In Kreuzberg protestierten rund 150 Menschen vor der Markthalle 9

Aldi statt Luxus

In der Kritik stehen auch die Kreuzber- ger Grünen. Der Bür­ger­meis­terin Monika Herrmann wird vor­ge­worfen, sich nicht für den Ver-bleib von Aldi ein­zu­setzen.

„Wir können nicht mehr weit laufen. Wir können nicht mehr schwer tragen “, heißt es auf dem Schild von Monika Zint. „Gerade wir Älteren sind auf eine Grund­ver­sorgung in unserer unmit­tel­baren Nach­bar­schaft ange­wiesen“, erzählt die Kreuz­berger Seniorin, die mit rund 150 Men­schen am Sams­tag­nach­mittag vor der Markt­halle 9 in der Eisen­bahn­straße pro­tes­tierte. Sie alle befürchten, dass dort.…

.…Men­schen mit nied­rigen Ein­kommen bald nicht mehr ein­kaufen können. „Kiez­markt­halle statt Luxus-Food- Halle“, steht auch auf einem Trans­parent. Der aktuelle Protest ent­zündete sich an der unge­wissen Per­spektive des Aldi-Ladens in der Markt­halle. Der Miet­vertrag soll in den nächsten Wochen aus­laufen. Die Betreiber der Markt­halle wollen dort einen dm-Dro­ge­rie­markt eta­blieren. Dabei machten die Pro­tes­tie­renden klar, dass sie keinen Bestands­schutz für den Aldi fordern. Es gehe ihnen um die Sicherheit der Grund­ver­sorgung auch für Nach­ba­rInnen mit geringen Einkommen.Die kom­mer­zielle Aus­richtung der Halle steht schon länger in der Kritik der Anwoh­ne­rInnen. 2011 hatten die der­zei­tigen Betreiber die Halle für 1,1 Mil­lionen Euro vom Land Berlin gekauft. Der Preis habe erheblich unter dem Marktwerk gelegen, erklärte Susanne Schneider von der Initiative Kiez­markt­halle, die die Pro­teste orga­ni­siert. „Ver­bunden mit der mas­siven Sub­vention waren inhalt­liche Vor­gaben, etwa einen klein­tei­ligen Lebens­mit­tel­markt mit Aus­richtung auf die Nach­bar­schaft zu ver­wirk­lichen. Diese Auf­lagen wurden von den Betrei­be­rInnen der Halle aber nie umge­setzt“, kri­ti­siert Schneider. Auf der Demo klagen viele oft lang­jährige Anwoh­ne­rInnen über teure Gas­tro­nomie und auf Tou­ris­tInnen aus­ge­richtete Events in der Markt­halle. Von den Betrei­be­rInnen war jedoch niemand anwesend.

Normale Nach­bar­schaft

Florian Nie­der­meier, einer der drei Markt­hal­len­be­treiber, hat sich aber kürzlich im ARD- „Mit­tags­ma­gazin“ zu Wort gemeldet. „Gerade mittags sieht man das. Da kommen viele Leute aus umlie­genden Betrieben zum Mit­tag­essen, die sprechen Eng­lisch. Daher stammt der Ver­dacht, dass die Halle immer tou­ris­ti­scher werde. In meiner Wahr­nehmung sind das keine Tou­risten, sondern Leute aus aller Welt, die jetzt hier leben und arbeiten. Das sind Kreuz­berger, Nachbarn“, erklärte Nie­der­meier.

Doch mehrere Kund­ge­bungs­teil­neh­me­rInnen betonen, dass es nicht um einen Kon­flikt um Tou­ris­tInnen oder um Nach­ba­rInnen geht, die früher oder später in die Gegend gezogen sind. In der Kritik stehen auch die Kreuz­berger Grünen. Der Bür­ger­meis­terin Monika Herrmann wird vor­ge­worfen, sich nicht für den Ver- bleib von Aldi ein­zu­setzen.

Bei einer Spon­tan­um­frage outete sich die Mehrheit der Pro­test­teil­neh­me­rInnen als Kun­dInnen der Markt­halle. Sollte der Aldi ver­schwinden, wollen viele nicht mehr dort ein­kaufen. Unter­stützung bekamen die Kri­ti­kerIn- nen von Poli­ti­ke­rInnen der SPD und der Linken. Einen Rede­beitrag hielt auch eine Ver­tre­terin der Gruppe Ora Nostra, in der sich Klein­ge­wer­be­trei­bende und Ein­zel­händ­le­rInnen in Kreuzberg gegen Ver­drängung wehren.

Erst­ver­öf­fent­li­chungsort: