Das Feedback wirkt

Peter Nowak über einen Erfolg der Amazon-Beschäf­tigten in Polen

Der Online-Händler Amazon hat in Polen zum ersten Mal mit den beiden Gewerk­schaften Arbei­ter­initiative (IP) und Soli­darność eine Ver­ein­barung unter­zeichnet. Danach soll das ein­schüch­ternde Mit­ar­bei­ter­be­wer­tungs­system »Feedback« bis Ende Januar aus­ge­setzt werden. In dieser Zeit soll zusammen mit den beiden Gewerk­schaften eine Nach­fol­ge­re­gelung erar­beitet werden. Die Geschäfts­leitung habe sich ver­pflichtet, mit der Betriebs­gruppe in Poznań acht Gesprächs­runden zu führen, berichtet die syn­di­ka­lis­tische Gewerk­schaft IP. Die Ver­ein­barung ist der Beweis, dass auch ein weltweit agie­render Konzern wie Amazon sehr wohl auf gewerk­schaft­lichen Kampf reagieren muss.

Das Feedback-System ist unter den Beschäf­tigten ver­hasst. Denn es bedeutet, dass ihre Arbeit durch­gängig über­wacht wird. Und das wird ihnen auch deutlich gemacht, etwa indem Vor­ge­setzte am Arbeits­platz vor­bei­schauen und sich auf­merksam erkun­digen, ob etwas nicht in Ordnung sei, man sei ja schon zum dritten Mal auf der Toi­lette gewesen. Beim freundlich-dis­zi­pli­nie­renden Gespräch bleibt es aber nicht. Beschäf­tigte berichten, sie hätten schon eine Abmahnung erhalten, weil sie in fünf Minuten zweimal inaktiv waren
Der Zeit­punkt für das Ent­ge­gen­kommen des Kon­zerns ist sicher kein Zufall. Schon bald beginnt das wichtige Weih­nachts­ge­schäft. Da will man keine Störung. In Deutschland nutzen Amazon-Beschäf­tigte die Adventszeit immer wieder, um ihren For­de­rungen Nach­druck zu ver­leihen. Bereits seit 2013 kämpfen sie für einen Tarif­vertrag nach den Kon­di­tionen des Einzel- und Ver­sand­handels. Amazon bezahlt nach dem schlech­teren Logis­tik­vertrag und ver­weigert bis heute Gespräche mit der Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft ver.di. Auch in Deutschland ist der Unmut über ein Bewer­tungs­system, das zur Arbeits­hetze antreibt und Angst vor Fehl­zeiten erzeugt, groß. Wenn zuletzt die Stimmen lauter wurden, die den Beschäf­tigten eine Nie­derlage pro­gnos­ti­zierten, dann wurden sie durch den Erfolg der Pro­teste in Polen eines Bes­seren belehrt.

Dass der Konzern hier die Ver­ein­barung mit der im Ver­gleich zu ver.di kleinen linken IP getroffen hat, ist auch deren Kampf­be­reit­schaft geschuldet. Die IP hat durch ihr Enga­gement in Poznań viele Unter­stützer gewonnen, während am zweiten pol­ni­schen Amazon-Standort in Wrocław die kon­ser­vative Gewerk­schaft Soli­darność bei den Beschäf­tigten domi­niert. Im Kampf gegen das Bewer­tungs­system ziehen die beiden sehr unter­schied­lichen Gewerk­schaften aber an einem Strang.

Amazon hat seine Filialen in Polen auch auf­gebaut, um dorthin aus­zu­weichen, wenn in Deutschland gestreikt wird. Die Ver­ein­barung zeigt, dass sich die Manager*innen getäuscht haben, wenn sie glaubten, dort würden die Beschäf­tigten nicht für ihre Inter­essen kämpfen.

https://​www​.neues​-deutschland​.de/​a​r​t​i​k​e​l​/​1​1​0​3​8​6​4​.​d​a​s​-​f​e​e​d​b​a​c​k​-​w​i​r​k​t​.html

Peter Nowak

Im Bündnis gegen Bezos

Gewerk­schaft und Bewegung gegen Amazon und Springer

Am 24. April gaben einige hundert Amazon-Beschäftige aus Polen und Deutschland ihrem Boss Jeff Bezos vor dem Sprin­ger­hochhaus in Berlin ein klares Feedback. Während ihm dort der Springer Award für „beson­deres inno­va­tives Unter­neh­mertum“ ver­liehen wurde, pro­tes­tierten sie gegen Lohn­dumping, per­ma­nente Über­wa­chung am Arbeits­platz und Steu­er­flucht. Unüber­sehbar waren bei den Pro­testen die Trans­pa­rente des Bünd­nisses Make Amazon Pay (MAP). Dort haben sich außer­par­la­men­ta­rische Linke zusam­men­ge­schlossen, die den Kampf der Amazon-Beschäf­tigten unter­stützen. Erstmals an die Öffent­lichkeit trat es Ende November 2017 mit einer Akti­ons­woche rund um den »Black Friday«, der auch von Amazon als Schnäpp­chentag beworben wird. Bei der Aktion blieben die Akti­vis­tInnen aller­dings größ­ten­teils unter sich. Dass nun Amazon-Beschäf­tigte und das MAP-Bündnis gemeinsam vor dem Sprin­gerhaus pro­tes­tierten, setzte einen Lern­prozess auf beiden Seiten voraus. Denn in der Regel bleiben die DGB-Gewerk­schaften als die­je­nigen, die am besten in der Lage sind, Beschäf­tigte zu mobi­li­sieren, auf Distanz zu Unter­stüt­ze­rInnen aus der außer­par­la­men­ta­ri­schen Linken, die wie­derum eben­falls großen Wert auf Abstand vor allem zu den Spitzen der Gewerk­schaften legt, denen sie vor­wirft, die Beschäf­tigten in den Staat zu inte­grieren. Dass nun auf der Kund­gebung am 24. April der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske das breite Bündnis der Amazon-Soli­da­rität wür­digte und dafür auch von Akti­vis­tInnen aus dem MAP-Spektrum Applaus bekam, ist daher durchaus bemer­kenswert.
Diese Koope­ration war nur möglich, weil es bereits seit fünf Jahren eine Amazon-Soli­da­rität linker Gruppen gibt. Vor allem an den Stand­orten Leipzig und Bad Hersfeld ent­standen enge Bezie­hungen zwi­schen einigen Beschäf­tigten, die sich im Arbeits­kampf enga­gieren, und ihren außer­be­trieb­lichen Unter­stüt­ze­rInnen. Ihnen ist es auch gelungen, poli­tische Akzente zu setzen. So hatte auf einem Treffen der Amazon-Beschäf­tigten in Bad Hersfeld im April 2018 auch ein Ver­treter der Gruppe capulcu gesprochen, die das System Amazon mit einem technik- und herr­schafts­kri­ti­schen Ansatz unter die Lupe nimmt. Hin­terher haben einige der Beschäf­tigten erklärt, dass ihnen der Vortrag gezeigt hat, mit welchem Unter­nehmen sie es zu tun haben. Zudem haben die außer­be­trieb­lichen Unter­stüt­ze­rInnen bereits vor drei Jahren Kon­takte zu den Amazon-Beschäf­tigten in Poznań geknüpft. Mitt­ler­weile ist die deutsch-pol­nische Koope­ration selbst­ver­ständlich. Die pol­ni­schen Kol­le­gInnen sind in der anar­cho­syn­di­ka­lis­ti­schen Basis­ge­werk­schaft Workers Initiative (IP) orga­ni­siert, die nicht zu den Koope­ra­ti­ons­partnern von ver.di gehört. Am 24. April war die IP-Dele­gation aus Poznan mit ihrem Gewerk­schafts­symbol, der Schwarzen Katze, nicht nur auf der kurzen Demons­tration unüber­sehbar ver­treten. Ein IP-Kollege hielt auch einen Rede­beitrag auf der Kund­gebung. Als der ver.di-Koordinator ihn nach wenigen Sätzen abmo­de­rieren wollte, sorgte das kurz­zeitig für Unmut.
Noch lauter wurde es im Block der linken Unter­stüt­ze­rInnen, als die SPD-Vor­sit­zende Andrea Nahles eine Gruß­adresse ver­lesen wollte. Der ver.di-Vorstand hatte sie ohne Wissen der Bünd­nis­partner auf die Rede­liste gesetzt, nachdem der ursprünglich als Redner vor­ge­sehene Günther Wallraff abgesagt hatte. Doch auch ein Großteil der Amazon-Beschäf­tigten wollte die SPD-Poli­ti­kerin nicht ver­tei­digen.

Hinter dieser Aus­ein­an­der­setzung steht ein unter­schied­liches Ver­ständnis von Gewerk­schaft. Für ver.di ging es bei den Pro­testen gegen die Ver­leihung des Springer-Awards an Bezos vor allem um die mediale Auf­merk­samkeit. Da passt eine kurze Ansprache von Nahles natürlich ins Konzept. Für die pol­ni­schen IP-Gewerk­schaf­te­rInnen ging es hin­gegen um einen Akt der Selbst­er­mäch­tigung, wenn sie in Berlin vor dem Springer-Hochhaus ihren Protest arti­ku­lieren. Sie wollen sich nicht ver­treten lassen und haben deshalb keine bezahlten Funk­tio­nä­rInnen. Dieses Ver­ständnis von Gewerk­schaft teilt auch das MAP-Bündnis. Auf einem Aus­wer­tungs­treffen unter Betei­ligung von MAP, ver.di, Unter­stüt­ze­rInnen der IP und der LINKEN-Bun­des­tags­ab­ge­ord­neten Sabine Leidig wurde von allen Seiten betont, dass auch künftig eine solche Koope­ration möglich und erwünscht ist. Das ist erfreulich, weil gegen einen global auf­ge­stellten Konzern wie Amazon eine trans­na­tionale Soli­da­rität die beste Antwort ist. In den letzten Monaten gab es Arbeits­kämpfe in Amazon-Werken in Deutschland, Frank­reich, Polen, Italien, Frank­reich und Spanien.

aus: express – Zeitung für sozia­lis­tische Betriebs- und Gewerk­schafts­arbeit,
Ausgabe: Heft 5/2018

http://​www​.labournet​.de/​e​x​p​ress/

Peter Nowak

Widerstand gegen das Modell Amazon

Der Protest gegen die Preis­ver­leihung an Amazon-Boss Bezos zeigt, wie außer­be­trieb­liche Linke, Beschäf­tigte und Gewerk­schaften zusam­men­ar­beiten können

Es gab und gibt zahl­reiche Demons­tra­tionen, die am Ora­ni­en­platz in Berlin-Kreuzberg beginnen. Doch der Demons­tra­ti­onszug, der am Nach­mittag des 24. April vom Ora­ni­en­platz zum Sprin­ger­hochhaus zog, passte nicht in die übliche Pro­test­routine. Das lag nicht an der Teil­neh­merzahl von knapp 400 Men­schen, sondern an ihrer Zusam­men­setzung.

Außer­par­la­men­ta­rische Linke des Bünd­nisse Make Amazon Pay und Beschäf­tigte aus ver­schie­denen Amazon-Stand­orten in Deutschland und Polen hatten sich dort ver­sammelt. Sie alle sind vor das Sprin­gerhaus gezogen, um gegen die Ver­leihung des Springer Awards an Amazon-Gründer Jeff Bezos zu pro­tes­tieren.

Viele der Beschäf­tigten trugen Fahnen oder Westen, auf denen die Logos ihrer Gewerk­schaften zu lesen waren. Viele der Kol­legen aus den Amazon-Stand­orten Bad Hersfeld, Leipzig und anderen Orten sind in der Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft verdi orga­ni­siert. Die Kol­legen vom pol­ni­schen Amazon-Standort Poznań sind Mit­glieder der anar­cho­syn­di­ka­lis­tische Basis­ge­werk­schaft Workers Initiative (IP) die nicht zu den Bünd­nis­partnern von verdi gehört.

Es war schon eine Pre­mière, dass die Kol­legen der unter­schied­lichen Gewerk­schaften nicht nur gemeinsam demons­trierten, ein IP-Kollege hielt auch einen kurzen Rede­beitrag auf der Bühne vor dem Sprin­gerhaus.

Die Rolle der außer­be­trieb­lichen Amazon-Soli­da­rität

Es ist ein Erfolg der außer­be­trieb­lichen Amazon-Soli­da­rität, dass der Kontakt zwi­schen der IP und den Beschäf­tigten in meh­reren Amazon-Stand­orten in Deutschland zustande gekommen ist. In Leipzig unter­stützen linke Gruppen bereits seit fünf Jahren die Beschäf­tigten des dor­tigen Amazon-Stand­ortes bei ihrem Kampf um einen Tarif­vertrag und bessere Arbeits­be­din­gungen. Auch das Leip­ziger Streik­so­li­da­ri­täts­bündnis ist Teil von Make Amazon Pay.

Es war ver­gan­genes Jahr erstmals an die Öffent­lichkeit getreten, um den Kampf der Amazon-Beschäf­tigten für einen Tarif­vertrag zu unter­stützen. Mit einer Akti­ons­woche rund um den »Black Friday« im November, der von Amazon als Schnäpp­chentag beworben wurde, blo­ckierten einige Hundert Akti­visten eine Ver­sand­halle im Westen Berlins.

Auch an ver­schie­denen Amazon-Stand­orten gab es Pro­teste. Damals war die Teil­nahme von Amazon-Beschäf­tigten noch recht bescheiden. Das hatte sich am 24. April ver­ändert. Das Bündnis Make Amazon Pay hatte bereits mit der Pro­test­o­r­ga­ni­sation begonnen, als noch nicht klar war, wie sich Verdi und die Beschäf­tigten daran betei­ligen werden.

Unter­schied­liche Logiken von Verdi und außer­par­la­men­ta­ri­schen Linken

Die gemeinsame Aktion war ein großer Erfolg und ging natürlich nicht ohne Span­nungen ab. Der Grund liegt in den unter­schied­lichen poli­ti­schen Logiken einer Groß­ge­werk­schaft wie Verdi und der außer­be­trieb­lichen Linken. Das zeigte sich, nachdem erst kurz­fristig bekannt geworden war, dass die Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft die frisch­ge­kürte SPD-Vor­sit­zende Nahles als Red­nerin enga­gierte.

Die aber war kaum zu ver­stehen und musste nach 2 Minuten abtreten, weil ihr die Parole »Hartz IV – das wart ihr« ent­ge­gen­schlug. Natürlich waren die Verdi-Funk­tionäre davon nicht begeistert. Doch ein Großteil der Beschäf­tigten mochte nicht für Nahles Partei ergreifen. So hatte das Bündnis die Grat­wan­derung bestanden, sich nicht einfach der Verdi-Agenda unter­zu­ordnen, die eine Red­nerin aus dem Hut zau­berte, von der klar war, dass sie für die außer­par­la­men­ta­rische Linke eine Pro­vo­kation ist.

Der aber gelang es, den Protest gegen den Nahles-Auf­tritt so zu dosieren, dass dadurch keine Spaltung unter den Demo-Teil­nehmern ent­stand. So ging die Rede des verdi-Vor­sit­zenden Bsirske ohne Zwi­schenrufe über die Bühne. Die Pro­teste machten damit auch gut deutlich, dass eine Koope­ration zwi­schen so unter­schied­lichen Gruppen möglich ist, wenn die Grenzen beider Seiten berück­sichtigt werden.

Das ist ein Lern­prozess für beide Seiten. So hatten sich noch vor einigen Jahren einige Akti­visten des Umganze-Bündnis, das die Ber­liner Pro­teste mit vor­be­reitet hatte, wohl nicht vor­stellen können, eine Koope­ration mit verdi ein­zu­gehen. Damals betonte man noch, dass man nur mit sys­temant­ago­nis­ti­schen Gewerk­schaften zusam­men­ar­beite.

Da wäre die Auswahl in Deutschland eher klein. Für die Beschäf­tigten aus den unter­schied­lichen Amazon-Stand­orten hat die Koope­ration mit der außer­be­trieb­lichen Linken den poli­ti­schen Horizont erweitert. Sie haben dadurch nicht nur den Kontakt zu den pol­ni­schen Kol­legen bekommen, sondern sich auch an poli­ti­schen Akti­vi­täten der außer­par­la­men­ta­ri­schen Linken wie den Blockupy-Pro­testen als Amazon-Beschäf­tigte beteiligt.

Die Bun­des­tags­ab­ge­ordnete der Linken, Sabine Leidig berichtete auf einem Vor­be­rei­tungs­treffen, wie außer­be­trieb­liche Linke und aktive Amazon-Beschäftige von der Koope­ration pro­fi­tieren.

Auf einem Treffen in Bad Hersfeld sei von den Kol­legen ein Referat der tech­no­lo­gie­kri­ti­schen Gruppe Capulcu mit Auf­merk­samkeit ver­folgt und im Anschluss auch eifrig dis­ku­tiert werden. Ihnen war diese tech­no­lo­gie­kri­tische Sicht­weise fremd, aber sie hatten daran großes Interesse, weil sie sich damit auch Methoden der Über­wa­chung erklären können, die sie in ihren Arbeits­alltag erleben.

Peter Nowak

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[1] https://​make​am​a​zonpay​.org
[2] https://makeamazonpay.org/2018/04/25/4‑pm-make-amazon-pay-aktionstag-zieht-hunderte-menschen-in-die-innenstadt/
[3] https://​www​.bild​.de/​p​o​l​i​t​i​k​/​i​n​l​a​n​d​/​p​o​l​i​t​i​k​-​i​n​l​a​n​d​/​a​x​e​l​-​s​p​r​i​n​g​e​r​-​a​w​a​r​d​s​-​j​e​f​f​-​b​e​z​o​s​-​5​5​5​0​2​8​8​8​.​b​i​l​d​.html
[4] https://​www​.heise​.de/​n​e​w​s​t​i​c​k​e​r​/​m​e​l​d​u​n​g​/​A​m​a​z​o​n​-​G​r​u​e​n​d​e​r​-​J​e​f​f​-​B​e​z​o​s​-​R​a​u​m​f​a​h​r​t​-​V​i​s​i​o​n​e​n​-​u​n​d​-​P​r​o​t​e​s​t​e​-​d​e​r​-​G​e​w​e​k​s​c​h​a​f​t​-​4​0​3​2​7​8​7​.html
[5] https://​www​.amazon​-verdi​.de/5177
[6] http://​www​.rozbrat​.org/​o​u​r​-​a​c​t​i​v​i​t​y​/​1​5​9​-​w​o​r​k​e​r​s​-​i​n​i​t​i​ative
[7] http://​streiksoli​.blog​sport​.de/
[8] https://​www​.heise​.de/​t​p​/​f​e​a​t​u​r​e​s​/​M​a​k​e​-​A​m​a​z​o​n​-​P​a​y​-​o​d​e​r​-​d​e​n​-​S​c​h​n​a​e​p​p​c​h​e​n​t​a​g​-​z​u​m​-​Z​a​h​l​t​a​g​-​m​a​c​h​e​n​-​3​8​9​4​3​6​4​.​h​t​m​l​?​s​e​i​t​e=all
[9] https://​ums​ganze​.org/
[10] http://www.sabine-leidig.de/index.php/7‑beitrag/aktuelle-erklaerungen/82-amazon-ist-uberall-leiharbeit-dumpingloehne-und-prekaere-jobs-was-tun
[11] https://​capulcu​.black​blogs​.org/

Jeff Bezos bekommt ein Feedback

Akti­vis­tInnen laden zum Protest gegen den Arbeit­geber Amazon. Anlass: der Springer Award für CEO Bezos

Für den 24. April rufen linke Gruppen, soziale Initia­tiven und Gewerk­schaften zu Pro­testen vor dem Springer-Haus in Kreuzberg auf. Es handelt sich aber nicht um ein APO-Revival nach 50 Jahren: Der Unmut richtet sich gegen die Ver­leihung des Springer Award 2018 an Amazon-Chef Jeff Bezos, dem auch die Washington Post gehört.
„Mit der Aus­zeichnung würdigt Axel Springer sein visio­näres Unter­neh­mertum in der Inter­net­wirt­schaft sowie die kon­se­quente Digi­ta­li­sie­rungs­stra­tegie der 140-jäh­rigen US-Tra­di­ti­ons­zeitung“, lässt das Medi­enhaus ver­lauten. Das Bündnis Make Amazon Pay (MAP) will den „Abend für Jeff Bezos“ dagegen nutzen, um die schlechten Arbeits­be­din­gungen, die Tarif­flucht und die Gewerk­schafts­feind­lichkeit anzu­prangern. „Das Zukunfts­modell von Amazon heißt: Keine Tarif­ver­träge, Lohn­druck, prekäre Jobs, Arbeits­hetze und per­ma­nente Über­wa­chung. Das ist nicht unsere Zukunft!“, so MAP-Spre­cherin Maria Reschke zur taz. Diese Kritik teilen Beschäf­tigte an den Amazon-Stand­orten Bad Hersfeld und Leipzig, die seit Jahren für bessere Arbeits­be­din­gungen kämpfen. Ein Teil von ihnen kommt mit dem Bus nach Berlin. Bereits um 16 Uhr wollen sich die Amazon-Kri­ti­ke­rInnen am Ora­ni­en­platz treffen, um zum Springer-Hochhaus zu ziehen. Dort will das Netzwerk Attac um 17.30 Uhr gegen Amazon als Pionier der Steu­er­ver­meidung pro­tes­tieren und Vor­schläge für die Schließung der Steu­er­schlupf­löcher vor­stellen. Im Anschluss gehört die Bühne Beschäf­tigen aus ver­schie­denen euro­päi­schen Amazon-Stand­orten. Der kämp­fe­rische Bad Hers­felder Amazon- Betriebsrat Christian Krähling gehört ebenso dazu wie Gewerk­schaf­te­rInnen aus Poznan und Wrocław, die sich eben­falls seit Jahren für höhere Löhne und gegen Arbeits­hetze und Über­wa­chung enga­gieren. Während die Beschäf­tigten aus Poznan in der anar­cho­syn­di­ka­lis­ti­schen Workers’ Initiative orga­ni­siert sind, hat in Wrocław die Gewerk­schaft Soli­darność Ein­fluss unter den Kol­le­gInnen. Motto der Pro­test­aktion: „Feedback für Jeff Bezos“. „Amazon setzt durch regel­mäßige Ge- spräche über die Arbeits­leistung Beschäf­tigte unter Druck, dieses Mal wollen die Beschäf­tigten Jeff Bezos ein ‚Feedback‘ geben“, sagt Maria Reschke.

Peter Nowak

aus: montag, 23. april 2018 taz

Der Preis ist heiß

Der Amazon-Gründer Jeff Bezos erhält den »Axel-Springer-Award«

»An Evening for Jeff Bezos« heißt die Ver­an­staltung, die der Springer-Konzern am 24. April in Berlin aus­richten will. An diesem Tag soll der Gründer des Amazon-Kon­zerns und Eigen­tümer der Washington Post den »Axel-Springer-Award« 2018 erhalten. »Mit der Aus­zeichnung würdigt Axel Springer sein visio­näres Unter­neh­mertum in der Inter­net­wirt­schaft sowie die kon­se­quente Digi­ta­li­sie­rungs­stra­tegie der 140jährigen US-Tra­di­ti­ons­zeitung«, heißt es in der Pres­se­mit­teilung des Verlags. Die Lau­datio auf den Preis­träger soll John Elkann, der Ver­wal­tungs­rats­prä­sident des Fiat-Kon­zerns, halten.

Doch auch die zahl­reichen Kri­tiker des Geschäfts­mo­dells von Amazon werden sich am 24. April zu Wort melden. Das Bündnis »Make Amazon Pay« (MAP) will den Abend nutzen, um die schlechten Arbeits­be­din­gungen, Tarif­flucht und Gewerk­schafts­feind­lichkeit bei dem Unter­nehmen anzu­prangern. »Das Zukunfts­modell von Amazon heißt: keine Tarif­ver­träge, Lohn­druck und prekäre Jobs, Arbeits­hetze und per­ma­nente Über­wa­chung. Das ist nicht unsere Zukunft!« sagte die MAP-Spre­cherin Maria Reschka der Jungle World. Der Inter­na­tionale Gewerk­schaftsbund (IGB) hat Bezos bereits 2014 einen Nega­tiv­preis für Aus­beutung der Mit­ar­beiter ver­liehen. Der 54jährige ist dem Magazin Forbes zufolge mit einem geschätzten Ver­mögen von etwa 130 Mil­li­arden US-Dollar der reichste Mensch der Welt. Das Bündnis »Make Amazon Pay« war ver­gan­genes Jahr erstmals an die Öffent­lichkeit getreten, um den Kampf der Amazon-Beschäf­tigten für einen Tarif­vertrag zu unter­stützen. Mit einer Akti­ons­woche rund um den »Black Friday« im November, der von Amazon als Schnäpp­chentag beworben wurde, blo­ckierten einige Hundert Akti­visten eine Ver­sand­halle im Westen Berlins. Auch an ver­schie­denen Amazon-Stand­orten gab es Pro­teste. In dem Bündnis haben sich Beschäf­tigte des Unter­nehmens gemeinsam mit Gruppen der außer­par­la­men­ta­ri­schen Linken wie dem »Ums Ganze«-Bündnis orga­ni­siert. In Leipzig unter­stützen linke Gruppen bereits seit fünf Jahren die Beschäf­tigten des dor­tigen Amazon-Stand­ortes bei ihrem Kampf um einen Tarif­vertrag und bessere Arbeits­be­din­gungen. Auch das Leip­ziger Streik­so­li­da­ri­täts­bündnis ist Teil von MAP.

Beim ersten Vor­be­rei­tungs­treffen für die Pro­teste am 24. April waren zudem Gewerk­schaftler aus Deutschland und Polen anwesend. Diese trans­na­tionale Koope­ration, die bei einem global agie­renden Konzern wie Amazon not­wendig ist, um einen Arbeits­kampf zu gewinnen, ist auch ein Ver­dienst der außer­be­trieb­lichen Amazon-Soli­da­rität. Ein Großteil der enga­gierten Beschäf­tigten im Amazon-Werk Poznań ist bei der anar­cho­syn­di­ka­lis­ti­schen »Workers Initiative« (Inicjatywa Pra­cow­nicza, IP), orga­ni­siert, die bereits mehrere Soli­da­ri­täts­ak­tionen mit den Beschäf­tigten in Deutschland initi­ierte. Auch die Soli­da­ri­täts­in­itia­tiven haben dafür gesorgt, dass der Kontakt zwi­schen der IP und den Beschäf­tigten in meh­reren Amazon-Stand­orten in Deutschland zustande gekommen ist.

In Polen ist die Kampf­be­reit­schaft eben­falls gewachsen. Neben der IP will sich auch die Gewerk­schaft Soli­darność an den Pro­testen am 24. April in Berlin betei­ligen und hat die Ent­sendung eines Busses mit Beschäf­tigten ange­kündigt. Soli­darność ist der pol­nische Partner der DGB-Gewerk­schaft Verdi und hat im zweiten pol­ni­schen Amazon-Werk in Wrocław Ein­fluss bei den Beschäf­tigten. Lena Widmann, die bei Verdi für Amazon zuständig ist, konnte der Jungle World noch keine kon­kreten Pla­nungen ihrer Gewerk­schaft für den 24. April nennen. »Wir besprechen das mit den Amazon-Beschäf­tigten und gehen dann an die Öffent­lichkeit«, sagte sie. Wichtig sei ihrer Gewerk­schaft, dass »der Kampf um einen Tarif­vertrag und der Kampf um bessere Arbeits­be­din­gungen im Mit­tel­punkt stehen«, so Widmann. »Auf dem Vor­be­rei­tungs­treffen war Konsens, dass es darum am 24. April gehen soll«, sagte ein Mit­glied des MAP-Bünd­nisses der Jungle World.

https://​jungle​.world/​a​r​t​i​k​e​l​/​2​0​1​8​/​1​4​/​d​e​r​-​p​r​e​i​s​-​i​s​t​-​heiss

Peter Nowak

Solidarität über die Oder

Am Don­nerstag hat die Kran­ken­schwester Barbara Rosołowska im west­pol­ni­schen Gorzow ihren Arbeits­prozess. Sie kämpft für einen regu­lären Arbeits­vertrag mit vollen Arbeit­neh­mer­rechten. Auch Unter­stützer aus Deutschland werden vor Gericht anwesend sein. Sie wollen der kla­genden Kran­ken­schwester damit den Rücken stärken. Norbert Kol­lenda, Gründer der Initiative zur trans­na­tio­nalen Pro­zess­be­gleitung, hat vor einigen Wochen einen Aufruf in ver­schie­denen sozialen Netz­werken lan­ciert. »Wer kommt am 24.11. mit auf die andere Oder­seite?« lautete seine Frage. Norbert Kol­lenda ist bei Attac aktiv, wo er seit meh­reren Jahren Kon­takte zu sozialen Bewe­gungen in Polen geknüpft hat. Die daraus ent­stan­denen Bekannt­schaften auch zu aktiven pol­ni­schen Gewerk­schaftern nutzt er für den Ausbau der gren­zen­über­grei­fenden Koope­ration und Soli­da­rität.

Barbara Rosołowska wird in ihrem Arbeits­kampf von der anar­cho­syn­di­ka­lis­ti­schen Gewerk­schaft Arbei­ter­initiative (IP) unter­stützt. Auch für ihre Kol­le­gInnen ist der Prozess von großem Interesse. Viele der Solo­selb­stän­digen müssen in Schichten bis zu 12 Stunden täglich arbeiten und ver­dienen monatlich 500 bis 800 Euro. Die Aus­ein­an­der­setzung um die Arbei­ter­rechte und die Aus­stattung der Kli­niken dauert bereits mehrere Jahre an. »Es gibt keine ein­heit­lichen Löhne. Fast jede Klinik ver­handelt selbst und die ver­schie­denen Gewerk­schaften sind sich über ihre Stra­tegie uneins« beschreibt Kol­lenda die schwierige arbeits­recht­liche Situation für die Beschäf­tigten. Die Abwan­derung ist daher groß. »Da warten vor den Türen Ver­mittler aus West­europa auf die Absol­venten der Pfle­ge­schulen und zwei Drittel der 5000 Stu­die­renden nehmen den Beruf in Polen nicht auf«, berichtet der Attac-Aktivist.

Die Klinik in Kostrzyń an der Oder, in der Rosołowska beschäftigt ist, wurde vor einigen Jahren pri­va­ti­siert, erklärt Kol­lenda die Vor­ge­schichte der juris­ti­schen Aus­ein­an­der­setzung. Damals seien viele Beschäf­tigte ent­lassen worden. Diese hätten sieben Jahre auf die aus­ste­henden Löhne gewartet. Viele Pro­test­ak­tionen seien durch­ge­führt worden an denen sich auch Attac-Mit­glieder aus Berlin und Umgebung betei­ligten. Die pol­ni­schen Gewerk­schaf­te­rInnen sehen in der inter­na­tio­nalen Beob­achtung durch Akti­visten den Grund, warum den Beschäf­tigten vor sechs Monaten schließlich die aus­ste­henden Löhne gezahlt wurden. »Ich habe selbst erlebt, dass aus­län­dische Beob­achter immer Beachtung der pol­ni­schen Medien finden«, begründet Kol­lenda seine Initiative einer grenz­über­grei­fenden Pro­zess­be­ob­achtung.

Es ist nicht die einzige trans­na­tionale Unter­stützung für mehr Arbei­ter­rechte zwi­schen Deutschland und Polen. Seit zwei Jahren unter­stützt das Amazon-Soli­da­ri­tätswerk, das Beschäf­tigte im Arbeits­kampf unter­stützen will, auch Kol­le­ginnen und Kol­legen vom Amazon-Standort Poznan.

Peter Nowak

»350 Stunden im Monat«

An einem Gericht in der pol­ni­schen Stadt Gorzów findet dem­nächst ein Prozess statt, der für die Arbeits­ver­hält­nisse im gesamten Gesund­heits­wesen des Landes von Bedeutung ist. Norbert Kol­lenda war bei Attac für die Kon­takte zu den sozialen Bewe­gungen in Polen zuständig und beteiligt sich an der Koope­ration von Basis­ge­werk­schaften.

Sie rufen zur soli­da­ri­schen Begleitung des Arbeits­ge­richts­pro­zesses von am 24. November auf. Um was geht es?

Barbara Rosołowska will erreichen, dass die Klinik die Form ihrer Anstellung von einem Vertrag als Selbst­ändige zu einem regu­lären Arbeits­vertrag ändert. Weil ihre bis­he­rigen Bemü­hungen nicht fruch­teten, hat sie sich an das Arbeits­ge­richt gewandt. Hier geht es darum zu zeigen, dass sie nicht die einzige ist, die als Schein­selb­ständige arbeitet und die gleiche Arbeit ver­richtet wie die anderen. Eine Zeugin wurde von der Rich­terin gefragt, warum sie denn diese Anstellung gewählt habe, wenn sie der Meinung sei, dass dies ungünstig sei. Dar­aufhin sagte die Zeugin unter Tränen: »Was hätte ich denn machen sollen? Nach 23 Jahren wurde ich ent­lassen und das war die einzige Bedingung, unter der ich ein­ge­stellt wurde!« Die Rich­terin erwi­derte darauf: »Sie sind hier vor Gericht, halten sie ihre Emo­tionen im Zaum!«

Sind das Ein­zel­fälle oder ist das Alltag in pol­ni­schen Kli­niken?

Es scheint so zu sein, dass die Kli­niken mit der Schein­selb­stän­digkeit den großen Mangel an Beschäf­tigten aus­gleichen wollen. Denn in ver­gleich­baren Fällen können diese bis zu 300 oder sogar 350 Stunden im Monat arbeiten. Es gibt Schwestern und Heb­ammen, die Zwölf-Stunden-Schichten schieben und kaum einmal frei machen. Damit gefährden sie nicht nur ihre Gesundheit.

Rosołowska gehört zur anar­cho­syn­di­ka­lis­ti­schen »Arbei­ter­initiative«. Wird sie auch von anderen Gewerk­schaften unter­stützt?

An der Basis gibt es auch aus den anderen Gewerk­schaften Unter­stützung. Bei der Ver­handlung am 24. November wird als Zeuge der Vor­sit­zende der Gewerk­schafts­gruppe von Soli­darność in der Klinik ver­nommen. Wir können gespannt sein, was er zu den Arbeits­be­din­gungen zu sagen hat.

Vor einigen Jahren haben in War­schau Kran­ken­schwestern gestreikt. Gibt es im pol­ni­schen Care-Sektor gewerk­schaft­lichen Wider­stand?

Leider ist die Gründung einer ein­heit­lichen Gewerk­schaft für die Beschäf­tigten im Gesund­heits­wesen in Polen bisher gescheitert. Die größte ist die Gewerk­schaft der Kran­ken­schwestern und Heb­ammen, die dem Dach­verband »Forum der Gewerk­schaften« angehört. Sie hatten eine äußerst aktive Vor­sit­zende, die zusammen mit der Gewerk­schaft »Sierpień 80« ein euro­päi­sches Netzwerk auf­bauen wollte. Aber sie wurde nicht wie­der­ge­wählt.

Zahl­reiche Care-Beschäf­tigte aus Polen arbeiten in Deutschland. Welche Aus­wir­kungen hat das auf das Gesund­heits­wesen in Polen?

Barbara Rosołowska ver­dient mit ihren 14 Diensten á zwölf Stunden brutto 4 200 Zloty, es bleiben netto 2 000 Zloty, das sind ungefähr 500 Euro. Nach Gorzów hat sie in nur unre­gel­mä­ßigen Abständen eine Ver­bindung mit dem Zug. Stündlich fährt ein Zug nach Berlin, wo sie min­destens das Drei­fache ver­dienen würde. Aber als aktive Gewerk­schaf­terin denkt sie nicht nur an sich. In Deutschland kommen etwas mehr als elf und in Polen vier Kran­ken­pfleger auf 1 000 Ein­wohner. Es fehlen 100 000 Pfle­ge­kräfte und von den 250 000 Beschäf­tigten sind zwei Drittel zwi­schen 40 und 60 Jahre alt. Das ist schon lange bekannt, aber bisher hat keine Regierung etwas unter­nommen. Es gibt keine ein­heit­lichen Löhne, fast jede Klinik ver­handelt über die Tarife selbst. Ver­mittler aus West­europa warten schon auf die jährlich 5 000 Absol­venten der Kran­ken­pfle­ge­schulen, von denen zwei Drittel den Beruf nicht in Polen auf­nehmen.

http://​jungle​-world​.com/​a​r​t​i​k​e​l​/​2​0​1​6​/​4​4​/​5​5​1​2​5​.html

Small Talk von Peter Nowak

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Wer kommt am 24. 11. mit auf die andere Oder­seite?

Klage für eine Fest­ein­stellung

Die Kli­niken in Polen haben eine Form gefunden, um dem Mangel am mitt­leren medi­zi­ni­schen Per­sonal Herr zu werden. Zunehmend werden die Kräfte auf zivil­recht­licher Basis – also Schein­selbst­ständige – ein­ge­stellt, denn sie dürfen sogar bis zu 350 Stunden im Monat arbeiten. Bei der Arbeits­lo­sigkeit in vielen Gegenden sind die Frauen dankbar, haben doch oft die Männer keine Arbeit. Und die Kol­le­ginnen und Pati­enten haben es mit Gestressten zu tun.

Dies hat auch Barbara Roso­lowska von der Gewerk­schaft »Arbeiter Initiative« erfahren müssen. Bis 2007 hat sie in der Klinik in Kostrzyn (Küstrin auf der pol­ni­schen Oder­seite) gear­beitet, aber dann kam der Gerichts­voll­zieher wegen der enormen Schulden der Klinik und sperrte die Konten. Worauf Löhne nicht aus­ge­zahlt wurden – die Klinik wurde pri­va­ti­siert auch Barbara wurde ent­lassen – erst nach vielen Aktionen und Pro­testen nach 7 Jahren gab es die aus­ste­henden Löhne. Nun ist Barbara der Meinung es wäre uns zu ver­danken, dass sie ihr Geld endlich bekommen hätten. Die Bür­ger­meis­terin wurde nämlich bei einem Treffen mit Kol­le­gen­Innen im Bran­den­bur­gi­schen danach gefragt, worauf sie wütend nach War­schau um das Geld gefahren sei. Wir hatten bei einer Kund­gebung teil­ge­nommen und ich hatte darüber berichtet. Wenn es denn so gewesen ist…

Nach zwei Jahren ließ sie sich darauf ein im Regio­nal­kran­kenhaus als Schein­selbst­ständige zu arbeiten – arbeitslos wollte sie nicht bleiben. Bei ihren 14 Diensten zu 12 Stunden im Monat bleiben ihr bei 4200 Brutto 2000 Zloty – ca. 500 Euro.

Sie hätte es sich auch einfach machen können. Von Kostrzyn an der Oder fahren unre­gel­mäßig Züge nach Gorzow, um in die Klinik zu kommen, aber stündlich fahren Züge nach Berlin, die Fahrzeit ist zwar doppelt solang, aber sicherlich hätte sie dort den drei­fachen Lohn!

Jedoch als Mit­glied der Basis­ge­werk­schaft Arbeiter Initiative will sie auch ein Zeichen setzen und die Kol­le­ginnen und Kol­legen dazu anregen auch gegen diese Schein­selbst­stän­digkeit vor­zu­gehen. Sie reichte Klage gegen ihren Arbeit­geber ein um eine Fest­ein­stellung nach dem Arbeits­kodex zu erreichen.

Die nächste Ver­handlung ist in Gorzow WLKP am

24. November um 12.30 Uhr

Es wäre schön, wenn ich nicht allein fahren müsste, aus­län­dische Gäste machen immer Ein­druck und kommen eher in die Medien!

Züge fahren von Lich­tenberg ab 09.37 Uhr mit Anschluss in Kostrzyn (Küstrin) an 11.42 in Gorzow – Fahr­preis 24,60 € Tages­karte, 8,20 € Anschluss-Tages­karte für Inhaber von 65+u.ä.

Wer mit­fahren will kann sich gern mit mir in Ver­bindung setzen, da würde ich noch ein Gespräch mit Barbara Roso­lowska und ihrem Anwalt orga­ni­sieren

Mit soli­da­ri­schen Grüßen!

Norbert Kol­lenda
Berlin-Pankow
+4930–47370845
mobil:0176/93 60 99 79

Transnational streiken – Arbeitskampf bei Amazon

striketogether

Ende März traten erneut Beschäf­tigte in meh­reren deut­schen Amazon-Stand­orten in den Aus­stand. Haupt­for­derung ist die Bezahlung nach dem Flä­chen­tarif für den Ein­zel­handel. Doch der Amazon-Konzern bleibt bei seiner bekannten Linie und lehnt die For­de­rungen ab. Für das Management ist es eine Macht­frage, die For­de­rungen der Beschäf­tigten abzu­wehren. In der Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft gab es bereits im letzten Jahr Über­le­gungen, den Kampf bei Amazon aus­laufen zu lassen. Doch längst ist der Kampf bei Amazon über eine Aus­ein­an­der­setzung zwi­schen Konzern und Verdi hin­aus­ge­wachsen.

Solidarität an der Basis

Beschäf­tigte, die sich in den Streik­aus­ein­an­der­set­zungen poli­ti­siert haben, sind in den Stand­orten ein wich­tiger Faktor an der Basis. Seit mehr als zwei Jahren hat sich zudem eine außer­be­trieb­liche Amazon-Streik­so­li­da­rität gegründet, die mit den Beschäf­tigten koope­riert. Ein wei­terer zen­traler Plus­punkt des Amazon-Streiks ist die trans­na­tionale Dimension. Seit mehr als einem Jahr sind im Amazon-Logis­tik­zentrum Poznan Kolleg_​innen in der anar­cho­syn­di­ka­lis­ti­schen Workers Initiative (IP) orga­ni­siert. Gemeinsam mit den Beschäf­tigten orga­ni­sierte sie in den letzten Monaten zwei Soli­da­ri­täts­ak­tionen mit den Strei­kenden in Deutschland. Vom Verdi-Apparat gab es dabei kei­nerlei Unter­stützung, schließlich ist die pol­nische Part­ner­ge­werk­schaft von Verdi im Amazon-Werk in Poznan kaum ver­treten. Trotzdem ist eine Koope­ration der Kolleg_​innen aus Deutschland und Polen gelungen. Mit Unter­stützung des Soli­da­ri­täts­ko­mitees wurden die Kon­takte ange­bahnt. „Als wir uns das erste Mal getroffen haben, merkten wir schnell, es ist die gleiche Arbeits­hetze, die gleichen Methoden der Aus­beutung“, beschreibt ein Amazon-Kollege aus Bad Hersfeld die schnelle Ver­stän­digung unter den Kolleg_​innen. „Als wir uns mit dem Arbeits­kampf der Kolleg_​innen in Deutschland soli­da­ri­sieren, spielte die Frage der Gewerk­schaft über­haupt keine Rolle. Wir unter­stützen die strei­kenden Kolleg_​innen“, erklärte auch eine Amazon-Beschäftige aus Poznan. Mitt­ler­weile hat es mehrere Treffen gegeben, bei denen aktive Kolleg_​innen aus beiden Ländern sich aus­tauschten und auch über­legten, den Arbeits­kampf über die Lan­des­grenzen aus­zu­weiten.

Probleme benennen

Die IP hat dabei in einer Erklärung einige Aspekte, die für die Aus­weitung des Arbeits­kampfes von Bedeutung sind, benannt und dabei die Pro­bleme nicht ver­schwiegen. So wird das Amazon-Modell des Heuern und Feuern als hin­derlich für eine Orga­ni­sierung benannt.

Die Spaltung in Fest- und Zeit­arbeit schwächt die Arbeiter_​innen deutlich. Sie erhöht den Druck auf alle, auch auf die Fest­an­ge­stellten, und beschränkt die Mög­lich­keiten zur Selbst­or­ga­ni­sierung. Amazon stellt zu beson­deren Stoß­zeiten, bei­spiels­weise vor den Weih­nachts- oder Oster­fei­er­tagen, viele Mitarbeiter_​innen ein, die danach ent­lassen werden. Die Arbeiter_​innen leben in täg­licher Angst, ihre Ein­kom­mens­quelle zu ver­lieren oder sogar abge­schoben zu werden. Die IP hat eine Kam­pagne gegen die Leih­arbeit gestartet, um auch die Kurz­zeit­be­schäf­tigten mit ein­zu­be­ziehen. Am 1. März 2016 hat sie anlässlich des euro­päi­schen Akti­ons­tages gegen Grenz­regime und prekäre Arbeit vor meh­reren Zeit­ar­beits­firmen in Polen Kund­ge­bungen orga­ni­siert. Wie in den Wochen zuvor, nahmen an den Pro­testen neben Beschäf­tigten Unterstützer_​innengruppen teil. Die IP hat in ihrer Erklärung alles Nötige gesagt: „Wir sollten von dem aus­gehen, was uns ver­bindet, und so lernen, wie wir uns gemeinsam orga­ni­sieren und für höhere Löhne und ange­messene Arbeits­be­din­gungen ohne prekäre Ver­träge kämpfen können. Nur wenn wir zusam­men­halten, können wir bekommen, was wir alle wollen: den ganzen Kuchen statt ein paar Krümel vom Tisch unserer Herren.“

Peter NowakDer Autor ist freier Jour­nalist (peter​-nowak​-jour​nalist​.de) und Her­aus­geber des Buches „Ein Streik steht, wenn mensch ihn selber macht“

Link zur Streik-Soli­da­rität Leipzig: streiksoli​.blog​sport​.de

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aus: Son­der­ausgabe der Direkten Aktion zum 1. Mai 2016

von Peter Nowak