Deutsche Nationalisten feiern den 17. Juni

Gedenktag für Rechte

Mit dem Tag der Patrioten greifen die Rechten auf eine Tra­dition zurück, die in der BRD bereits von der NPD und den Repu­bli­kanern ver­folgt wurde.

Für den 17. Juni hatten auch in diesem Jahr in meh­reren deut­schen Städten rechte Gruppen zum »Tag der Patrioten« auf­ge­rufen. Sie knüpften damit an einen Appell des Vor­jahres an, den Michael Stür­zen­berger und Thomas Böhm ver­öf­fent­licht hatten. Stür­zen­berger ist Autor der islam­feind­lichen Online­plattform »Poli­ti­cally Incorrect«. Gemeinsam mit Böhm war er in der mitt­ler­weile auf­ge­lösten rechten Klein­partei »Die Freiheit« aktiv. Böhm gründete später…

.…das Online­portal »Jour­na­lis­ten­watch«, das die »Zeit« als »ein­fluss­reiche Plattform der Neuen Rechten« klas­si­fi­zierte.

Im 2018er Aufruf heißt es unter anderem: »Wir stehen in der Tra­dition der mutigen DDR-Bürger, die am 17. Juni 1953 gegen den inter­na­tional-sozia­lis­ti­schen Unrechts­staat auf­be­gehrten, der hel­den­haften Patrioten vom 20. Juli 1944 und der Wider­stands­gruppe Weiße Rose, die das national-sozia­lis­tische Ver­bre­cher­regime zu stürzen ver­suchten.« Damit will sich Stür­zen­berger, der das Papier ver­fasst hat, von NS-Nost­al­gikern der NPD und anderer Gruppen abgrenzen.

Der aktuelle Aufruf »Frei nehmen am 17. Juni« fand keine große Resonanz. »Feiern wir am 17. Juni unsere Einheit und Freiheit als gemeinsame Nation. Feiern wir, dass uns Deutsche auf Dauer nichts trennen kann, nicht einmal Mauer und Sta­chel­draht mitten durch unser Land«, heißt es darin. Kund­ge­bungen, Demons­tra­tionen und »Spa­zier­gänge« gab es am Montag u. a. in Berlin, Halle, Han­nover und München. Orga­ni­siert wurden sie fast überall von regio­nalen Pegida-Ablegern.

Auch die wöchent­liche Dresdner Pegida-Kund­gebung stand am Mon­tag­abend unter dem Motto »Bun­des­weiter Fei­ertag aller Patrioten am Montag, den 17. Juni«. Der bun­des­weite Aufruf, sich an diesem Tag frei zu nehmen, war mit einer Ein­ladung nach Dresden ver­bunden worden. Zu den Rednern in Dresden gehörten Christoph Berndt, Initiator der rechten Bewegung »Zukunft Heimat« in Cottbus, und der Publizist Jürgen Elsässer. Letz­terer heizte die Stimmung mit Hetz­pa­rolen wie »Deutschland den Deut­schen« an und arbeitete sich an der »Fridays for Future«-Bewegung ab: Er habe etwas »gegen junge Leute, die statt für Deutschland gegen das Koh­len­dioxid kämpfen«. Den 17. Juni 1953 bezeichnete Elsässer als Vorbild für die rechte Bewegung heute.

Der 17. Juni war bereits Ende der 1970er Jahre von Rechten zum »natio­nalen Gedenktag« erklärt worden. Damals orga­ni­sierten unter anderem linke und links­li­berale Gruppen Pro­teste. 1979 wurden die anti­fa­schis­ti­schen Aktionen, an denen zahl­reiche NS-Widerstandskämpfer*innen und Über­le­bende der Kon­zen­tra­ti­ons­lager beteiligt waren, von einem großen Poli­zei­auf­gebot unter Einsatz von Was­ser­werfen auf­gelöst.

Orga­ni­siert wurden die rechten Aktionen sei­nerzeit von der NPD, später auch von den »Repu­bli­kanern«. Viele ihrer dama­ligen Aktiven sind heute in der AfD. Peter Nowak

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