VVN-VdA (Hrsg.): Für den Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit. Die Verantwortung der Regierenden in Deutschland für Krieg und Völkermord, Die Buchmacherei 2026, 155 Seiten, 10 €.

Die verdrängte Debatte

Auf einer Podiumsdiskussion sollte es um die Vereinnahmung des Antifaschismus für rechte Politik gehen. Doch überwiegend stritt man über die Kufiya. Dass die Debatte nicht ausschließlich bei der Auseinandersetzung um die Kufiya in Buchenwald blieb, war vor allem dem Moderator der Veranstaltung, Gerhard Hanloser, zu verdanken. Schließlich sollte es um die Frage gehen, wie antifaschistische Traditionen und Begriffe von der herrschenden Politik aufgegriffen und genutzt werden.

Schon vor mehr als 20 Jahren wurde auf antifaschistischen Demonstrationen über die Kufiya gestritten. Mit dem traditionellen Tuch aus dem arabischen Raum wollen Träger*innen ihre Solidarität mit dem palästinensischen Widerstand ausdrücken. Israelsolidarische Antifaschist*innen sehen in der Kufiya dagegen ein antiisraelisches, manche auch ein antisemitisches Symbol. Am vergangenen Freitagabend wurde auf einer Podiumsdiskussion im Berliner Haus der Demokratie erneut über die politische Bedeutung des Tuchs debattiert.

Auslöser war der Fall von Anna von der Kommunistischen Organisation (KO). Sie hatte bei einer Gedenkveranstaltung in der Gedenkstätte Buchenwald eine Kufiya getragen und war deshalb am Einlass abgewiesen worden. Gegen diese Entscheidung klagt sie. In ihrem Diskussionsbeitrag griff sie die Leitung der Gedenkstätte scharf an. Sie warf ihr vor, mit dem Verbot die deutsche Staatsräson durchzusetzen – das politische Leitprinzip, wonach Deutschland aufgrund seiner historischen Verantwortung für den Holocaust für die Existenz und Sicherheit Israels eintritt.

Dem widersprach der Historiker Ulrich Schneider. Der Generalsekretär der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer*innen (FIR) und Geschäftsführer der Lagergemeinschaft Dora/Freundeskreises war der Veranstaltung per Video zugeschaltet. Aus seiner Sicht ist die Leitung der Gedenkstätte Buchenwald der falsche Adressat für Proteste gegen die deutsche Staatsräson.

Anna und ihre Unterstützer*innen ließen sich von Schneiders Argumenten nicht überzeugen. Einige warfen dem Historiker, der sich seit Jahrzehnten in der antifaschistischen Erinnerungsarbeit engagiert, sogar vor, gegenüber der Gedenkstättenleitung nachzugeben. Schneider hielt dagegen, dass die FIR die Kriegsführung der rechten israelischen Regierung kritisiere. Zugleich verurteile die Organisation den Angriff der Hamas und anderer Gruppen auf Israel vom 7. Oktober 2023.

Dass die Debatte nicht ausschließlich bei der Auseinandersetzung um die Kufiya in Buchenwald blieb, war vor allem dem Moderator der Veranstaltung, Gerhard Hanloser, zu verdanken. Schließlich sollte es um die Frage gehen, wie antifaschistische Traditionen und Begriffe von der herrschenden Politik aufgegriffen und genutzt werden.

Als Beispiel wurde auf den Kosovo-Krieg verwiesen. »Als 1999 deutsche Piloten Bomben auf Jugoslawien warfen, begegnete der damalige Außenminister Joseph Fischer dem Ruf ›Nie wieder Krieg‹ mit dem Ruf ›Nie wieder Auschwitz‹«, hieß es auf dem Podium. Der bündnisgrüne Außenminister begründete damals die militärische Intervention unter anderem mit der Verhinderung neuer Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung. Kritiker sehen darin einen Bruch mit dem nach dem Zweiten Weltkrieg in der Friedensbewegung verbreiteten Leitmotiv, es dürfe nie wieder einen Krieg und nie wieder Faschismus geben.

Uwe Bröckl von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) erinnerte in seinem Beitrag an den Schwur von Buchenwald. Darin formulierten die Überlebenden des Konzentrationslagers am 13. April 1945, wenige Tage nach dessen Befreiung, ihre politischen Lehren aus der NS-Herrschaft. »Der Aufbau einer Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel«, zitierte Bröckl aus dem historischen Dokument.

Das Gelöbnis entstand kurz nachdem das konspirative Lagerkomitee die verbliebenen SS-Wachen entmachtet und das Lager an die heranrückenden US-Truppen übergeben hatte. Für Bröckl zeigt der Schwur, dass der Kampf gegen Faschismus und gegen Krieg untrennbar zusammengehören.

Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Verband der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-VdA) ist als eigenständige Kreisorganisation in Westberlin aktiv, organisatorisch jedoch in den Berliner Landesverband VVN-BdA eingebunden. Zuletzt kam es zwischen beiden Strukturen immer wieder zu Kontroversen, unter anderem über die Bewertung des Nahostkonflikts und über Bündnisse innerhalb der Friedensbewegung.

Auf der Veranstaltung wurde das von der VVN-BdA herausgegebene Buch »Für den Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit« vorgestellt. Die Publikation versteht sich zugleich als programmatische Positionsbestimmung der Organisation.

Ob das Buch zu einer Annäherung in den innerverbandlichen Debatten über antifaschistische Perspektiven beiträgt oder bestehende Konfliktlinien weiter sichtbar macht, wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen.


VVN-BdA (Hrsg.): Für den Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit. Die Verantwortung der Regierenden in Deutschland für Krieg und Völkermord, Die Buchmacherei 2026, 155 Seiten, 10 €.

»Nicht der Leiter der Gedenkstätte, Christian Wagner, sondern der Kulturstaatsminister Wolfram Weimer ist auch in der Gedenkpolitik unser Gegner«, sagte Schneider.

Zugleich wies der Historiker darauf hin, dass es in Buchenwald kein generelles Verbot der Kufiya gebe. Eine Broschüre, in der die Gedenkstätte bestimmte Symbole als unerwünscht aufgeführt hatte, habe die Leitung inzwischen zurückgezogen.

Anna und ihre Unterstützer*innen ließen sich von Schneiders Argumenten nicht überzeugen. Einige warfen dem Historiker, der sich seit Jahrzehnten in der antifaschistischen Erinnerungsarbeit engagiert, sogar vor, gegenüber der Gedenkstättenleitung nachzugeben. Schneider hielt dagegen, dass die FIR die Kriegsführung der rechten israelischen Regierung kritisiere. Zugleich verurteile die Organisation den Angriff der Hamas und anderer Gruppen auf Israel vom 7. Oktober 2023.

Dass die Debatte nicht ausschließlich bei der Auseinandersetzung um die Kufiya in Buchenwald blieb, war vor allem dem Moderator der Veranstaltung, Gerhard Hanloser, zu verdanken. Schließlich sollte es um die Frage gehen, wie antifaschistische Traditionen und Begriffe von der herrschenden Politik aufgegriffen und genutzt werden.

Als Beispiel wurde auf den Kosovo-Krieg verwiesen. »Als 1999 deutsche Piloten Bomben auf Jugoslawien warfen, begegnete der damalige Außenminister Joseph Fischer dem Ruf ›Nie wieder Krieg‹ mit dem Ruf ›Nie wieder Auschwitz‹«, hieß es auf dem Podium. Der bündnisgrüne Außenminister begründete damals die militärische Intervention unter anderem mit der Verhinderung neuer Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung. Kritiker sehen darin einen Bruch mit dem nach dem Zweiten Weltkrieg in der Friedensbewegung verbreiteten Leitmotiv, es dürfe nie wieder einen Krieg und nie wieder Faschismus geben.

Uwe Bröckl von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) erinnerte in seinem Beitrag an den Schwur von Buchenwald. Darin formulierten die Überlebenden des Konzentrationslagers am 13. April 1945, wenige Tage nach dessen Befreiung, ihre politischen Lehren aus der NS-Herrschaft. »Der Aufbau einer Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel«, zitierte Bröckl aus dem historischen Dokument.

Das Gelöbnis entstand kurz nachdem das konspirative Lagerkomitee die verbliebenen SS-Wachen entmachtet und das Lager an die heranrückenden US-Truppen übergeben hatte. Für Bröckl zeigt der Schwur, dass der Kampf gegen Faschismus und gegen Krieg untrennbar zusammengehören.

Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Verband der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-VdA) ist als eigenständige Kreisorganisation in Westberlin aktiv, organisatorisch jedoch in den Berliner Landesverband VVN-BdA eingebunden. Zuletzt kam es zwischen beiden Strukturen immer wieder zu Kontroversen, unter anderem über die Bewertung des Nahostkonflikts und über Bündnisse innerhalb der Friedensbewegung.

Auf der Veranstaltung wurde das von der VVN-VdA herausgegebene Buch »Für den Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit« vorgestellt. Die Publikation versteht sich zugleich als programmatische Positionsbestimmung der Organisation.

Ob das Buch zu einer Annäherung in den innerverbandlichen Debatten über antifaschistische Perspektiven beiträgt oder bestehende Konfliktlinien weiter sichtbar macht, wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen.

Peter Nowak