
Es ist uns als Flughafenarbeiter ein großes Anliegen, dass unsere Arbeit nicht dem Krieg dient.« Dies erklärte Christopher T. am 23. August 2025 auf einer Demonstration gegen Waffenlieferungen nach Israel. Er war angestellt bei DHL am Leipziger Flughafen und wurde wegen seiner kurzen Rede gekündigt. Diese Entlassung erklärte nun das Leipziger Arbeitsgericht für unwirksam – doch DHL ging in Berufung. Derzeit gäbe es wieder einen Grund für antimilitaristische Proteste rund um den Leipziger Flughafen. Der Widerstand sollte sich allerdings …
… nicht allein gegen Waffenlieferungen nach Israel richten. Die Forderung müsste vielmehr lauten: »Schafft rüstungs- und waffenfreie Zonen.« Das wäre die logische Konsequenz aus dem Fund einer angeblich mit Sprengstoff gespickten Drohne am Leipziger Flughafen in der letzten Woche.
Noch sind viele Details des Vorfalls unklar. Doch anstatt verschiedene Verschwörungstheorien nachzuplappern, sollte die antimilitaristische Bewegung das Ereignis nutzen, um eine Kampagne für einen rüstungs- und waffenfreien Airport zu initiieren. Denn der Drohnenangriff ist zuallererst einmal eine Folge der enormen Aufrüstung, die sich in Deutschland in den letzten Jahren abspielt und zu der etwa auch Waffentransporte über den Leipziger Flughafen an die Ukraine gehören. Schützenhilfe erhält diese Militarisierung durch die Journaille: »Unser Krieg gegen Russland« titelte jüngst »Der Spiegel«. Politikerinnen von Union, FDP und Grünen betonten in den vergangenen Monaten immer wieder, die Bundesregierung dürfe sich bei ihrer bewaŲneten Unterstützung der Ukraine nicht von Drohungen aus Russland beeindrucken lassen. Es war teilweise auch der Eindruck entstanden, das Putin-Regime habe keine Möglichkeiten, gegen die Lieferung von WaŲen vorzugehen, die eine Reichweite bis Moskau haben. Hier wundert es allerdings umso weniger, wenn die Logistik für die Waffenlieferungen zum Ziel von Ausforschung, Spionage und womöglich Angriffen wird. Die Konsequenz daraus sollte nicht weitere Aufrüstung sein, sondern – ganz im Sinne von Christopher T. – eine klare Ablehnung jeglicher Produktion und Beförderung von Rüstungsgütern. Im Zuge der Bewegung gegen den Nato-Doppelbeschluss in den frühen 1980er Jahren forderten Aktivistinnen in der BRD atomwaffenfreie Zonen. Die Forderung wurde mitunter zur reinen
Symbolpolitik, wenn man etwa Wohnungstüren per Aufkleber zur atomwaffenfreien Zone erklärte. Keineswegs symbolisch, sondern realpolitisch sinnvoll wäre es hingegen, jetzt militär und rüstungsfreie Zonen zu fordern:
am Leipziger Flughafen, in Osnabrück, in Berlin-Wedding. Und das sind nur
drei von vielen Orten, an denen Rüstungsproduktion angesiedelt werden soll, teils mitten in Wohngebieten. Rüstungsfreie Zonen sind der beste Schutz vor Drohnen, weil sie keine militärischen Ziele bieten. Sie können aber nur durch eine Bewegung von unten erkämpft werden, wie es sie im Berliner Wedding und Osnabrück bereits gibt – und hoffentlich bald wieder am Leipziger Airport. Peter Nowak