
Die Preig AG ist ein relativ neuer Akteur am Berliner Immobilienmarkt. Das Kürzel steht für Plutos Real Estate Investment Group Aktiengesellschaft. Mieter*innen in der Hauptstadt stehen dem Konzern skeptisch gegenüber, weil dieser Wohnhäuser in angesagten Kiezen kauft und modernisieren lässt – das schürt die Angst vor steigenden Mieten und Verdrängung der dort Wohnenden. Jüngst wandten sich zwei Kreuzberger Hausgemeinschaften an die Abgeordneten von Linke, Grünen und SPD und an das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg. Sie bangen um die Entwicklung ihrer Wohnhäuser in der …
… Solmsstraße 10 und in der Yorckstraße 73. Denn aus der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Abgeordneten Katrin Schmidberger (Grüne) geht hervor, dass die Preig AG, Eigentümerin der beiden Häuser, dort Läden zu touristischen Unterkünften umwandeln möchte.
Für die Solmsstraße 10 wurde bereits am 4. September 2024 eine Baugenehmigung für die Umnutzung von zwei Gewerbeeinheiten in einen gewerblichen Beherbergungsbetrieb mit insgesamt zwölf Betten erteilt, teilt das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg in der Antwort auf Schmidbergers Anfrage mit. Ähnlich steht es um die Yorckstraße 73. Dort wurde am 17. Juni 2026 die Umnutzung einer Gewerbeeinheit in einen Beherbergungsbetrieb mit maximal sechs Schlafplätzen genehmigt. Ein weiterer Antrag auf Umnutzung einer Gewerbeeinheit in einen Beherbergungsbetrieb im selben Gebäude befinde sich noch im Prüfverfahren.
In einem Brief, der »nd« vorliegt, weisen die Bewohner*innen darauf hin, dass beide Gebäude in einem Milieuschutzgebiet liegen. »Vor diesem Hintergrund und angesichts der anhaltenden Wohnungsnot in Berlin ist für die Hausgemeinschaften nicht nachvollziehbar, aus welchen Gründen die Einrichtung weiterer Beherbergungsbetriebe beziehungsweise Kurzzeitvermietungen mit den Zielen des Milieuschutzes vereinbar sein soll«, schreibt Nanette Consovoy im Namen der Mieter*innen der beiden Häuser.
Schmidberger erkundigte sich in der parlamentarischen Anfrage auch bei weiteren Gebäuden im Besitz der Preig AG in verschiedenen Berliner Ortsteilen. So stellte die Sprecherin für Wohnen und Mieten der Grünen-Fraktion mehrere Fragen zu einem Gebäude in der Lottumstraße 1 im Bezirk Pankow. Dabei ging es um seit 2024 ruhende Bauarbeiten in dem Gebäude und die circa 20 unterschiedlichen Firmennamen auf den Briefkästen unter dieser Adresse. Die Antwort des zuständigen Bezirksamts Pankow lautete: »Diese Frage kann leider nicht beantwortet werden, da hierzu umfangreiche Recherchen erforderlich wären, für die keine personellen Kapazitäten vorhanden sind.«
Ähnliche Antworten geben auch andere Bezirke auf weitere Fragen. So schreibt das Bezirksamt Mitte zu einem Haus in der Bochumer Straße 19, dass der Behörde von Leerstand und Zweckentfremdung von Wohnraum nichts bekannt sei.
Katrin Schmidberger bezeichnete die Antwort auf ihre Anfrage gegenüber »nd« als »Offenbarungseid«. »Die Preig AG ist kein Einzelfall, sondern ein Lehrstück. Baustellen werden aus Kapazitätsgründen nicht kontrolliert, vorgeschriebene Mieteranhörungen unterbleiben wegen Unterbesetzung und selbst eine Registerrecherche, die Mieter*innen ehrenamtlich an einem Nachmittag geschafft haben, scheitert angeblich am Personal,« so die Kritik der Abgeordneten.