Das Kleidungsgeschäft »Modeinstitut« in Friedrichshain muss nach siebzehn Jahren gehen, nachdem die Fortis Group das Haus gekauft hat.

Ausverkauf wider Willen

Esther Walter hat die Hoffnung nicht auf­ge­geben, dass das Mode­institut doch noch bleiben kann. Sie ver­weist auf den Blu­men­laden »Pus­te­blume« in unmit­tel­barer Nähe. Trotz der Kün­digung im Juni 2018 exis­tiert der Laden heute noch. Die Besit­zerin Carmen Les­soued-Metzdorf konnte einen neuen Vertrag aus­handeln.

»Ver­drängung stoppen – Wir bleiben alle«, steht auf einem der zahl­reichen Trans­pa­rente, die seit Monaten aus den Fenstern der Sama­ri­ter­straße 8 in Fried­richshain hängen. Die Bewohner*innen des Hauses wurden zu Mietrebell*innen, nachdem sie vor einem Jahr erfahren hatten, dass die .…

.…. Fortis Group das Gebäude erworben hat und mit mas­siven Miet­erhö­hungen ver­bundene Moder­ni­sie­rungen ankün­digte. Min­destens 24 Miet­par­teien sind dadurch von Ver­drängung bedroht (»nd« berichtete).
Die ange­kün­digten Bau­ar­beiten haben noch nicht begonnen, was die Mieter*innen auch auf ihre von Anwohner*innen und Politiker*innen unter­stützten Pro­teste zurück­führen. Trotzdem hat es schon eine von ihnen getroffen: Dem »Mode­institut« wurden zum 31. Januar die Räume in dem Haus gekündigt. Seit 17 Jahren ver­kauft Daniela Wisotzky dort Kleidung für Frauen jedes Alters für den kleinen Geld­beutel. Die Nach­frage ist groß, sagt sie. Trotzdem ist nun zum Monatsende am bis­he­rigen Standort Schluss mit güns­tiger Frau­enmode.
Besonders ent­täuscht ist Wisotzky über das Ver­halten des neuen Eigen­tümers. »Man hatte mir in Aus­sicht gestellt, ich könnte nach der Sanierung in die Räume wieder ein­ziehen. Doch vor einigen Monaten hieß es dann, das sei nur eine unver­bind­liche Über­legung gewesen«, erklärt die Laden­be­sit­zerin empört. Zunächst habe sie keine Kraft mehr gehabt, sich dagegen zu wehren. »Doch dann haben die Mieter*innen der Sama­ri­ter­straße 8 im November eine Mahn­wache vor dem Laden orga­ni­siert«, berichtet Wisotzky erfreut. Dabei ist auch das Trans­parent mit der Auf­schrift »Raus­schmiss« ent­standen, das über der Ein­gangstür des Ladens hängt.»Manche Kund*innen sind irri­tiert. Sie denken, es handele sich um eine Werbung für Son­der­an­gebote«, berichtet Wisotzky über die Reak­tionen. Doch die Unter­stützung ist groß, sobald die Men­schen von der Kün­digung erfahren. Auch die Bun­des­tags­ab­ge­ordnete der Grünen, Canan Bayram, die in Fried­richshain ihren Wahl­kreis hat, setzte sich in einen Brief an den Eigen­tümer für den Ver­bleib des Ladens ein. »Auch für die Nach­bar­schaft würde die Schließung des Mode­ladens einen großen Verlust bedeuten. Denn das Geschäft hat sich zu einem wich­tigen sozialen Treff­punkt für die Men­schen im Sama­ri­terkiez ent­wi­ckelt«, erklärt Bayram gegenüber »nd«.

Das sieht auch Esther Walter so. »Die kleinen Läden werden zuerst gekündigt, weil sie nur Gewer­be­miet­ver­träge haben. Doch wir Mieter*innen sind als Nächstes dran«, befürchtet die Frau, die seit knapp zehn Jahren im Sama­ri­terkiez lebt. Auf den Mode­laden sei sie auf­merksam geworden, weil Wisotzky mit alten Möbeln und zu Blu­men­kästen umge­stal­teten Wasch­becken eine kleine Kiezoase vor dem Eingang gestaltet hat, erzählt sie dem »nd«.Esther Walter hat die Hoffnung nicht auf­ge­geben, dass das Mode­institut doch noch bleiben kann. Sie ver­weist auf den Blu­men­laden »Pus­te­blume« in unmit­tel­barer Nähe. Trotz der Kün­digung im Juni 2018 exis­tiert der Laden heute noch. Die Besit­zerin Carmen Les­soued-Metzdorf konnte einen neuen Vertrag aus­handeln. Für das »Mode­institut« wird es das nicht geben. Auf Nach­frage erklärt ein Sprecher der Eigen­tü­mer­gruppe gegenüber »nd«: »Ein neuer Miet­vertrag für die Zeit nach der Moder­ni­sierung wurde dem Mode­institut seitens Fortis nicht in Aus­sicht gestellt.«
Eine gute Nach­richt gibt es trotzdem: Am Montag erklärte Daniela Wisotzky, neue Räum­lich­keiten für ihren Laden gefunden zu haben – eben­falls in Fried­richshain. »Es war schwierig, etwas zu finden, das bezahlbar ist und in guter Lage«, sagt sie. Durch Zufall habe sie jedoch etwas zu ähn­lichen Bedin­gungen gefunden. Noch diese Woche soll der Vertrag unter­schrieben werden. »Das glaube ich aber erst, wenn es so weit ist; ich habe schon so viele schlechte Erfah­rungen gemacht«, so Wisotzky.

Peter Nowak