In Berlin wurde darüber gesprochen, wie selbstverwaltete Betriebe sich im Kapitalismus behaupten müssen.

NICHT NUR DIE PRODUKTION, AUCH DEN VERTRIEB IN DIE EIGENE HAND NEHMEN!

Partner für diese Betriebe ohne Bosse ist das im Dezember 2018 gegründete „Gemein & Nützlich Ver­triebs­kol­lektiv“. Initiiert wurde es vom Neu­köllner Vegan­laden-Kol­lektiv Dr. Pogo.

Können Beschäf­tigte eine Fabrik über­nehmen? Die Beleg­schaften der Tee­fabrik Scop-Ti bei Mar­seille sowie der Che­mie­fabrik Vio​.Me in Thes­sa­loniki machen es vor. Im Rahmen der dies­jäh­rigen Wan­del­woche, die Wege zur soli­da­ri­schen Wirt­schaft auf­zeigen soll, stellten Kolleg*innen aus den.…

NICHT NUR DIE PRO­DUKTION, AUCH DEN VER­TRIEB IN DIE EIGENE HAND NEHMEN!“ wei­ter­lesen
Eine Fabrik selbstverwaltet betreiben – dass das funktioniert, zeigen Betriebe auf der „Wandelwoche 2019“

Tee machen ohne den Chef

Wir wollen keinen phil­an­thro­pi­schen Kapi­ta­lismus, daher ge- hört zu unserem Betriebs­zweck die För­derung und der Aufbau soli­dar­wirt­schaft­liche Struk­turen“, so Vinzenz Kremer vom »Gemein & Nützlich Ver­triebs­kol­lektiv«

Können Beschäf­tigte eine Fabrik über­nehmen? Die Beleg­schaften der Tee­fabrik Scop Ti bei Mar­seille und der Che­mie­fabrik Vio​.Me in Thes­sa­loniki machen es vor. Im Rahmen der dies­jäh­rigen „Wan­del­woche“, die Wege zur soli­da­ri­schen Wirt­schaft auf­zeigt, stellen .…

„Tee machen ohne den Chef“ wei­ter­lesen

Kollektiv Handel(n)

Union Coop: ein neuer Ver­trieb für Betriebe in Arbei­te­rInnen-Hand

Union Coop, 2017 offi­ziell gegründet, ist ein Versuch zur Orga­ni­sierung von Kol­lek­tiv­be­trieben, die einen basis­ge­werk­schaft­lichen Ansatz ver­folgen. Neben den Pro­dukten aus den betei­ligten Betrieben sollen in Zukunft auch ver­mehrt Gewerk­schafts­ma­te­rialien und Waren aus zurück­er­oberten Fabriken wie etwa Vio​.Me oder der Tee­beutel-Fabrik von Scop Ti (ehemals Lipton) ver­trieben werden.

Seit Kurzem können über die Union Coop Pro­dukte aus gewerk­schaftlich ori­en­tier­ten­Kol­lek­tiv­be­trieben gekauft werden. Peter Nowak sprach mit Hansi Oos­tinga von der Union Coop über das Konzept

„Kol­lektiv Handel(n)“ wei­ter­lesen

Arbeiten ohne Chef

Ein Interview mit Hansi Oos­tinga von der Föde­ration „union coop“

„Ohne Chef arbeiten? Basis­de­mo­kra­tisch und selbst­or­ga­ni­siert? Wir wagen den Versuch, weil das für uns die einzig mensch­liche Art des Wirt­schaftens ist.“ So heißt es in der Selbst­dar­stellung der „union coop“, einer Föde­ration, in der sich Betriebe zusam­men­ge­schlossen haben, die diesen Weg gehen. Seit Kurzem können über die Homepage https://​www​.union​-coop​.org Pro­dukte aus Kol­lek­tiv­be­trieben gekauft werden. Peter Nowak sprach in Berlin für die Gras­wur­zel­re­vo­lution mit Hansi Oos­tinga von der Union Coop über das Konzept.

„Arbeiten ohne Chef“ wei­ter­lesen

Teesolidarität

Reaktion auf Schwach­punkt: Selbst­ver­waltete Betriebe helfen sich gegen­seitig beim Ver­trieb

»It‘s Teatime! Scop Ti jetzt auch in Deutschland« – so bewirbt Union Coop, ein Zusam­men­schluss von basis­ge­werk­schaft­lichen Kol­lek­tiv­be­trieben in Deutschland, ganz besondere Tee­sorten. Sie werden in einer selbst­ver­wal­teten Tee­fabrik in Mar­seille pro­du­ziert. Mehr als drei Jahre hatten die Beschäf­tigten dort gegen den Uni­lever Konzern gekämpft und die Pro­duktion schließlich selbst über­nommen. Die neu gegründete Koope­rative Scop Ti pro­du­ziert ver­schiedene bio­lo­gisch und regional ange­baute Tee­sorten unter dem Mar­ken­namen 1336. Das soll an die Fabrik­be­setzung erinnern, die 1336 Tage dauerte. Nun will die Koope­rative ein Ver­triebs­system mit anderen Ländern auf­bauen. 

Koope­ra­ti­ons­partner in Deutschland ist die Union Coop, zu deren Grund­sätzen gehört, dass alle Beschäf­tigten die gleichen Rechte bei Ent­schei­dungen und einen Ein­heitslohn haben. Hansi Oos­tinga von der Union Coop betont, dass es sich nicht um eine Nische für Aus­steiger handelt. »Im Verbund mit anderen Kol­lek­tiv­be­trieben und der Basis­ge­werk­schaft FAU suchen wir Ant­worten auf die Frage, wie eine soli­da­rische Wirt­schaft aus­sehen kann«, betont er gegenüber »nd«.

Der Ver­trieb des Tees aus der selbst­ver­wal­teten Fabrik ist für ihn mehr als Soli­da­rität. »Es ist ein prak­ti­scher Ansatz­punkt für eine wirt­schaft­liche Gegen­macht.« Die Beleg­schaft habe sich während ihres lang­jäh­rigen Kampfs als Teil einer brei­teren sozialen Bewegung posi­tio­niert. Die Ver­ein­barung zur Koope­ration ist auf einem Treffen von selbst­ver­wal­teten Betrieben im Mit­tel­meerraum ent­standen, das vor einem Jahr in Grie­chenland auf dem besetzten Gelände von Vio​.Me stattfand. »Ein Ergebnis dieser Kon­ferenz war die Erkenntnis, dass ein Schwach­punkt aller selbst­ver­wal­teten Fabriken der Ver­trieb ist«, sagt Oos­tinga. Die Union coop will deshalb in der nächsten Zeit ihr Sor­timent erweitern. Neben den Seifen von Vio​.Me sollen auch Liköre aus der besetzten Fabrik Rimaflow in Mailand und Öl aus einer von der Land­ar­bei­ter­ge­werk­schaft SAT besetzten Finca in Anda­lusien ange­boten werden. 

Oos­tinga hofft, dass der Verkauf der Pro­dukte in Deutschland auch das Thema Betriebs­be­setzung und Selbst­ver­waltung wieder mehr in den Fokus rückt. Er erinnert an die selbst­ver­waltete Fahr­rad­fabrik in Nord­hausen, wo vor zehn Jahren einige Wochen lang das Strikebike pro­du­ziert wurde. Das Projekt schei­terte. Aber es steht bis heute für den Versuch, wie Arbeiter auch in Deutschland eine andere Form des Wirt­schaftens und Pro­du­zierens durch­setzen wollten. www​.union​-coop​.org/shop

https://​www​.neues​-deutschland​.de/​a​r​t​i​k​e​l​/​1​0​7​1​8​3​7​.​t​e​e​s​o​l​i​d​a​r​i​t​a​e​t​.html

Peter Nowak

Der eigene Tee

Einst produzierten sie für Unilever, seit einem Jahr für sich. Besuch bei den Teerebellen im südfranzösischen Gémenos

Der alte Wärter über­zeugt sich gewis­senhaft, dass die Einlass begeh­rende Gruppe ange­meldet ist und alle ein Besu­cher­for­mular aus­ge­füllt haben. Erst dann öffnet er das Tor. Die Besucher müssen sich weiße Kittel und Über­schuhe anziehen, bevor sie das Gelände der Tee­beu­tel­fabrik Fralib in Gémenos am Rande von Mar­seille betreten dürfen. Seit dort die Beleg­schaft gegen den Mut­ter­konzern Uni­lever gewonnen hat, ist die kleine Fabrik zum Symbol dafür geworden, dass man auch einen Welt­konzern in die Knie zwingen kann.

Im Jahr 2011 wollte Uni­lever die Pro­duk­ti­ons­stätte der bekannten Tee­marke Lipton Ele­phant von Frank­reich nach Polen ver­lagern. Doch er hatte die Rechnung ohne die Arbeiter gemacht. Die besetzten die Fabrik und for­derten die Rück­nahme des Schlie­ßungs­be­schlusses. Zunächst wurden sie vom Management und der fran­zö­si­schen Politik belä­chelt. Doch nach 1336 Tagen waren es die Arbeiter, die lachen konnten. Der Konzern gab nach – und zahlte den Rebellen mehrere Mil­lionen Euro. »Nach fast vier Jahren Kon­flikt musste man einen Ausweg finden, damit beide Seiten ihren Weg unab­hängig von­ein­ander fort­setzen können«, begründete Uni­lever Frank­reich die Einigung. Die Beleg­schaft konnte in Eigen­regie weiter pro­du­zieren und bekam von Uni­lever eine Start­hilfe von 20 Mil­lionen Euro für die Gründung einer Genos­sen­schaft.

Nach den auf­rei­benden Kämpfen und rau­schenden Sie­ges­feiern hat der nicht immer ein­fache Alltag einer selbst­ver­wal­teten Fabrik in einem kapi­ta­lis­ti­schen Umfeld Einzug gehalten. Die Firma, die heute Scop Ti heißt, muss sich auch ohne Chef am Markt behaupten. Für die Beschäf­tigten bedeutet das zuweilen Son­der­schichten. Ein Dutzend Kol­legen stehen um eine Maschine und lassen Kartons mit Tee­beuteln immer wieder über das Fließband laufen. Kon­zen­triert ver­suchen sie, den Fehler zu finden, der dafür sorgt, dass die Ver­pa­ckungen von der Maschine ein­ge­drückt werden. »Solche Pro­bleme haben wir häufig und wir müssen die selber lösen«, sagt Henri Soler mit Stolz in der Stimme. Der End­vier­ziger hält auch nach dem Ende der Besetzung an seinen ega­li­tären Idealen fest. Gern hätte er einen Ein­heitslohn für alle Beschäf­tigten ein­ge­führt, doch der Antrag wurde von der Mehrheit der knapp 80köpfigen Beleg­schaft abge­lehnt. Es könne nicht sein, so das Gegen­ar­gument, dass ein junger Kollege, der gerade erst in der Fabrik ange­fangen hat und sich wenig für die Selbst­ver­waltung enga­giert, genau so viel ver­dient wie ein Beschäf­tigter mit jah­re­langer Erfahrung, der sich in ver­schie­denen Kom­mis­sionen an der Selbst­ver­waltung der Fabrik beteiligt. Soler bedauert die Ent­scheidung, doch sein Enga­gement ist unge­brochen. Schließlich hängt davon der Erfolg der gesamten Firma ab.

Scop Ti will euro­paweit Groß­märkte mit Tee beliefern, auch in Deutschland. Dafür mussten die Arbeiter Abstriche an ihren Vor­stel­lungen machen. Eigentlich sollten die Tees ohne Aro­ma­stoffe aus­kommen, weil sie bei Uni­lever erlebt hatten, wie die Qua­lität dar­unter leidet. Doch schnell merkten sie, dass sie vor allem im Bereich der Super­märkte Kunden ver­lieren würden. Daher wird ein Teil des Sor­ti­ments weiter mit Zusatz­stoffen geliefert.

Auf dem Fabrik­ge­lände sind die Jahre der Besetzung heute noch gegen­wärtig. Che Guevara prangt an der Wand gegenüber dem Eingang, eine Aus­stellung am Eingang des Betriebs infor­miert über die Geschichte des Arbeits­kampfes. Dort sind auch einige Tee­kartons mit den Auf­drucken aus den Beset­zungs­tagen zu sehen, die Kunden darüber auf­klärten, dass die Tee­beutel in einer selbst­ver­wal­teten Fabrik her­ge­stellt werden.

Die Zukunft sieht nicht schlecht aus für die wider­stän­digen Arbeiter. Der fran­zö­sische Prä­sident stattete der Koope­rative im Sommer einen Besuch ab, seit wenigen Monaten ist ihre eigene Marke auf dem Markt. Der Name: 1336.

http://​www​.neues​-deutschland​.de/​a​r​t​i​k​e​l​/​9​8​9​3​6​3​.​d​e​r​-​e​i​g​e​n​e​-​t​e​e​.html

Peter Nowak