Kurz vor den Wahlen in Sachsen-Anhalt kann die Reil­straße 78 einen Erfolg vermelden. Das Hausprojekt kann gekauft werden

Hausprojekt in Halle geretttet

Unabhängig vom Wahlausgang werde die Reil­straße auch weiterhin ein Ort bleiben, wo anti­faschis­tische Gegenkultur und Zivilgesellschaft zu­sam­men­kom­men. So steht am 4. September ein Konzert der anti­faschis­tischen Band ZSK auf dem Plan, und eine Woche später öffnet die denk­mal­ge­schützte Villa ihre Türen zum »Tag des offen Denkmals«, nennt Schmitt gegenüber »nd« ein Beispiel für die Band­breite der Veranstaltungen in der Reil­straße 78.

»Die Häuser denen, die sie nutzen« – diese alte Parole der Instand­beset­ze­rin­nen­bewegung prangt auf der Home­page der Reil­straße 78 in Halle (Saale). Das wird auch so bleiben. Ihr Spendenaufruf hatte Erfolg. »Nun haben es die Nutzerinnen geschafft und stehen …

… als Eigentümerin im Grundbuch, was politische An­griffe auf das Projekt stark erschweren wird«, sagte Horst Schmitt (Name geändert) von der Reil­straße 78 gegenüber »nd«. Eingeworben wurde die Kauf­summe über Privatdarlehen.

Demnächst will das Haus dem Miet­haus­syndikat beitreten. Doch auch nach dem Kauf brauchen die Nutzer*innen der Reil­straße weiter finan­zielle Mittel. Denn die ge­­plante Sanierung des großen Gebäudes steht demnächst an. Aktuell sieht die Reil­straße 78 noch so aus, als sei dort die Zeit stehen geblieben. Die Wände sind mit Parolen besprüht, Pla­kate mobilisieren zu aktuellen anti­faschis­ti­schen Aktio­nen. Seit der Besetzung des ehemaligen Kinderheimes im Sommer 2001 ist das Ge­bäude zu einem wichtigen anti­faschis­ti­schen Zen­trum für Halle und Umgebung geworden.

Deshalb standen die Bewohner*innen und Nutzer*innen immer wieder im Visier der Rechten. In den ersten Jahren gab es An­griffe von Neo­nazis. Mit dem Aufstieg der AfD kam der Widerstand gegen das linke Zen­trum auch aus der Politik. So schrieb die »Mitteldeutsche Zeitung« vor zwei Jahren: »Nicht zuletzt aus dem Stadtrat bekam die Reil 78 aber auch immer wieder Gegenwind, spe­ziell von der AfD. Der Partei ist die Unterstützung sozio-kul­tu­rel­ler Pro­jekte durch die Stadt grundsätzlich ein Dorn im Auge.«

Aber auch die CDU hatte kein Inte­resse am Erhalt des linken Zen­trums. Nach den letzten Kommunalwahlen verzeichneten in Halle Kon­ser­va­tive und Rechte Stim­men­zu­wächse. 2024 stimmte eine rechte Mehrheit aus AfD, CDU, FDP und Bürger für Halle im Finanzausschuss gegen den Verkauf des Hauses an den Verein. Der Verkauf war noch vom Vor­gän­ger-Stadt­rat in die Wege geleitet worden. Doch die Entscheidung führte zu Empörung. Im September 2024 wurde ein Antrag auf Rückgängigmachung des Verkaufs an den Verein abgelehnt.

Dieser Erfolg trug auch zu einer Mobilisierung der Unterstützer*innen der Reil­straße bei. Die Spendenbereitschaft war weiter gewachsen. Horst Schmitt betonte gegenüber »nd«, dass es den Nutzer*innen des Gebäudes wichtig war, den Kaufvertrag vor den Wahlen in Sach­sen-Anhalt unter Dach und Fach zu bringen.

Unabhängig vom Wahlausgang werde die Reil­straße auch weiterhin ein Ort bleiben, wo anti­faschis­tische Gegenkultur und Zivilgesellschaft zu­sam­men­kom­men. So steht am 4. September ein Konzert der anti­faschis­tischen Band ZSK auf dem Plan, und eine Woche später öffnet die denk­mal­ge­schützte Villa ihre Türen zum »Tag des offen Denkmals«, nennt Schmitt gegenüber »nd« ein Beispiel für die Band­breite der Veranstaltungen in der Reil­straße 78.

Schmitt betont, dass auch in Zukunft auf dem Gelände der Reil 78 viele linke Gruppen einen Ort haben, an dem sie sich treffen und ihre Aktionen planen können. So trifft sich das Offene Antifa-Plenum(OAP) in Räumen der Reil 78. Der Verfassungsschutz in Sach­sen-Anhalt nutzte dies als Vorwand, um das ge­samte Ge­lände zu observieren. Peter Nowak