahe die absolute Mehrheit der Mandate im Parlament erreicht hatte. Dennoch hielt sich die Zahl der Teilnehmenden an der Gedenkveranstaltung am Franz-Mehring-Platz in Grenzen. »Wir haben in diesem Jahr …
Frederik Fuss (Hg.): Anarchistische Scheidewege. Zum Verhältnis von Anarchismus und Antisemitismus. Syndikat A. 196 Seiten. ca. 16,00 SFr. ISBN: 978-3-949036-16-3.
Der Sammelband über das Verhältnis von Anarchismus und Antisemitismus lässt Raum für Fragen und Zweifel und lädt zur Diskussion ein. Der Band könnte er könnte Massstäbe auch für die innerlinke Debattenkultur setzen. Deswegen ist es bedauerlich, dass das Buch nicht stärker zur Kenntnis genommen wird. Bei einer hoffentlich erfolgten Neuauflage sollte allerdings noch ein Autor*innenverzeichnis eingefügt werden.
Seit dem islamistischen Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 haben sich auch in der gesellschaftlichen Linken die Fronten verhärtet. In grossen Teilen des propalästinensischen Spektrums wird seitdem der Begriff Zions als Schimpfwort gebraucht. Gemeint sind israelsolidarische Menschen, die generell als Zionist*innen gelabelt werden. Das erinnert an Rituale in der kommunistischen Wirklichkeit der stalinistischen Bewegung, wo Ende der 1940er Jahre der Kampf gegen den Zionismus ausgerufen worden war. Aber auch Linke, die sich kritisch zu Staat und Nation positionieren und keinerlei Sympathie mit Stalin und seinen Epigon*innen haben, bleiben vom Streit um …
Bei Presse- und Rundfunkräten sowie Medienanstalten können sich Leser*innen und Zuschauer*innen über Berichterstattung beschweren. Eine neue Studie der Rosa-Luxemburg-Stiftung zeigt wie das im Falle der deutschen Nahostberichterstattung geschehen ist.
Stefan Mey betont die unterschiedlichen Arbeitsweisen der Beschwerdeinstanzen. „Der Presserat nimmt seinen Kontrollauftrag aktiv wahr und agiert auch sehr transparent“, betont er im Gespräch mit M. Die Rundfunkräte hingegen agierten laut Mey oft als „zahme Tiger“. Zudem moniert er, dass die Medienanstalten ihre Befugnisse zur Durchsetzung journalistischer Standards kaum einsetzen.
Klagen über mangelndes Medienvertrauen sind oft zu hören. Dabei wird manchmal vergessen, dass es Instanzen gibt, die diese Medien kontrollieren und Fehler in der Berichterstattung untersuchen sollen. Doch wie nehmen die Presse- und Rundfunkräte und Medienanstalten diese Aufgabe wahr?…
Ein aktueller Sammelband betrachtet das Verhältnis der anarchistischen Bewegung zumAntisemitismus. Anstelle einfacher Antworten zeigt sich Diversität: von antisemitischen Tendenzen über staatskritischen Antizionismus bis hin zur Betonung Israels als Schutzraum. Das Buch liefert viele Denkanstöße, gerade weil die Beiträge nicht auf eine »linke Szene« im engeren Sinne ausgerichtet sind.
Seit dem islamistischen Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 haben sich in der gesellschaftlichen Linken in Deutschland die Fronten verhärtet. In großen Teilen des propalästinesischen Spektrums wird der Begriff Zionist mittlerweile als Schimpfwort verwendet oder mit »Faschist« synonym verwendet. Das erinnert an Rituale in der kommunistischen, in Wirklichkeit stalinistischen Bewegung, wo Ende der 1940er Jahre der Kampf gegen den Zionismus ausgerufen worden war. Aber auch Linke, die sich kritisch zu Staat und Nation positionieren und keinerlei Sympathie gegenüber Stadt lin und seinen Nachfolgern haben, bleiben vom Streit um …
Reinhard Strecker wurde Anfang der 1960er angefeindet, weil er auf die vielen ehemaligen Nazis in der BRD aufmerksam machte. Kur vor seinen Tod bekam er noch Anerkennung. Auch wenn Strecker 2025 sogar das Bundesverdienstkreuz erhalten hat, blieb er bis zum Schluss unversöhnt mit Deutschland. „Nach all der Diffamierung und der Hetze gegen ihn, für die sich nie jemand entschuldigt hat, wird daraus wohl auch nichts mehr werden“, zitierte ihn der Journalist Michael Sontheimer 2019 im Spiegel.
„Die Freie Universität trauert um Reinhard Strecker, der am 2. August 2026 im Alter von 95 Jahren in Berlin verstorben ist“. So würdigt die FUB in einem Nachruf einen Pionier der NS-Aufarbeitung. Es ist eine späte Würdigung. Denn 1960 durfte die Ausstellung „Ungesühnte Nazijustiz“ auf Druck des Berliner Senats nicht …
Der Antifaschismus war Strecker noch im hohen Alter ein wichtiges Anliegen. So war er persönlich in Slonsk anwesend, als 2015 in der westpolnischen Kleinstadt ein Gedenkort für das ehemalige NS-Konzentrationslager Sonnenburg eröffnet wurde. Weil es vom nahen Bahnhof aus Transportschwierigkeiten gab, trampte Strecker nach Slonsk und war so als Erster vor Ort.
»Die Freie Universität trauert um Reinhard Strecker, der am 2. August 2026 im Alter von 95 Jahren in Berlin verstorben ist.« So würdigt die FU in einem Nachruf einen Pionier der NS-Aufarbeitung. Es ist eine späte Würdigung. Denn 1960 durfte die Ausstellung »Ungesühnte Nazijustiz« auf Druck des Berliner Senats nicht …
An der Freien Universität Berlin, wo er Sprachwissenschaften studierte, fand Strecker Gleichgesinnte. Gemeinsam untersuchten sie die personellen Kontinuitäten ehemaliger Nazijuristen in der westdeutschen Justiz. Ihre Recherchen mündeten in die Ausstellung „Ungesühnte Nazijustiz“, die Anfang der 1960er-Jahre für großes Aufsehen und heftige Anfeindungen sorgte
In den vergangenen Jahren wurde es stiller um Reinhard Strecker. Dabei verfolgte er bis ins hohe Alter mit Sorge den Aufschwung neuer rechter Bewegungen. Als „Pionier der NS-Aufarbeitung“ kämpfte er jahrzehntelang gegen die alten Nazis in westdeutschen Institutionen. Als Jugendlicher verließ Strecker Deutschland mit dem festen Vorsatz, nie in das Nachkriegsdeutschland der Adenauer-Ära zurückzukehren, das die NS-Verbrechen totschwieg. Auf Drängen seiner Eltern kehrte er in den 1950er-Jahren doch in die BRD zurück. Bald erkannte er, dass er …
Max Lucks wurde 1977 in Gelsenkirchen geboren. Von 2017 bis 2019 war er Sprecher der Grünen Jugend. Seit September 2021 ist er für die Grünen Abgeordneter im Deutschen Bundestag. In seiner Fraktion ist er Sprecher für Menschenrechte und humanitäre Hilfe. Er wird dem linken Flügel der Partei zugerechnet.
Nach dem islamistisch motivierten Anschlag auf den Berliner CSD ist eine hitzige Debatte über den Umgang der Linken mit dem Islamismus entbrannt. Kabarettist Florian Schroeder warf der deutschen Linken im Freitag vor, den Islamismus zu verharmlosen und zu schnell auf die Rechten zu zeigen. Der Grünen-Politiker Max Lucks, menschenrechtspolitischer Sprecher seiner Fraktion, widerspricht dieser Kritik nicht. Doch zählt er auch seine eigene Partei zu den Verharmlosern? Ein Gespräch.
der Freitag: Herr Lucks, der Kabarettist Florian Schroeder warf der Linken nach dem Anschlag auf den CSD vor, den Islamismus zu verharmlosen. Fühlen Sie sich angesprochen? …
Nach der Attacke auf den CSD wirft Kabarettist Florian Schroeder in einem TikTok-Video Teilen der Linken vor, den politischen Islam über Jahre romantisiert zu haben. Was hat er gesehen, was andere angeblich nicht sehen wollten? Ein Gespräch
Florian Schroeder (geboren am 12. September 1979 in Lörrach) ist Kabarettist, Autor und Moderator. Bekannt wurde er mit Prominenten-Parodien und politischer Satire, unter anderem in eigenen TV- und Radioformaten sowie beim „Politischen Aschermittwoch der Kabarettisten“. 2021 erhielt er den Deutschen Kleinkunstpreis, 2024 den Bayerischen Kabarettpreis.
Florian Schroeder gilt als einer der besten politischen Kabarettisten des Landes – klar links verortet und stets angriffslustig gegen rechts. Nach dem Anschlag beim CSD hat er nun ausgerechnet die eigene Szene ins Visier genommen: In einem TikTok-Video wirft er Teilen der Linken vor, auf dem islamistischen Auge blind zu sein und den politischen Islam über Jahre hinweg romantisiert zu haben.
Der Vorwurf löste heftige Gegenreaktionen aus – Zustimmung und Empörung hielten sich die Waage. Was hat den Kabarettisten dazu gebracht, mit den eigenen Leuten so hart ins Gericht zu gehen? Der Freitag hat bei Schroeder nachgefragt. …