Dem ukrainischen Trotzkisten und Pazifisten Bogdan Syrotjuk droht eine lange Haftstrafe. Eine neue Untersuchung könnte ihm nun Hoffnung geben.

Bogdan Syrotjuk: Nicht Freund des Feindes. Feind des Krieges

Im Falle einer Verurteilung drohen Syrotkjuk bis zu 15 Jahre Haft. Für ihn möglicherweise ein Todesurteil. Seine angeschlagene Gesundheit hat sich in den vergangenen zwei Jahren im Gefängnis von Mykolajiw weiter verschlechtert. Seine Unterstützer wollen ihre 2024 gestartete Kampagne zur Freilassung Syrotkjuks deswegen intensivieren. Von der deutschen Regierung wie auch von anderen EU-Staaten, die die Ukraine als Leuchtturm der Demokratie hinstellen, gab es bisher keine Reaktion. Schließlich werden dort Kriegsgegner*innen schnell zu Handlangern Putins erklärt.

Neue Hoffnung für die Verteidiger von Bogdan Syrotjuk. Eine linguistische Untersuchung hegt starke Zweifel daran, dass der 26-Jährige einen »Staatsstreich während des Kriegszustands« durchführen wollte. Aufgrund genau dieses Vorwurfs aber sitzt der ukrainische Trotzkist seit April 2024 in Haft. Trotz der neuen Expertise hält die Anklage vorerst an ihrer Behauptung fest, Syrotkjuk unterstütze …

… Russland. Dabei ist er keinesfalls ein Anhänger des Putin-Regimes. Im Gegenteil. Geboren 1999 im südukrainischen Perwomaisk, erlebte Syrotjuk als Kind den Niedergang dieser Industriestadt. Sein Großvater Iwan durchlebte sowohl die Verbrechen des Holodomor als auch die der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg. Verbunden fühlte er sich mehr mit der Oktoberrevolution 1917. Der größte Wendepunkt in Syrotkjuks Leben war der »Euromaidan« 2014 und der anschließende nationalistische Rechtsruck in der Ukraine. Als Vorsitzender der Jungen Garde der Bolschewisten-Leninisten, einer trotzkistischen Jugendorganisation, sei er zutiefst erschüttert gewesen über den Abriss der Lenin-Denkmäler, die Verurteilung des Kampfes der Roten Armee gegen den Faschismus während des Zweiten Weltkriegs und die Heroisierung ukrainischer Faschisten. Aus Protest gegen die offizielle Russophobie soll er beschlossen haben, nur noch Russisch zu sprechen, schreibt die World Socialist Web Seite (WSWS) über ihn. Auf Texte, die Syrotkjuk auf eben jener Plattform veröffentlichte, stützen die ukrainischen Sicherheitsbehörden ihre Anklage. Darin lehnt er sowohl die russische als auch die ukrainische Politik ab. Auch die Redaktion der WSWS hat sich klar gegen russischen und ukrainischen Nationalismus ausgesprochen. Sie propagiert eine Einheit der Arbeiter*innen auf beiden Seiten, die dem Krieg ein Ende machen könnte. Seit Juni 2025 ist auch die WSWS in der Ukraine verboten. 

Die Ankläger klammern sich an die Behauptung, Syrotkjuk unterstütze Russland. Und er ist nicht der einzige ukrainische Antimilitarist, dem ohne jede Grundlage Sympathie für den Feind vorgeworfen wird. Die Pazifisten Ruslan Kozaba und Jurij Scheljaschenko werden ebenfalls verfolgt.

Im Falle einer Verurteilung drohen Syrotkjuk bis zu 15 Jahre Haft. Für ihn möglicherweise ein Todesurteil. Seine angeschlagene Gesundheit hat sich in den vergangenen zwei Jahren im Gefängnis von Mykolajiw weiter verschlechtert. Seine Unterstützer wollen ihre 2024 gestartete Kampagne zur Freilassung Syrotkjuks deswegen intensivieren. Von der deutschen Regierung wie auch von anderen EU-Staaten, die die Ukraine als Leuchtturm der Demokratie hinstellen, gab es bisher keine Reaktion. Schließlich werden dort Kriegsgegner*innen schnell zu Handlangern Putins erklärt.  Peter Nowak