Mieter in der High-Deck-Siedlung fordern mit einer Unterschriftensammlung Instandsetzung und niedrigere Mieten von der landeseigenen Howoge.

High-Deck-Siedlung in Neukölln: Mieter wollen saubere Platten

Im Anschluss an die Kundgebung sammelte eine Gruppe von Mieter*innen gemeinsam mit dem Kiezprojekt Unterschriften unter dem Brandbrief an die Howoge. Etwa 600 Bewohner*innen haben schon unterzeichnet. Wenn 1000 Unterschriften zusammengekommen sind, soll der Brief an die Wohnungsbaugesellschaft übergeben werden.

»Wir leben seit Jahren mit Schimmel, Feuchtigkeit, undichten Fenstern und immer neuen Schäden«, sagt Katharina Klappheck am Dienstagnachmittag auf einer Kundgebung vor der …

…  High-Deck-Siedlung in Neukölln. »Wir wollen endlich, dass unsere Wohnungen ordentlich instandgesetzt werden – ohne Angst vor steigenden Mieten.« Klappheck ist eine von etwa 6000 Bewohnerinnen und Bewohnern der Siedlung, die in den 80er Jahren als Modellprojekt für modernes Wohnen galt. Etwa 50 Mieter*innen haben sich versammelt. Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Howoge hat die Häuser 2021 von dem Immobilienkonzern Vonovia gekauft. Neben Schimmel und Wasserschäden gehören auch defekte Leitungen, nicht benutzbare Keller- und Fahrradräume sowie Schädlingsbefall zu der Mängelliste.

Hinter der Kundgebung ist eine Wand mit Fotos aufgebaut, die die Vorwürfe dokumentiert. Dort sieht man defekte Wasserleitungen, Ratten in den Kellerräumen und andere Mängel. »Es ist unsere Mall of Shame«, sagt Fatma Ismail mit sarkastischem Ton. Die Deutsch-Ägypterin ist Sprecherin der Kiezinitiative High-Deck-Siedlung. In ihrer engagierten Rede moniert sie den fehlenden Respekt vor den Bewohner*innen.

So fragt sich Ismail, warum in einer Siedlung, in der Menschen mit unterschiedlichen Sprachen leben, alle Mitteilungen der Howoge lediglich in deutscher Sprache verfasst sind. Ein anderes Problem vieler Bewohner*innen ist die Miethöhe, die sich nach dem Verkauf von Vonovia an die Howoge nicht verringert hat. Einer Mieterin, die Grundsicherung bezieht, wurde vom Jobcenter bereits mitgeteilt, dass das Amt nicht mehr den vollen Betrag übernehmen wird. Sie muss dann von ihrer Grundsicherung die Differenz begleichen, wenn sie ihre Wohnung behalten will. »Es kann nicht sein, dass ein landeseigenes Unternehmen so hohe Mieten nimmt, dass eine Mieterin, die Transferleistungen bezieht, derart in Bedrängnis gerät«, sagt Ismail.

Scharfe Kritik an der Howoge äußert auch Rouzbeh Taheri, der als Spitzenkandidat der Linkspartei in Neukölln für die Berliner Abgeordnetenhauswahl im September antritt. Im Gespräch mit »nd« fordert er von der Politik Sofortmaßnahmen, um zumindest einen Teil der Mängel zu beheben. Zudem müsse sofort eine Kontaktperson der Howoge benannt werden, die für die Mieter*innen ansprechbar sei. Auch der Geschäftsführer des Berliner Mietervereins, Sebastian Bartels, stellt diese Forderung in seiner Rede auf. Das Kiezprojekt High-Deck-Siedlung, eine Kooperation von »Deutsche Wohnen und Co. enteignen« und des Mietervereins, unterstützt Mieter*innen bei der Durchsetzung ihrer Rechte gegen Vermieter. In der High-Deck-Siedlung haben die Haustürgespräche bereits vor einigen Monaten begonnen. »In einer Whatsapp-Gruppe haben sich mittlerweile über 200 Bewohner*innen eingetragen«, berichtet Jonathan Welker vom Kiezprojekt. Er beschreibt aber auch die Schwierigkeiten, die ein Engagement vieler Mieter*innen beeinträchtigten. So seien Termine in den frühen Abendstunden für alleinerziehende Mütter mit Kindern ungünstig.

Im Anschluss an die Kundgebung sammelte eine Gruppe von Mieter*innen gemeinsam mit dem Kiezprojekt Unterschriften unter dem Brandbrief an die Howoge. Etwa 600 Bewohner*innen haben schon unterzeichnet. Wenn 1000 Unterschriften zusammengekommen sind, soll der Brief an die Wohnungsbaugesellschaft übergeben werden. Die Geschäftsführung der Howoge teilte »nd« auf Nachfrage mit, dass sie zu einem Schreiben, das sie noch nicht erreicht habe, keine Stellung nehmen könne. »Grundsätzlich führen wir Gespräche mit allen Beteiligten, die an einem sachlichen und konstruktiven Austausch interessiert sind«, teilte die Howoge-Geschäftsführung mit.

Transparenzhinweis: Der im Text zitierte Rouzbeh Taheri arbeitet zurzeit noch als Geschäftsführer der nd.Genossenschaft, die das »nd« herausgibt.

Peter Nowak