Matthias Schinder liefert eine schonungslose Kritik an der Entwicklung im Nicaragua, in das er einst so viel Hoffnung setzte. Leider verbreitet er am Schluss Illusionen in die bürgerliche Demokratie. Problematisch ist aber, dass er sich vor allem in den letzten Kapiteln des Buches zu stark auf die Wahlen als Lackmustest für eine Demokratie konzentriert. Er ignoriert berechtigte Kritik an den bürgerlichen Wahlen und ihrem Prozedere – u.a von Rätekommunist:innen.
Nicaragua lässt den Autor nicht los. In den frühen 1980er Jahren gehörte der Maschinenbauingenieur, der in verschiedenen Funktionen in der IG Metall aktiv war, zu den den vielen Linken, die aus Westeuropa und vielen anderen Ländern nach Nicaragua reisten und dort die sandinistische Revolution unterstützen wollten. Mittlerweile im Rentenalter, hat Schindler zwei Bücher geschrieben, in denen er sich kritisch mit der weiteren Entwicklung in Nicaragua auseinandersetzt. Schon 2019 rechnete er unter den Titel …
Satyajeet Malik, Der digitale Raubzug Wie Großkonzerne und Supermächte den Kolonialismus fortsetzen und global ausbeuten, Quadriga-Verlag, Berlin 2026Seiten, 288 Seiten, 25 EuroI, ISBN 978386951454
Malik richtet sein Augenmerk auf den digitalen Zugriff auf die Menschen. „Ein Mechanismus ist dabei die Ausweitung digitaler Kredit- und Finanzangebote, die breite Bevölkerungsschichten in Verschuldungsverhältnisse gegenüber dem westlichen Kapitalismus treiben.“ Dazu braucht es nur einfache Smartphones, die auch für einkommensarme Menschen erschwinglich und mit günstigen Datenpaketen ausgestattet sind.
In Indien hat am Ende des Corona-Jahres 2020 der größte Streik der Weltgeschichte stattgefunden. In Deutschland wurde der Ausstand von über 250 Millionen indischen ArbeiterInnen jedoch kaum wahrgenommen. Dabei war dieser Streik der Höhepunkt eines monatelangen Kampfes indischer BäuerInnen gegen ein Gesetzesvorhaben der rechtskonservativen, extrem wirtschaftsnahen indischen Regierung, das die Agrargesetze im Interesse großer Konzerne verändern sollte. „Mehr als 500 Bauernverbände aus dem ganzen Land bildeten eine koordinierte Front. Die Protestierenden sahen sich dabei schlimmsten Verleumdungen ausgesetzt, in deren Verlauf sie als Terroristen oder gar Agenten Pakistans und Chinas gebrandmarkt wurden“, schreibt Satyajeet Malik gleich im ersten Kapitel seines kürzlich im Quadriga-Verlag erschienenen Buches …
Karl Meyerbeer: Worüber wir streiten müssen. Konflikte, Spaltungen und Gemeinsamkeiten in der radikalen Linken. Unrast-Verlag Münster 2026. 140 Seiten. ca. 18.00 SFr. ISBN: 978-3-89771-052-8.
Karl Meyerbeer und das Zeitungsprojekt Strassen aus Zucker plädieren für eine innerlinke Streitkultur, die Widersprüche aushält und nicht gleich einen innerlinken Bürger*innenkrieg ausruft, wenn es unterschiedliche Positionen gibt.
Über die gesellschaftliche Linke und ihre Tendenz zur Spaltung gibt es viele Kalauer. Einer findet sich am Beginn des schmalen Bandes, das kürzlich im Unrast-Verlag erschienen ist unter dem Titel „Worüber wir streiten müssen“. In 16 Kapiteln befasst sich der belesene Karl Meyerbeer mit …
Satyajeet Malik: Der digitale Raubzug. Wie Grosskonzerne und Supermächte den Kolonialismus fortsetzen und global ausbeuten. Quadriga, Berlin 2026. 288 Seiten ca. 29.00 SFr. ISBN: 978386951454.
In Indien hat am Ende des Corona-Jahres 2020 der grösste Streik der Weltgeschichte stattgefunden. Doch in Deutschland wurde der Ausstand von über 250 Millionen indischen Arbeiter*innen kaum wahrgenommen.
Dabei war dieser Streik der Höhepunkt eines monatelangen Kampfzyklus indischer Bäuer*innen gegen ein Gesetzesvorhaben der rechtskonservativen, extrem wirtschaftsnahen indischen Regierung, das die Agrargesetze im Interesse des Grosskapitals verändern sollte. „Mehr als 500 Bauernverbände aus dem ganzen Land bildeten eine koordinierte Front. Die Protestierenden sahen sich dabei schlimmsten Verleumdungen ausgesetzt, in deren Verlauf sie als Terroristen oder gar Agenten Pakistans und Chinas gebrandmarkt wurden“ (S. 25), schreibt Satyajeet Malik gleich im ersten Kapitel seines kürzlich im Verlag Quadriga erschienenen Buches …
Die Soziologin Francesca Barp ist Expertin für Arbeitsrecht. Sie hat gemeinsam mit dem Politikwissenschaftler Nikolai Huke ein Papier zur Situation von Live-in-Betreuerinnen in Deutschland konzipiert. Bei Live-in wohnen migrantische Pflegerinnen meist mit den Betreuten zusammen.
Welche Bedeutung hat die Live-in-Betreuung in Deutschland? …
Einige der vom Syndikalismusforscher vorgestellten Frauen wurden von Gisela Notz schon in der Graswurzelrevolution porträtiert, dazu gehört Etta Federn, die durch ihre in der Spanischen Revolution gemachten Erfahrungen mit dem Pazifismus gebrochen hat.
Wilhelm Schroers ist einer von wenigen Anarchosyndikalisten, nach dem heute ein Gebäude in Deutschland benannt ist. Im Kulturhaus Wilhelm Schroers ist die Volkshochschule Delmenhorst untergebracht, die Schroers mitgegründet hat. Im Archiv dieser Volkshochschule finden sich verschriftlichte Zeitschrifteninterviews mit Schroers. „Zwischen den Fragen und Antworten unterbrechen eckige Klammern diese Unterhaltung: (Martha mit Kuchen)“, schreibt Helge Döhring auf Seite 153 in seinem jüngst im Verlag Edition AV veröffentlichten Buch „Anarcho-Syndikalistinnen“. Dort hat der Historiker 30 deutschsprachige …
Sandvoß Hans Jürgen, Schutztruppe der Republik, Der Reichsbanner Schwarz-rot-gold in Berlin und Brandenburg 1924 bis 1933, Metropol-Verlag, ISBN: 978-3-86331-769-0, 36 Euro
Eine besondere Stärke des Buches ist der kritische Blick, den Sandvoß auf die Politik des Reichsbanners bewahrt. Denn er verstand sich eben nicht nur als antifaschistische Kampforganisation. Seit seiner Gründung betonte die Organisation vielmehr ihre Frontstellung gegen rechte und linke Gegner*innen der Weimarer Republik. Die Kommunist*innen wurden nicht als linke Konkurrenz der SPD, sondern als Feind wahrgenommen. Diese Abgrenzung gehörte zu der DNA des Reichsbanners, lange bevor die KPD mit ihrer Sozialfaschismustheorie die SPD mit der NSDAP auf eine Stufe stellte.
Der Berliner Historiker Hans-Rainer Sandvoß hat sich mit seinen Forschungen über den sozialdemokratischen Widerstand gegen den deutschen Faschismus große Verdienste erworben. Letztes Jahr hat er im Metropol-Verlag unter dem Titel »Schutztruppe der Republik« ein Buch über das …
Der Kasseler Kunstprofessor Daniel Hornuff will mit seinen Vorschlag eine Diskussion auslösen. Es ist auch ein Beitrag gegen die zunehmende Militarisierung der Gesellschaft.Hornuff beruft sich in seinem Plädoyer auf das Werbeverbot für Tabak, das in Deutschland wie in vielen anderen Ländern seit mehreren Jahren existiert und gegen großen Widerstand der Tabakindustrie durchgesetzt werden musste.
Die neue Kriegsfähigkeit Deutschlands wird zunehmend auch im Stadtbild deutlich. Bundeswehrwerbung ist allgegenwärtig. Große Banner preisen an zentralen Stellen in den Innenstädten die Vorzüge der Truppe. Auch auf den Außenseiten Bussen und Bahnen entkommt man der Militärwerbung nicht. Doch zunehmend trifft die Werbeoffensive im Tarnfleck auch auf Widerstand. So plädiert der Professor für Theorie und Praxis der Gestaltung an der Kunsthochschule der Universität Kassel, Daniel Hornuff, für …
Peter Gauweiler wurde am 22. Juni 1949 in München geboren und ist ein deutscher Rechtsanwalt sowie langjähriger CSU-Politiker. Im Februar 2023 unterzeichnete er als Erster die von Sahra Wagenknecht und Alice Schwarzer initiierte Petition „Manifest für Frieden“, die Verhandlungen statt weiterer Waffenlieferungen an die Ukraine forderte
Peter Gauweiler galt als harter CSU-Knochen, dann eckte er bei der eigenen Partei an. Jetzt spricht er auf Friedensdemos neben Sahra Wagenknecht und wird sogar beschuldigt, Putin zu verharmlosen. Wann wurde er zum Pazifisten? Ein Gespräch
In unserer Reihe zum Pazifismus haben wir bisher keine ausgewiesene Konservative nach ihrer Haltung gefragt. Zeit also für einen konservativen Pazifisten. Peter Gauweiler galt früher als harter Knochen in der CSU, dann eckte er immer mehr bei der Partei an. Könnte man den bekannten Juristen heute als Nationalpazifisten bezeichnen? …
Pawel Bechtold, 23 Jahre alt, istAuszubildender für Elektronik in einem großen Unternehmen, das Windräder herstellt. Er engagiert sich in der Aktion Wind gegen die Energiepolitik vom Bundeswirtschaftsministerium.
Nach der Klausur von Friedrich Merz und seinen Ministern ist die Kritik an der Bundesregierung groß. Auch Pawel Bechthold blickt mit Sorge auf die Vorhaben: Der Auszubildende arbeitet in der Windindustrie und befürchtet, dass die geplanten Änderungen am Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) den Ausbau der Windkraft bremsen und Arbeitsplätze gefährden. Im Interview mit dem Freitag erklärt er, was die Windbranche jetzt braucht – und welche Rolle gewerkschaftlicher Widerstand spielt.
der Freitag: Jüngst endete die Klausur der Bundesregierung. Sie sind auf deren Politik nicht gut zu sprechen. Was kritisieren Sie? …
Frederik Fuss (Hg.): Anarchistische Scheidewege. Zum Verhältnis von Anarchismus und Antisemitismus. Syndikat A. 196 Seiten. ca. 16,00 SFr. ISBN: 978-3-949036-16-3.
Der Sammelband über das Verhältnis von Anarchismus und Antisemitismus lässt Raum für Fragen und Zweifel und lädt zur Diskussion ein. Der Band könnte er könnte Massstäbe auch für die innerlinke Debattenkultur setzen. Deswegen ist es bedauerlich, dass das Buch nicht stärker zur Kenntnis genommen wird. Bei einer hoffentlich erfolgten Neuauflage sollte allerdings noch ein Autor*innenverzeichnis eingefügt werden.
Seit dem islamistischen Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 haben sich auch in der gesellschaftlichen Linken die Fronten verhärtet. In grossen Teilen des propalästinensischen Spektrums wird seitdem der Begriff Zions als Schimpfwort gebraucht. Gemeint sind israelsolidarische Menschen, die generell als Zionist*innen gelabelt werden. Das erinnert an Rituale in der kommunistischen Wirklichkeit der stalinistischen Bewegung, wo Ende der 1940er Jahre der Kampf gegen den Zionismus ausgerufen worden war. Aber auch Linke, die sich kritisch zu Staat und Nation positionieren und keinerlei Sympathie mit Stalin und seinen Epigon*innen haben, bleiben vom Streit um …
Bei Presse- und Rundfunkräten sowie Medienanstalten können sich Leser*innen und Zuschauer*innen über Berichterstattung beschweren. Eine neue Studie der Rosa-Luxemburg-Stiftung zeigt wie das im Falle der deutschen Nahostberichterstattung geschehen ist.
Stefan Mey betont die unterschiedlichen Arbeitsweisen der Beschwerdeinstanzen. „Der Presserat nimmt seinen Kontrollauftrag aktiv wahr und agiert auch sehr transparent“, betont er im Gespräch mit M. Die Rundfunkräte hingegen agierten laut Mey oft als „zahme Tiger“. Zudem moniert er, dass die Medienanstalten ihre Befugnisse zur Durchsetzung journalistischer Standards kaum einsetzen.
Klagen über mangelndes Medienvertrauen sind oft zu hören. Dabei wird manchmal vergessen, dass es Instanzen gibt, die diese Medien kontrollieren und Fehler in der Berichterstattung untersuchen sollen. Doch wie nehmen die Presse- und Rundfunkräte und Medienanstalten diese Aufgabe wahr?…
Die AfD greift bei den Landtagswahlen im Osten nach der absoluten Mehrheit. Politikwissenschaftler Thomas Biebricher versteht ihren Aufstieg als Klassenprojekt der Elite. Warum ist für ihn der Faschismus-Begriff der falsche? Ein GesprächT
Thomas Biebricher, Jahrgang 1974, lehrt als Heisenberg-Professor für Politikwissenschaft an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Zuvor war er unter anderem an der University of Florida und der Copenhagen Business School tätig. Seine Forschung befasst sich mit politischer Theorie – und den Ursachen und Inhalten neoliberaler Politik sowie dem neuem autoritärem Rechtsradikalismus
Die Bundesrepublik wartet auf den Sachsen-Anhalt-Schock. Und fragt sich weiterhin, wie es passieren konnte, dass eine Partei wie die AfD bundesweite Umfragen anführt und bei den anstehenden Landtagswahlen im Osten sogar nach der absoluten Mehrheit greift. Vergleichbare Entwicklungen und Diskussionen finden auch in vielen anderen westlichen Ländern statt – der Freitag hat unter anderem Paul Mason und Jason Stanley dazu befragt.
Auch Thomas Biebricher, Politik-Professor in Frankfurt, befasst sich seit langem mit diesen neuen rechten Kräften – und betont die sozio-ökonomische Dimension ihres Aufstiegs: Obwohl sie teils auch unter Lohnabhängigen Unterstützung finden, seien diese Kräfte als „Klassenprojekt“ aus Teilen der wirtschaftlichen Elite zu verstehen. Das ist auch die These des Sammelbands Oben rechts. Rechtspopulismus als Klassenprojekt, den er jüngst im Suhrkamp-Verlag mitherausgegeben hat. Darüber und über die Frage, was aus dieser Analyse zu folgern ist, hat sich Peter Nowak für den Freitag mit ihm unterhalten.
Der Freitag: Sie haben in diesen Buch und auch in einem Gespräch im Dissens-Podcast gesagt, dass die aktuelle Rechtsentwicklung ein Klassenprojekt reicher Unternehmer und ihrer Unterstützer ist. Können Sie diese These genauer erläutern? …
Johanna Schellhagen hat 2011 das Medienkollektiv Labournet TV mitgegründet. Vor vier Jahren präsentierte sie den Film »Der laute Frühling«. In diesem Jahr erschien im Büchner-Verlag ihr Buch »Wie wir uns eine Zukunft auf diesem Planeten erkämpfen« (172 S., br., 18 €).
In Ihrem Buch »Wie wir uns eine Zukunft auf diesem Planeten erkämpfen« beschäftigen Sie sich damit, wie der Kapitalismus überwunden und eine nachhaltige Produktionsweise etabliert werden kann. Was hat Sie dazu inspiriert? …
Ein aktueller Sammelband betrachtet das Verhältnis der anarchistischen Bewegung zumAntisemitismus. Anstelle einfacher Antworten zeigt sich Diversität: von antisemitischen Tendenzen über staatskritischen Antizionismus bis hin zur Betonung Israels als Schutzraum. Das Buch liefert viele Denkanstöße, gerade weil die Beiträge nicht auf eine »linke Szene« im engeren Sinne ausgerichtet sind.
Seit dem islamistischen Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 haben sich in der gesellschaftlichen Linken in Deutschland die Fronten verhärtet. In großen Teilen des propalästinesischen Spektrums wird der Begriff Zionist mittlerweile als Schimpfwort verwendet oder mit »Faschist« synonym verwendet. Das erinnert an Rituale in der kommunistischen, in Wirklichkeit stalinistischen Bewegung, wo Ende der 1940er Jahre der Kampf gegen den Zionismus ausgerufen worden war. Aber auch Linke, die sich kritisch zu Staat und Nation positionieren und keinerlei Sympathie gegenüber Stadt lin und seinen Nachfolgern haben, bleiben vom Streit um …