Die israelsolidarische Antifa richtete vor 20 Jahren ihre antistaatliche Kritik in erster Linie gegen Deutschland. Jeden Verweis auf eine deutsche Staatsräson hätten sie daher vehement zurückgewiesen. Hieran sollten israelsolidarische Linke heute anknüpfen, etwa Nikolas Lelle und David Uhlig: In einem – ansonsten guten – Beitrag in der Taz vom 20. Oktober bezeichnen sie die linke Kritik an der deutschen Staatsräson in Hinblick auf Israel und Antisemitismus als reine Strategie, vom eigenen Antisemitismus abzulenken. Dieses Verdikt dürfte zumindest für Linke nicht zutreffen, die allen Staaten und Deutschland im Besonderen ablehnend gegenüberstehen und schon deshalb mit einer deutschen Staatsräson nichts zu tun haben wollen.
Die Auseinandersetzung um Vanessa Emde von der Linkspartei, die als Direktkandidatin in Berlin ins Abgeordnetenhaus gewählt wurde, geht weiter. Ein Großteil der Medien hat sie als »Israel-Hasserin« gelabelt. Auch in der Fraktion der Berliner Linken gilt Emde mittlerweile als Hindernis für eine Regierungsübernahme. Dabei wird ihre Position, dass nicht Staaten, sondern nur Menschen Rechte haben, seit vielen Jahrzehnten ebenso …
Gerson schloss sich dieser Gruppe um Mamlok an. Am 30. September 1941 wurden Eva Mamlok, Inge Gerson und Inge Lewinsohn wegen des Besitzes und der Weitergabe verbotener Bücher denunziert und ins Gefängnis eingeliefert. Nach Berners späteren Erinnerungen wurden die drei Frauen wegen Wehrkraftzersetzung zum Tode verurteilt. Die Urteile seien aber in lebenslängliche Haft im Konzentrationslager umgewandelt worden.
Am Freitag wurde in Berlin-Kreuzberg der Blücherplatz in Eva-Mamlok-Platz umbenannt. Damit verschwindet ein preußischer Generalfeldmarschall aus dem Straßenbild, der im hohen Alter von zuletzt mehr als 70 Jahren durch Siege über Napoleons Truppen berühmt wurde. Blüchers Spitzname war »Marschall Vorwärts«. Im Militär verharmloste der Spruch »Er geht ran wie Blücher« lange Zeit die sogenannte Vorwärtsverteidigung. Sie war mit dem Tod vieler Soldaten bei Sturmangriffen verbunden. Eva Mamlok ist eine Antifaschistin, die sich bereits in jungen Jahren engagierte. Anfang der 1930er Jahre stieg sie auf das Dach des …
Einige der vom Syndikalismusforscher vorgestellten Frauen wurden von Gisela Notz schon in der Graswurzelrevolution porträtiert, dazu gehört Etta Federn, die durch ihre in der Spanischen Revolution gemachten Erfahrungen mit dem Pazifismus gebrochen hat.
Wilhelm Schroers ist einer von wenigen Anarchosyndikalisten, nach dem heute ein Gebäude in Deutschland benannt ist. Im Kulturhaus Wilhelm Schroers ist die Volkshochschule Delmenhorst untergebracht, die Schroers mitgegründet hat. Im Archiv dieser Volkshochschule finden sich verschriftlichte Zeitschrifteninterviews mit Schroers. „Zwischen den Fragen und Antworten unterbrechen eckige Klammern diese Unterhaltung: (Martha mit Kuchen)“, schreibt Helge Döhring auf Seite 153 in seinem jüngst im Verlag Edition AV veröffentlichten Buch „Anarcho-Syndikalistinnen“. Dort hat der Historiker 30 deutschsprachige …
Elke Tischer von der Berliner VVN-BdA, BO Friedrichshain-Kreuzberg, und zwei Mitglieder der antifaschistischen Gruppe Antilope aus Lichtenberg betonten in ihren Beiträgen, wie wichtig es angesichts des Erstarkens der Rechten ist, der Menschen zu gedenken, die im Kampf gegen den NS-Faschismus ermordet wurden:
Am 31. Juli 2026 Bruno Schilter gedacht. Er wurde im berüchtigten Keglerheim in Friedrichshain von der SA gefoltert und dann erschossen. Bruno Schilter wurde am 18. Oktober 1906 geboren und wohnte in der Tilsiter Straße 16, der heutigen Richard-Sorge-Straße in Friedrichshain. Der bei den Gaswerken beschäftigte Arbeiter war seit 1925 Mitglied der KPD, des Roten Frontkämpferbundes und der Roten Hilfe. Durch sein politisches Engagement war er den Nazis verhasst. Deswegen wurde er Opfer der …
Das 100-minütige Feature von Carlo Hoffmann, das mit Unterstützung des DGB Frankfurt/Main und der Rosa Luxemburg Stiftung realisiert werden konnte und bei den Sendern
Radio Blau und Radio Corax erstausgestrahlt wurde, ist ein wichtiges Stück linke Geschichte auch über die Rote Hilfe Deutschland in einer Zeit, in der für
Menschen das NS-System tatsächlich so weit weg ist, wie es Anna Seghers schon vor mehr als 50 Jahren beschrieben hat.
„Wenn die Zeit kommt, der Hitler und der Nazismus der Jugend wie eine Legende vorkommen wird, wie ein Stück Geschichte, die ihren Abscheu erregt und ihr fast unbegreiflich ist, bringen die Aufzeichnungen von Lore Wolf in die Köpfe und in die Gemüter, was damals ein Antifaschist erlebt hat.“ Dieses Geleitwort hat die Schriftstellerin …
Noch im hohen Alter war der Antifaschismus für Strecker ein wichtiges Anliegen. So reiste er vor über zehn Jahren in das westpolnische Słońsk, wo ein Gedenkort für das ehemalige NS-Konzentrationslager Sonnenburg eröffnet werden sollte. Weil es vom zwölf Kilometer entfernten Bahnhof Transportprobleme gab, fuhr Strecker per Anhalter nach Słońsk und war als Erster vor Ort
Die Freie Universität trauert um Reinhard Strecker, der am 2. August 2026 im Alter von 95 Jahren in Berlin verstorben ist.« So würdigt die Berliner Universität in einem Nachruf1 einen Pionier der NS-Aufarbeitung. 1960 durfte die von Strecker konzipierte Ausstellung »Ungesühnte Nazijustiz« auf Druck des Berliner Senats nicht in den Räumen der FU Berlin gezeigt werden. Erst zwei Monate vor seinem Tod verlieh ihm die …
Sandvoß Hans Jürgen, Schutztruppe der Republik, Der Reichsbanner Schwarz-rot-gold in Berlin und Brandenburg 1924 bis 1933, Metropol-Verlag, ISBN: 978-3-86331-769-0, 36 Euro
Eine besondere Stärke des Buches ist der kritische Blick, den Sandvoß auf die Politik des Reichsbanners bewahrt. Denn er verstand sich eben nicht nur als antifaschistische Kampforganisation. Seit seiner Gründung betonte die Organisation vielmehr ihre Frontstellung gegen rechte und linke Gegner*innen der Weimarer Republik. Die Kommunist*innen wurden nicht als linke Konkurrenz der SPD, sondern als Feind wahrgenommen. Diese Abgrenzung gehörte zu der DNA des Reichsbanners, lange bevor die KPD mit ihrer Sozialfaschismustheorie die SPD mit der NSDAP auf eine Stufe stellte.
Der Berliner Historiker Hans-Rainer Sandvoß hat sich mit seinen Forschungen über den sozialdemokratischen Widerstand gegen den deutschen Faschismus große Verdienste erworben. Letztes Jahr hat er im Metropol-Verlag unter dem Titel »Schutztruppe der Republik« ein Buch über das …
Am 10. September wird der Autor im Rahmen der vom Berliner Mieterecho organisierten Veranstaltung "Sozialisierung ohne Sozialismus" in der Beratungsstelle der Berliner Mietergemeinschaft in der Sonnenallee 101 einen Beitrag zur Geschichte der Sozialisierung und die Angriffen der Kapitalfraktionen darauf geben
26.September 2026 gibt es ein fünfjähriges Jubiläum zu einem Ereignis, das eigentlich ein großer Erfolg für die politische Linke sein könnte. Am 26.September 2021 stimmten in Berlin 56,8 Prozent der Wahlbevölkerung für den Vorschlag der Initiative DW Enteignen, große Wohnkonzerne zu vergesellschaften. Dass der 26.September trotzdem kein Feiertag für die gesellschaftliche Linke ist, liegt am …
Der Kasseler Kunstprofessor Daniel Hornuff will mit seinen Vorschlag eine Diskussion auslösen. Es ist auch ein Beitrag gegen die zunehmende Militarisierung der Gesellschaft.Hornuff beruft sich in seinem Plädoyer auf das Werbeverbot für Tabak, das in Deutschland wie in vielen anderen Ländern seit mehreren Jahren existiert und gegen großen Widerstand der Tabakindustrie durchgesetzt werden musste.
Die neue Kriegsfähigkeit Deutschlands wird zunehmend auch im Stadtbild deutlich. Bundeswehrwerbung ist allgegenwärtig. Große Banner preisen an zentralen Stellen in den Innenstädten die Vorzüge der Truppe. Auch auf den Außenseiten Bussen und Bahnen entkommt man der Militärwerbung nicht. Doch zunehmend trifft die Werbeoffensive im Tarnfleck auch auf Widerstand. So plädiert der Professor für Theorie und Praxis der Gestaltung an der Kunsthochschule der Universität Kassel, Daniel Hornuff, für …
Paul Geigerzähler hatte einen großen Anteil daran, dass sich junge Menschen aus den sorbischen Gebieten mit sorbischer Sprache und Musik befassen. in diese Welt einzutauchen; das nächste Witaj- Festival findet vom 23. bis 25. Juli2027 wieder im ehemaligen Steinbruch statt
Seit dem Höhenflug der AfD werden in linken und linkslibealen Medien oft besondere Orte der Demokratie vorgestellt, die gepflegt werden sollten. Dann dauert es meistens nicht lang, bis Politiker*innen der unterschiedlichen Parteien dort oft uneingeladen zum Fototermin aufkreuzen. Beim Witaj-Festival, das in diesen Jahr vom …
Frederik Fuss (Hg.): Anarchistische Scheidewege. Zum Verhältnis von Anarchismus und Antisemitismus. Syndikat A. 196 Seiten. ca. 16,00 SFr. ISBN: 978-3-949036-16-3.
Der Sammelband über das Verhältnis von Anarchismus und Antisemitismus lässt Raum für Fragen und Zweifel und lädt zur Diskussion ein. Der Band könnte er könnte Massstäbe auch für die innerlinke Debattenkultur setzen. Deswegen ist es bedauerlich, dass das Buch nicht stärker zur Kenntnis genommen wird. Bei einer hoffentlich erfolgten Neuauflage sollte allerdings noch ein Autor*innenverzeichnis eingefügt werden.
Seit dem islamistischen Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 haben sich auch in der gesellschaftlichen Linken die Fronten verhärtet. In grossen Teilen des propalästinensischen Spektrums wird seitdem der Begriff Zions als Schimpfwort gebraucht. Gemeint sind israelsolidarische Menschen, die generell als Zionist*innen gelabelt werden. Das erinnert an Rituale in der kommunistischen Wirklichkeit der stalinistischen Bewegung, wo Ende der 1940er Jahre der Kampf gegen den Zionismus ausgerufen worden war. Aber auch Linke, die sich kritisch zu Staat und Nation positionieren und keinerlei Sympathie mit Stalin und seinen Epigon*innen haben, bleiben vom Streit um …
Reinhard Strecker wurde Anfang der 1960er angefeindet, weil er auf die vielen ehemaligen Nazis in der BRD aufmerksam machte. Kur vor seinen Tod bekam er noch Anerkennung. Auch wenn Strecker 2025 sogar das Bundesverdienstkreuz erhalten hat, blieb er bis zum Schluss unversöhnt mit Deutschland. „Nach all der Diffamierung und der Hetze gegen ihn, für die sich nie jemand entschuldigt hat, wird daraus wohl auch nichts mehr werden“, zitierte ihn der Journalist Michael Sontheimer 2019 im Spiegel.
„Die Freie Universität trauert um Reinhard Strecker, der am 2. August 2026 im Alter von 95 Jahren in Berlin verstorben ist“. So würdigt die FUB in einem Nachruf einen Pionier der NS-Aufarbeitung. Es ist eine späte Würdigung. Denn 1960 durfte die Ausstellung „Ungesühnte Nazijustiz“ auf Druck des Berliner Senats nicht …
Der Antifaschismus war Strecker noch im hohen Alter ein wichtiges Anliegen. So war er persönlich in Slonsk anwesend, als 2015 in der westpolnischen Kleinstadt ein Gedenkort für das ehemalige NS-Konzentrationslager Sonnenburg eröffnet wurde. Weil es vom nahen Bahnhof aus Transportschwierigkeiten gab, trampte Strecker nach Slonsk und war so als Erster vor Ort.
»Die Freie Universität trauert um Reinhard Strecker, der am 2. August 2026 im Alter von 95 Jahren in Berlin verstorben ist.« So würdigt die FU in einem Nachruf einen Pionier der NS-Aufarbeitung. Es ist eine späte Würdigung. Denn 1960 durfte die Ausstellung »Ungesühnte Nazijustiz« auf Druck des Berliner Senats nicht …
An der Freien Universität Berlin, wo er Sprachwissenschaften studierte, fand Strecker Gleichgesinnte. Gemeinsam untersuchten sie die personellen Kontinuitäten ehemaliger Nazijuristen in der westdeutschen Justiz. Ihre Recherchen mündeten in die Ausstellung „Ungesühnte Nazijustiz“, die Anfang der 1960er-Jahre für großes Aufsehen und heftige Anfeindungen sorgte
In den vergangenen Jahren wurde es stiller um Reinhard Strecker. Dabei verfolgte er bis ins hohe Alter mit Sorge den Aufschwung neuer rechter Bewegungen. Als „Pionier der NS-Aufarbeitung“ kämpfte er jahrzehntelang gegen die alten Nazis in westdeutschen Institutionen. Als Jugendlicher verließ Strecker Deutschland mit dem festen Vorsatz, nie in das Nachkriegsdeutschland der Adenauer-Ära zurückzukehren, das die NS-Verbrechen totschwieg. Auf Drängen seiner Eltern kehrte er in den 1950er-Jahren doch in die BRD zurück. Bald erkannte er, dass er …
»In Anlehnung an das in Deutschland gültige – und nach meiner Wahrnehmung weitreichende – Tabakwerbeverbot sollte auch ein Militärwerbeverbot ausgestaltet und mit gleicher Konsequenz durchgesetzt werden", so die Forderung des Kulturwissenschaftlers Daniel Hornuff.
Die neue Werbevideo-Serie Generation Wehrdienst sorgt aktuell für viel Aufsehen. Bundeswehr-Reklame ist in Zeiten, in denen der deutsche Staat alles dafür tut, dass das Land »kriegsfähig« wird, im Stadtbild allgegenwärtig. Große, teils riesige Banner preisen an zentralen Stellen die Vorzüge der Truppe. Auch an Bussen und Bahnen entkommt man der Reklame fürs Militär nicht. Doch zunehmend trifft die PR-Offensive in Flecktarn auch auf Widerstand. So weigerten sich …