Die juristische Aufklärung des Falls Oury Jalloh ist trotz neuer Erkenntnisse offiziell für beendet erklärt

Tatort Wache

Im Dezember 1997 wurde Hans-Jürgen Rose nach einer Alko­hol­fahrt von Poli­zisten auf­ge­griffen und kurz darauf mit schweren inneren Ver­let­zungen in der Nähe der Wache auf­ge­funden. 2002 erlitt der Obdachlose Mario Bich­temann in der Zelle 5 der Des­sauer Wache einen töd­lichen Schä­del­ba­sis­bruch. In einem Rechts­staat wären spä­testens nach Bitt­manns Vermerk gegen sämt­liche betei­ligten Poli­zisten der Des­sauer Wache Ermitt­lungen ein­ge­leitet worden. Tat­sächlich aber wurde Bittmann der Fall ent­zogen; alle Poli­zisten sind weiter im Dienst und schi­ka­nieren Yallohs Freun­des­kreis.

Am 15. Januar 2005 ver­brannte der in Sierra Leone geborene Oury Yalloh in einer Zelle der Des­sauer Poli­zei­wache. Ende Oktober 2019 ent­schied die Naum­burger Ober­staats­an­walt­schaft, dass es .….

.…. kein wei­teres juris­ti­sches Ver­fahren zu seinen Todes­um­ständen mehr geben wird. Fast zur gleichen Zeit kam ein Gut­achten des Radio­logen Boris Bodelle zu dem Schluss, dass Yalloh vor seinem Tod miss­handelt wurde. »Nach Begut­achtung der Bild­da­teien der Com­pu­ter­to­mo­grafie vom 31.03.2005 des Leichnams des Oury Jalloh sind Kno­chen­brüche des Nasen­beins, der knö­chernen Nasen­schei­dewand sowie ein Bruch­system in das vordere Schä­deldach sowie ein Bruch der 11. Rippe rechts­seitig nach­weisbar«, heißt es in dem von der »Initiative Gedenken an Oury Yalloh« in Auftrag gege­benen Gut­achten.

Der kleine Kreis von Yallohs Freunden und Bekannten sorgt seit fast 15 Jahren dafür, dass sich Justiz und Öffent­lichkeit noch immer mit den Todes­um­ständen des Mannes beschäf­tigten müssen. 2012 war ein Polizist der Des­sauer Wache wegen fahr­läs­siger Tötung zu einer Geld­strafe ver­ur­teilt worden. Er wurde beschuldigt, die Ton­anlage leise gestellt und daher Yallohs Schreie aus der bren­nenden Zelle nicht gehört zu haben. Die offi­zielle Version geht noch immer davon aus, dass Yalloh den Brand selbst gelegt hat, und igno­riert die zahl­reichen Gegen­be­weise. So waren auf dem von der Polizei prä­sen­tierten Feu­erzeug, mit dem Yalloh angeblich seine Matratze ange­zündet haben soll, keine Brand­spuren zu finden. Es kann sich daher nicht in der Zelle befunden haben.

2017 ging der Lei­tende Des­sauer Ober­staats­anwalt Folker Bittmann davon aus, dass Oury Yalloh von Des­sauer Poli­zisten ermordet wurde, um die ihm zuge­fügten Miss­hand­lungen zu ver­tu­schen. Durch das neue Gut­achten bekommt dieses Sze­nario zusätz­liche Plau­si­bi­lität. Bittmann ging auch davon aus, dass die Poli­zisten ver­hindern wollten, dass wegen zweier wei­terer unge­klärter Todes­fälle in der Des­sauer Wache erneut ermittelt wird.

Im Dezember 1997 wurde Hans-Jürgen Rose nach einer Alko­hol­fahrt von Poli­zisten auf­ge­griffen und kurz darauf mit schweren inneren Ver­let­zungen in der Nähe der Wache auf­ge­funden. 2002 erlitt der Obdachlose Mario Bich­temann in der Zelle 5 der Des­sauer Wache einen töd­lichen Schä­del­ba­sis­bruch. In einem Rechts­staat wären spä­testens nach Bitt­manns Vermerk gegen sämt­liche betei­ligten Poli­zisten der Des­sauer Wache Ermitt­lungen ein­ge­leitet worden. Tat­sächlich aber wurde Bittmann der Fall ent­zogen; alle Poli­zisten sind weiter im Dienst und schi­ka­nieren Yallohs Freun­des­kreis. 

Peter Nowak