Gesetzesänderung erlaubt präventives Töten des Rudeltieres - Umweltorganisationen befürchten erneute Ausrottung

Bund gibt Wolf zum Abschuss frei

Noch vehe­menter wird die Geset­zes­än­derung von der Inter­es­sen­ge­mein­schaft »Wolfs­freunde Deutschland« kri­ti­siert. In der Initiative haben sich Umweltschützer*innen zusam­men­ge­schlossen, die dagegen kämpfen, dass der Wolf in der öffent­lichen Dis­kussion unre­flek­tiert zum Feind erklärt wird. Die »Wolfs­freunde« befürchten, dass mit dem neuen Gesetz der Wolfs­be­stand in Deutschland ins­gesamt zur Dis­po­sition stehen könnte. »Erst wenn alle Wölfe wieder in Deutschland aus­ge­rottet sind, finden keine Nutz­tier­risse durch Wölfe mehr statt«, begründet Ariane Müller von den Wolfs­freunden im Gespräch mit dem »nd« ihre Befürchtung.

Lange Zeit war der Wolf in Deutschland so gut wie aus­ge­rottet. Er galt lediglich als Figur, die in Märchen eine wichtige Rolle spielt. Doch schon längst hat der Streit darüber, wie mit der wieder wach­senden Wolfs­po­pu­lation in Deutschland umge­gangen werden soll, die Politik erreicht. »Neue Regeln für den Wolf« heißt die Über­schrift auf dem Inter­net­portal der Bun­des­re­gierung. Dort wird über eine.….

.…. Änderung des Bun­des­na­tur­schutz­ge­setzes infor­miert, die der Bun­destag wenige Tage vor Weih­nachten beschlossen hat. Die Geset­zes­än­derung erlaubt es künftig, Wölfe zu jagen, wenn sie in Ver­dacht stehen, Schafe oder andere Nutz­tiere gerissen zu haben. In den ver­gan­genen Monaten hatten vor allem bäu­er­liche Orga­ni­sa­tionen mehr Schutz ihrer Herden vor den Wölfen gefordert. In ver­schie­denen Ländern orga­ni­sierten sie Demons­tra­tionen, auf denen sie Angriffe von Wölfen auf wei­dende Schafe und Rinder beklagten. Neben finan­zi­eller Ent­schä­digung gehörte zu ihren For­de­rungen auch ein erleich­terter Abschuss von Wölfen.

Gleich­zeitig haben sich mitt­ler­weile auch ver­schiedene Initia­tiven zu Wort gemeldet, die sich für den Schutz der Wölfe ein­setzen. So moniert der BUND, dass mit der Geset­zes­än­derung der Arten­schutz ins­gesamt auf­ge­weicht wird. Neben den Wölfen seien auch weitere geschützte Tier­arten wie Kra­niche oder Fisch­otter in Gefahr. Die zen­trale Kritik des BUND richtet sich gegen den neu­er­dings erlaubten prä­ven­tiven Abschuss. Es muss also gar nicht nach­ge­wiesen werden, ob das Tier ein Nutztier ange­griffen hat. Schon der Ver­dacht soll aus­reichen, um es töten zu dürfen. »Der BUND fordert, dass auch in Zukunft alle Mög­lich­keiten aus­ge­schöpft werden müssen, den tat­sächlich für die Risse ver­ant­wort­lichen Wolf zu iden­ti­fi­zieren und diesen gezielt zu erlegen«, heißt es in einer Pres­se­mit­teilung der Natur­schutz­or­ga­ni­sation. »Nur Über­griffe auf geschützte Wei­de­tiere dürfen zählen – denn Wölfe, die unge­schützte Wei­de­tiere erbeuten, sind keine auf­fäl­ligen Wölfe.«

Noch vehe­menter wird die Geset­zes­än­derung von der Inter­es­sen­ge­mein­schaft »Wolfs­freunde Deutschland« kri­ti­siert. In der Initiative haben sich Umweltschützer*innen zusam­men­ge­schlossen, die dagegen kämpfen, dass der Wolf in der öffent­lichen Dis­kussion unre­flek­tiert zum Feind erklärt wird. Die »Wolfs­freunde« befürchten, dass mit dem neuen Gesetz der Wolfs­be­stand in Deutschland ins­gesamt zur Dis­po­sition stehen könnte. »Erst wenn alle Wölfe wieder in Deutschland aus­ge­rottet sind, finden keine Nutz­tier­risse durch Wölfe mehr statt«, begründet Ariane Müller von den Wolfs­freunden im Gespräch mit dem »nd« ihre Befürchtung. Für Müller steht die Geset­zes­än­derung im Wider­spruch zum EU-Recht. Dabei ver­weist auch sie auf die Stel­lung­nahme zahl­reicher Expert*innen für Umwelt- und Euro­pa­recht, die darauf ver­wiesen haben, dass der Geset­zes­än­derung »die Europa-Rechts­wid­rigkeit auf die Stirn geschrieben« stehe. Auch bei der Anhörung im Bun­destag für Umwelt­schutz Mitte Dezember erklärten zahl­reiche Expert*innen, dass der Geset­zes­entwurf so fun­da­mental mit EU-Recht kol­li­diert, dass er niemals ver­ab­schiedet werden sollte.

Dass das Gesetz trotzdem beschlossen wurde, ist für Ariane Müller reiner Popu­lismus. Mit Begriffen wie »Pro­blemwolf« werde eine Gefah­ren­si­tuation beschworen, die so nicht exis­tiere. Selten würden zudem etwa Kri­tiker erwähnen, dass bisher kein Fall nach­ge­wiesen wurde, wo ein Wolf einen Men­schen ange­griffen hat.

Die zuständige Agrar­mi­nis­terin Julia Klöckner (CDD) gehörte in den ver­gan­genen Monaten zu den ent­schie­densten Befürworter*innen einer Lockerung des Wolfs­schutzes. Sie verwies darauf, dass die Wolfs­po­pu­lation in Deutschland zuletzt gewachsen sei und die Angriffe auf Nutz­tiere zuge­nommen haben. Klöckner spricht davon, dass die Inter­essen des Natur­schutzes in Ein­klang mit den Inter­essen der Landwirt*innen gebracht werden müssten. Klar ist auf jeden Fall, dass mit dem Gesetz­entwurf die Debatte um den Umgang mit den Wölfen in Deutschland nicht beendet ist. Peter Nowak