Nach der Attacke auf den CSD wirft Kabarettist Florian Schroeder in einem TikTok-Video Teilen der Linken vor, den politischen Islam über Jahre romantisiert zu haben. Was hat er gesehen, was andere angeblich nicht sehen wollten? Ein Gespräch
Florian Schroeder (geboren am 12. September 1979 in Lörrach) ist Kabarettist, Autor und Moderator. Bekannt wurde er mit Prominenten-Parodien und politischer Satire, unter anderem in eigenen TV- und Radioformaten sowie beim „Politischen Aschermittwoch der Kabarettisten“. 2021 erhielt er den Deutschen Kleinkunstpreis, 2024 den Bayerischen Kabarettpreis.
Florian Schroeder gilt als einer der besten politischen Kabarettisten des Landes – klar links verortet und stets angriffslustig gegen rechts. Nach dem Anschlag beim CSD hat er nun ausgerechnet die eigene Szene ins Visier genommen: In einem TikTok-Video wirft er Teilen der Linken vor, auf dem islamistischen Auge blind zu sein und den politischen Islam über Jahre hinweg romantisiert zu haben.
Der Vorwurf löste heftige Gegenreaktionen aus – Zustimmung und Empörung hielten sich die Waage. Was hat den Kabarettisten dazu gebracht, mit den eigenen Leuten so hart ins Gericht zu gehen? Der Freitag hat bei Schroeder nachgefragt. …
Mit den Redakteur der Zeitung »Graswurzelrevolution«, Lou Marin kommt ein Autor zu Wort, der deutliche Worte zu den Kriegsursachen findet: »Nein, Krieg kann sowohl kurz- als auch langfristig nicht durch Diplomatie, sondern nur durch eine Antikriegsbewegung von unten beendet werden, die durch massenhafte Verweigerung und gewaltfreien Widerstand geprägt ist.«
Ein Kind, gekleidet in eine Militärjacke: Diese eindringliche Fotomontage des Künstlers Gottfried Helnwein findet sich auf der Titelseite des kürzlich im Verlag Graswurzelrevolution veröffentlichten Sammelbandes mit dem Titel »Kriegsuntüchtigkeit als Chance«. Dort sind 42 Essays und andere Beiträge gegen den gar nicht so neuen, …
Helge Döhring (Hg.): „grosse, schöne, unvergessliche Tage“. Verlag Edition AV 2026. 88 Seiten. ca. SFr. 23.00. ISBN: 978-3-86841-362-5. Infos zur Filmreihe A las Barricadas!
Ein Buch und eine Filmreihe geben einen Einblick und benennen auch die Widersprüche.ass die Widersprüche in der spanischen Linken zwischen 1936 – 1939 komplizierter waren und sich nicht in dem Gegensatzpaar autoritäre versus antiautoritäre Linke auflösen, erfahren wir in den Berichten der Zeitzeug*innen. Da erzählt Heinrich Friederitzky, wie er als junger Anarchosyndikalist mit einem Freund über eine KP-nahe Organisation die Reise nach Spanien antrat, weil ihre eigene Organisation dazu nicht in der Lage war. Ihr Plan, sich dann schnell zur anarchistischen Brigade Durruti abzusetzen, liess sich dann nicht umsetzen
Am 19. Juli 1936 begann in Spanien der rechte Militärputsch gegen eine linke Volksfrontregierung, der den Bürgerkrieg auslöste, in den das nationalsozialistische Deutschland und das faschistische Italien aufseiten der Putschisten eingriffen. Das ist die offizielle Erzählung über das, was sich vor 90 Jahren in Spanien zugetragen hat. „Was heisst Bürgerkrieg, für mich war es die Spanische Revolution“, sagte Heinrich Friederitzky, der sich als Anarchosyndikalist am Kampf in Spanien beteiligt hatte. Er gehört zu den 12 Anarchosyndikalist*innen, die in dem kürzlich im Verlag Edition AV veröffentlichten Buch „grosse schöne unvergessliche Tage“ natürlich pünktlich zum 90-Jahrestag erschienen ist. Er gehörte zu den 12 Zeitzeug*innen, die zwischen …
Cornelius Castoriadis zeigt sich als ambivalenter Theoretiker zwischen einer noch heute nützlichen Bürokratiekritik und der Hinwendung zum Bellizismus. Doch auch die Stärken in Castoriadis Kritik an der bürokratischen Klasse in der SU sollte aufgegriffen und weiterentwickelt werden. So stellt sich die Frage, ob dieser Ansatz nicht auch für die Analyse der aktuellen russischen Gesellschaft nützlich wäre. So stellt Thorsten Fuchshuber in seinem Buch „Rackets. Kritische Theorie der Bandenherrschaft“ (siehe kritisch-lesen.de #65) die Frage, ob der Racket-Ansatz nicht auch auf die russische Gesellschaft passt
In den 1970er Jahren wurde Cornelius Castoriadis besonders in solchen linken Kreisen viel gelesen, die sich für eine sozialistische Theorie jenseits von Stalinismus und Sozialdemokratie interessierten. Der in Griechenland geborene Autodidakt, der kein abgeschlossenes Universitätsstudium hatte, begann seine politische Sozialisation in der …
Ein jüngst erschienenes Buch dokumentiert Gespräche junger Linker mit dem RAF-Mitglied Monika Berberich. Es wirft unter anderem die Frage auf, wie linke Geschichte transgenerationell erinnert werden kann. »Der Kern ist unzerstörbar« ist allen Leser*innen zu empfehlen, die sich über die Geschichte des bewaffneten Kampfes nicht nur aus der Perspektive des Staates (und des quasi eingebetteten Zeitzeugens Stefan Aust) informieren wollen.
Heute dient das Gebäude nur noch als Filmkulisse. Doch vor knapp 50 Jahren war die JVA für Frauen in der Lehrter Straße in Berlin nicht allein ein Gefängnis in Betrieb, sondern Schauplatz eines Ereignisses, das für die Staatsorgane und die Boulevardmedien zur großen Blamage wurde: In der Nacht vom 7. zum 8. Juli 1976 gelang …
Die Antirassistische Initiative hat ein Update ihrer Langzeitdokumentation über die Folgen von Asylrechtsschleifung und immer neuen Gesetzesverschärfungen vorgelegt
Auf der ARI-Homepage findet sich auch eine vom Umbruch-Bildarchiv aus Berlin-Kreuzberg erstellte Fotogalerie. Sie zeigt einen Gedenkort für die Opfer von Rassismus und Polizeigewalt, den Unbekannte am 26. August 2020 am Berliner Oranienplatz errichtet hatten. Im August 2021 erkannte die Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg mehrheitlich den Stein als Gedenkort an.
Es sind oft nur kurze Meldungen, die darüber berichten, wie Geflüchtete durch Neonazis, aber auch durch Polizist*innen Gewalt erfahren oder sogar getötet werden. Die Antirassistische Initiative (ARI) in Berlin sorgt seit 32 Jahren dafür, dass solche Fälle systematisch erfasst werden. Jetzt hat sie den mittlerweile fünften Band ihrer Langzeitdokumentation …
Am 8 Juli um 19 Uhr gibt es in der K9 in der Kinzigstraße 9 in Berlin-Friedrichshain. Veranstaltung zum 50ten Jahrestag des Gefangenenausbruchs. Dort werden auch Auszüge aus dem Gespräch mit Monika Berberich gelesen.
Auf der Rückseite des Buches findet sich eine Skizze des Westberliner Frauengefängnisses in der Lehrter Strasse. Darauf sind die Zellen von vier Frauen extra markiert. Die Zeichnung dokumentiert die Vorbereitungen für den Ausbruch von …
Kriegsuntüchtigkeit als Chance. Essays gegen den Krieg und für zivile Konfliktlösung Hrsg. H.Theisen. Heidelberg: Verlag Graswurzelrevolution, 2026. 272 S., 28 Euro
Es ist erfreulich, dass in dem Buch Einsprüche gegen die jüngste Militarisierung versammelt sind. Nur zwei Kritikpunkte sollen nicht verschwiegen werden. Es fällt auf, dass kaum jüngere Menschen zu Wort kommen. Der Songwriter Max Prosa gehört mit 37 Jahren zu den jüngsten Autoren in dem Buch. Er hat ein Friedenslied beigesteuert, das er mit der Liedermacherin Dota Kehr produziert hat.
Damit zusammen hängt, dass auch das Spektrum der Antimilitarist:innen in dem Buch begrenzt ist.
In Zeiten, in denen die neue Kriegstüchtigkeit beschworen wird, braucht es Stimmen, die sich dem entgegenstellen. In dem kürzlich erschienen Band sind gleich 42 dieser Einsprüche gegen den gar nicht so neuen Militarismus versammelt. Herausgeber ist Hermann Theisen, der wegen seines antimilitaristischen Engagements …
Georg K. Glaser: Die Geschichte des Weh. Erzählung, 2023, 224 Seiten, ça ira-Verlag Freiburg; - Georg K. Glaser: Geheimnis und Gewalt. Ein Bericht, 2022, 592 Seiten, herausgegeben von Michael Rohrwasser, ça ira-Verlag Freiburg
Der ça ira-Verlag legt die Schriften Georg K. Glasers neu auf, Peter Nowak stellt den Autor und zwei der Bände vor.
Am 17. Juni 1939 wurde Eugen Weidmann in Versailles mit der Guillotine geköpft. Es war die letzte öffentliche Hinrichtung in Frankreich. Danach wurden die Todesurteile in Gefängnissen vollstreckt. Der Grund dafür war, dass Weidmanns Hinrichtung zu einer Art Volksfest wurde. Tausende Zuschauer feierten den Tod des »Killers mit den Samtaugen«, wie er genannt wurde. Der 1908 in Frankfurt geborene Weidmann hatte 1937 in Frankreich …
Wie während des Ersten Weltkrieges kann heute wohl niemand bestreiten, dass alle kriegsführenden Staaten kapitalistische Mächte sind. Doch anders als während des Ersten Weltkriegs gibt es heute keine stark organisierte Arbeiter:innenbewegung. In vielen Ländern ist sie vielmehr demobilisiert und zersplittert. Doch auch heute gibt es in verschiedenen Ländern
Aktionen von Arbeiter:innen gegen Krieg und Militarismus. Sie können sich in die Tradition der Zimmerwalder Linken stellen.
Zimmerwald und Kiental sind zwei idyllische Schweizer Bauerndörfer im Kanton Bern auf rund 900 Meter Höhe. Vor mehr als 110 Jahren wurde dort für eine kurze Zeit Weltgeschichte geschrieben. Vom 5. bis 8. September 1915 tagten als Ornitholog:innen getarnt in der Pension Beau Sejour in Zimmerwald Vertreter:innen des …
VVN-VdA (Hrsg.): Für den Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit. Die Verantwortung der Regierenden in Deutschland für Krieg und Völkermord, Die Buchmacherei 2026, 155 Seiten, 10 €.
Auf einer Podiumsdiskussion sollte es um die Vereinnahmung des Antifaschismus für rechte Politik gehen. Doch überwiegend stritt man über die Kufiya. Dass die Debatte nicht ausschließlich bei der Auseinandersetzung um die Kufiya in Buchenwald blieb, war vor allem dem Moderator der Veranstaltung, Gerhard Hanloser, zu verdanken. Schließlich sollte es um die Frage gehen, wie antifaschistische Traditionen und Begriffe von der herrschenden Politik aufgegriffen und genutzt werden.
Schon vor mehr als 20 Jahren wurde auf antifaschistischen Demonstrationen über die Kufiya gestritten. Mit dem traditionellen Tuch aus dem arabischen Raum wollen Träger*innen ihre Solidarität mit dem palästinensischen Widerstand ausdrücken. Israelsolidarische Antifaschist*innen sehen in der Kufiya dagegen ein antiisraelisches, manche auch ein antisemitisches Symbol. Am vergangenen Freitagabend wurde auf einer Podiumsdiskussion im Berliner Haus der Demokratie erneut über die politische Bedeutung des Tuchs debattiert. Auslöser war der Fall von …
Die Graphic Novel »Rukelie der Ausnahmeboxer« erweckt die Geschichte des Sinto-Boxers Johann Rukelie Trollmann zum Leben
Im Garten der Bockbrauerei in Berlin-Schöneberg wurde am 9. Juli 1933 Boxgeschichte geschrieben. Den Kampf um die Deutsche Meisterschaft im Halbschwergewicht gewann Johann Trollmann, den Titel »Deutscher Meister im Halbschwergewichtsboxen« sollte er allerdings nur wenige Tage später wieder verlieren. Denn …
Ak Antimilitarismus (Hg.): Die grosse Mobilisierung. Die Bundeswehr von der Wiederbewaffnung bis zur Kriegstüchtigkeit. Papyrossa Verlag 2025. 208 Seiten. ca. 22.00 SFr. ISBN:978-3-89438-856-0.
Auf der Buchvorstellung in Berlin kam aus dem Publikum auch die Frage, ob rechte Regierungen militaristischer sind als linke. Das verneinte Mitautor Jakob Reimann mit Verweis darauf, dass es in Deutschland eine Regierung unter Beteiligung der Grünen war, die wieder Krieg in Jugoslawien führte und dass sich auch in vielen anderen Ländern sozialdemokratische und linksliberale Parteien besonders militaristisch beispielsweise gegenüber Russland oder in Taiwan gegen China gerieren. Doch trotzdem ist die Aussage, es gebe bei der Kriegsbereitschaft keinen Unterschied zwischen linken und rechten Regierungen falsch und politisch desorientiert, weil sie Bündnisse mit Rechten vorbereiten könnte.Statt zu sagen, es gäbe keinen Unterschied zwischen links und rechts beim Kriegführen müsste es unsere Aufgabe sein, eine neue linke Bewegung aufzubauen, für die klar ist, dass Kriege zum Kapitalismus gehören wie die Wolke zum Gewitter und die sich auch dem antifaschistischen Credo verbunden fühlen - „Nie wieder Faschismus, Nie wieder Krieg.”
Im November 2025 feierte die Bundeswehr ihr 50-jähriges Jubiläum. Dieser Jahrestag sorgte in vielen bürgerlichen Medien für Aufmerksamkeit in einer Zeit, die von wachsender Kriegstüchtigkeit geprägt ist. …
Birgit Sack hat mit ihrer umfangreichen Biographie das Leben einer politischen Theoretikerin und Aktivistin nachgezeichnet, die sich als Christin in sozialistischen und kommunistischen
Organisationen engagierte. Sie hat über ihr eigenes Leben hinaus Spuren hinterlassen: Sack erwähnt die enge Zusammenarbeit von Grollmuß mit dem linken Zentrumspolitiker und kurzzeitigen Reichskanzler Joseph Wirth in den 1920er Jahren, von dem der noch heute viel zitierte, weil immer noch aktuelle Satz stammt: »Der Feind steht rechts«.
In einem Wikipedia-Eintrag wird Maria Grollmuß als »deutsche katholische sorbische Publizistin und sozialistische Widerstandskämpferin gegen das NS-Regime« eingeordnet. Die Historikerin Birgit Sack hat im Wallstein-Verlag eine umfangreiche Biographie über sie vorgelegt. Sack konnte dabei auf die vielen Briefe zurückgreifen, die Grollmuß an ihre Schwester, aber auch an ihren lebenslangen Freund Hermann Kopf geschrieben hat. Grollmuß war eine selbstbewusste Frau, die sich bereits vor über hundert Jahren weigerte, …
Weil der Senat nicht gleiche Löhne zahlen wollte, war das Modell der persönlichen Assistenz im Arbeitgebermodell in Gefahr. Betroffene wehrten sich erfolgreich.
„Alle beteiligten Personen des Berliner Senats und des Lageso spielten seit sechs Monaten miteinander Pingpong und wir waren der Ball.“ Doch sie bleibt kämpferisch: „Wir haben gezeigt, dass wir unsere Rechte erkämpfen können und das sollten sich die Verantwortlichen merken.“
Es war ein kurzer Besuch mit großer Wirkung. Rund 40 Menschen, darunter etliche in Rollstühlen, statteten dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) in der Turmstraße am Dienstagvormittag einen unangemeldeten Besuch ab. Auf einem Transparent und mehreren Schildern teilten sie ihre Forderungen mit: …