Accounts linker Gruppen gehackt Lieblingspasswort: »anarchy«

Die Hacker­gruppe »Schwarzer Phönix« legt offen, wie lax linke Akti­visten mit Daten umgehen. Die Akti­visten wie­derum trauen den »Phö­nixen« nicht über den Weg

BERLIN taz | Zahl­reiche linke Gruppen hatten in der letzten Zeit Pro­bleme mit dem Mail­versand. Betroffen sind anti­fa­schis­tische Gruppen und sozi­al­po­li­tische Initia­tiven. Während anfangs in der linken Szene gerätselt wurde, ob rechte Hacker oder der Staats­schutz dafür ver­ant­wortlich sind, tauchte ein Beken­ner­schreiben aus den ver­meintlich eigenen Reihen auf.

»Wir haben die Accounts von 100 linken Gruppen und Ein­zel­per­sonen einer Sicher­heits­über­prüfung unter­zogen«, hieß in der Erklärung einer »Bewegung Schwarzer Phönix«. Es habe sich um eine Soli­da­ri­täts­aktion gehandelt. Man wolle die betrof­fenen Gruppen und die linke Öffent­lichkeit auf den leicht­sin­nigen Umgang mit sen­siblen Daten auf­merksam machen, schreiben die unbe­kannten Hacker.

So seien die Pass­wörter einfach zu erraten gewesen, weil häufig schnell zu erra­tende Begriffe wie »anarchy« ver­wendet worden seien. Den Soli­da­ri­täts­ha­ckern sind nach eigenen Angaben neben »Pro­to­kollen von regio­nalen und über­re­gio­nalen klan­des­tinen Treffen« auch »kom­plexe Recherchen über faschis­tische Grup­pie­rungen mit Hin­weisen auf die recher­chie­renden Men­schen und deren Vor­ge­hens­weise« sowie »Infor­ma­tionen über die Planung von poli­ti­schen Aktionen« in die Hände gefallen.

Obwohl die Hacker ver­si­cherten, diese Daten nicht öffentlich zu machen und allen gehackten Initia­tiven und Ein­zel­per­sonen ihren Account zurück­zu­geben, reagieren linke Kreise über­wiegend mit Unver­ständnis auf die Aktion. »Die popu­lis­tische Art und Weise mit welcher auf Sicher­heits­lücken und Schwach­stellen in der digi­talen Kom­mu­ni­kation hin­ge­wiesen wurde, lehnen wir ent­schieden ab, da dies schluss­endlich nur den Repres­si­ons­be­hörden in die Hände spielt«, heißt es in einer Erklärung des Ber­liner Ermitt­lungs­aus­schusses.

Daten des Ber­liner Ermitt­lungs­aus­schusses wurden nicht gehackt, die Orga­ni­sation bekam von den Schwarzen Phö­nixen aller­dings per E‑Mail Account­daten von drei gehackten Gruppen mit der Bitte über­mittelt, die Daten an diese zurück­zu­geben. Dabei hätten die Phönixe kein Ver­schlüs­se­lungs­pro­gramm benutzt, moniert der EA.

Viele betroffene Gruppen reagieren ablehnend auf das Angebot der Daten­rückgabe, da nicht klar sei, wer die angeb­lichen Soli­da­ri­täts­hacker seien. Im Netz warnen andere Linke vor Ver­schwö­rungs­theorien und sehen in dem Hack eine gute Gele­genheit, sich mehr Gedanken um die Sicherheit im Netz zu machen.

http://​www​.taz​.de/​1​/​n​e​t​z​/​n​e​t​z​p​o​l​i​t​i​k​/​a​r​t​i​k​e​l​/​1​/​l​i​e​b​l​i​n​g​s​p​a​s​s​w​o​r​t​-​a​n​a​rchy/

Peter Nowak


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