Eine Fabrik selbstverwaltet betreiben – dass das funktioniert, zeigen Betriebe auf der „Wandelwoche 2019“

Tee machen ohne den Chef

Wir wollen keinen phil­an­thro­pi­schen Kapi­ta­lismus, daher ge- hört zu unserem Betriebs­zweck die För­derung und der Aufbau soli­dar­wirt­schaft­liche Struk­turen“, so Vinzenz Kremer vom »Gemein & Nützlich Ver­triebs­kol­lektiv«

Können Beschäf­tigte eine Fabrik über­nehmen? Die Beleg­schaften der Tee­fabrik Scop Ti bei Mar­seille und der Che­mie­fabrik Vio​.Me in Thes­sa­loniki machen es vor. Im Rahmen der dies­jäh­rigen „Wan­del­woche“, die Wege zur soli­da­ri­schen Wirt­schaft auf­zeigt, stellen .…

.…Kol­le­gInnen der Betriebe ihre Arbeit vor.

Dabei kommen auch die Pro­bleme zu Sprache, sich auf dem Markt zu behaupten. Schließlich sind auch selbst­ver­waltete Betriebe gezwungen, kos­ten­de­ckend zu pro­du­zieren. Dabei sind die Kol­le­gInnen von Scop Ti noch immer stolz auf die Zeit, als sie die Tee­fabrik 1.336 Tage

besetzten, um sich schließlich gegen den Uni­lever-Konzern durch­zu­setzen. Als sie die Pro­duktion über­nommen hatten, wählten sie als Erin­nerung an den Kampf als Mar­kenname für ihre Bio-Tee­sorten die Zah­len­reihe 1.336.

Nun will Scop Ti auch in Deutschland seinen Tee ver­markten. Ihr Partner in Berlin ist das im Dezember 2018 gegründete „Gemein & Nützlich Ver­triebs­kol­lektiv“. Initiiert wurde es vom Neu­köllner Vegan­laden-Kol­lektiv Dr. Pogo. Als „veganen Onkel Emma Laden“ beschreibt Kol­lek­tiv­mit­glied Vinzenz Kremer gegenüber der taz das eigene Selbst­ver­ständnis. Dabei sei den Kol­lek­tiv­mit­gliedern auch schmerzlich be- wusst, dass sie, um kos­ten­de­ckend wirt­schaften zu können, Preise nehmen müssen, die sich nicht alle leisten können. Trotz dieser realen Wider­sprüche besteht im Kol­lektiv Konsens: „Wir wollen keinen phil­an­thro­pi­schen Kapi­ta­lismus, daher gehört zu unserem Betriebs­zweck die För­derung und der Aufbau soli­dar­wirt­schaft­liche Struk­turen“, so Kremer. Bei der Auswahl der Lie­fe­ran­tInnen sollen Betriebe ohne Chef gefördert werden. Es gehe aber um kon­trol­liertes Wachstum und nicht um Masse, begründet der Kol­lek­tivist die bescheidene Auswahl. Neben den Pro­dukten von Vio​.Me und Scop Ti sind Bücher von Findus und Rotwein von einer ita­lie­ni­schen Koope­rative im Sor­timent des Online-Shops union​-coop​.org/ shop/​.

Bald kommt das Bier einer Brauerei aus Wrocław hinzu, die mit den Erlösen poli­tische Aktionen unter­stützt. Aktuell wird der Ver­trieb noch von Dr. Pogo quer­fi­nan­ziert. In abseh­barer Zeit müsse er sich auch finan­ziell selber tragen, betont Kremer. Am Montag wird er gemeinsam mit Beschäf­tigten von Scop Ti und Vio​.Me über die Pro­bleme selbst­ver­wal­teter Betriebe berichten. Die Ver­an­staltung beginnt um 18.30 Uhr im ND-Gebäude, Franz-Mehring-Platz 1.

http://​bbb​.wan​del​woche​.org

Peter Nowak

Erst­ver­öf­fent­li­chungsort: