Der gambische Fußballspieler hat auch deshalb viel Unterstützung, weil er ein guter Fußballspieler ist

»Nicht Bakery Jattas Identität sollte in Frage gestellt werden, sondern ein europäisches Asyl- und Migrationssystem«

Wenn wir über den Fall Bakery Jatta reden, einen bisher rea­li­sierten Traum einer Fuß­ball­kar­riere in Europa, müssen wir, wie Kleine von der See­brücke Hamburg sagte, über das euro­päische Flücht­lings­regime reden. Aber wir müssen auch über die Kräfte in vielen afri­ka­ni­schen Ländern reden, die ver­hindern, dass die jungen Men­schen ihren Traum in Afrika ver­wirk­lichen können.

Heißt der HSV-Spieler Bakery Jatta in Wahrheit Bakery Daffeh und ist 23 statt 21 Jahre alt? Darüber wird seit einigen Tagen in den Medien gestritten. Der gam­bische Spieler ist zur Pro­jek­ti­ons­fläche von.…

.…Rechten geworden, die noch immer der garan­tiert bio­deut­schen Fußball-Natio­nal­mann­schaft nach­trauern. 

Bei jeder Welt- oder Euro­pa­meis­ter­schaft gibt es rechte Kam­pagne gegen Fuß­ball­spieler, die nicht in Deutschland geboren sind. Besonders die NPD hat sich mit solchen Kam­pagnen her­vor­getan, einige NPD-Poli­tiker wurden des­wegen ver­ur­teilt. Aber auch der AfD-Poli­tiker Gauland sorgte für Schlag­zeilen wegen despek­tier­licher Äuße­rungen gegenüber einem Fuß­ball­spieler mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund. 

In diesen eth­ni­sie­renden Diskurs ist auch die Dis­kussion um Jatta alias Daffeh ein­zu­ordnen, wo sogar schon von einer mög­lichen Abschiebung die Rede ist. Schnell stellte sich heraus, dass Behaup­tungen der auch von der Bild­zeitung gepushten Kam­pagne nicht stimmen. Dass Jatta viel­leicht mehrere Namen trägt, ist in Gambia nicht unüblich, bestä­tigten Bekannte von ihm. Ein Asyl­antrag kann dem Mann gar nicht aberkannt werden, weil er gar keinen gestellt hat. 

Viel Solidarität für Spieler

Doch es gab in den letzten Tagen auch viel Soli­da­rität mit dem ange­grif­fenen Spieler. Die Gründe sind sicherlich unter­schiedlich. Der Verein hat sich hinter ihn gestellt, weil seine Auf­ent­halts­ge­neh­migung und die Papiere vom gam­bi­schen Verein korrekt sind. Es gibt Rege­lungen für den inter­na­tio­nalen Spie­ler­transfer und da gibt es im Fall von Jatta nichts zu bean­standen. 

Da im Fall von Bakery Jatta sämt­liche not­wen­digen Doku­mente durch den Ham­burger SV in TOR hin­terlegt worden und vom Gam­bi­schen Fuß­ballbund bestätigt sind, hat die DFL eine ent­spre­chende Spiel­be­rech­tigung für den Spieler aus­ge­stellt. Die nun im Raum ste­henden Zweifel an der Iden­tität von Bakery Jatta nimmt die DFL zum Anlass, sich an einer schnellen Sach­ver­halts­auf­klärung zu betei­ligen. Hierzu stehen DFL und DFB mit dem Ham­burger SV im Aus­tausch. 

Außerdem hat die DFL den Welt­fuß­ball­verband FIFA ange­schrieben, um Zweifel an der Kor­rektheit der Angaben im ITC und im Spie­lerpass aus­zu­räumen. Da es zum jet­zigen Zeit­punkt keinen Beweis für eine falsche Iden­tität des Spielers gibt, behält die Spiel­be­rech­tigung für Bakery Jatta, geboren am 6. Juni 1998, aktuell ihre Gül­tigkeit.

Aus der Erklärung der Deut­schen Fuß­ballliga

Zudem ist Bakery ein guter Spieler – und darauf kommt es dem Verein an. Sollte er keine fuß­bal­le­ri­schen Erfolge mehr zei­tigen, dürfte die Unter­stützung schwinden. Auch viele Fuß­ballfans soli­da­ri­sieren sich mit dem Spieler. Mit anti­ras­sis­ti­scher Per­spektive hat sich der Verein See­brücke aus Hamburg ein­ge­schaltet: »Nicht Bakery Jattas Iden­tität sollte in Frage gestellt werden, sondern ein euro­päi­sches Asyl- und Migra­ti­ons­system, das keine Mög­lich­keiten der legalen Ein­reise kennt, sondern Men­schen wie ihn auf lebens­ge­fähr­liche Flucht­routen zwingt«, sagt dazu Christoph Kleine von der See­brücke Hamburg. 

Der Traum von einer Fußballkarriere in Europa

Hier wird ein wich­tiger Punkt ange­sprochen. Viele der jungen Männer, die den gefähr­lichen Transfer von Afrika nach Europa wagen, hoffen auf eine Fuß­ball­kar­riere. Es gab immer wieder Berichte von Über­le­benden geken­terter Boote, die über junge Mit­rei­sende sprechen, die diesen Traum mit in den Tod nahmen. 

Jatta, der wohl eben­falls als Boots­flüchtling nach Deutschland kam, konnte sich seinen Traum erfüllen. Das ist ein Grund zur Freude, und es ist gut, dass die eth­ni­sie­renden Dis­kus­sionen da abprallen. Es ist aber auch ein Grund zur Trauer, dass Men­schen über­haupt ihr Leben aufs Spiel setzen müssen, um sich diesen Traum zu erfüllen. 

Der afri­ka­nische Kon­tinent hat so viele Res­sourcen und viele junge Men­schen, die dort etwas auf­bauen wollen. Es sind des­po­tische Poli­tiker und Eliten in vielen Ländern, die im Verein mit Ländern aus dem glo­balen Norden die Bevöl­kerung der Länder aus­plündern. Sie sind ein wich­tiger Grund für die Mas­sen­flucht. Der euro­päische Kolo­nia­lismus hat die Struk­turen geschaffen, unter denen ein Großteil der afri­ka­ni­schen Bevöl­kerung heute noch leidet. 

Doch es ist falsch, für alles, was dort heute schlecht läuft, nur den Kolo­nia­lismus ver­ant­wortlich zu machen. Ver­ant­wortlich ist auch eine Herr­schafts­schicht in vielen afri­ka­ni­schen Staaten, die die Mehrheit der Men­schen aus­plündert. Manche führen durchaus eine pseudo-anti­ko­lo­niale Rhe­torik. 

Wenn wir über den Fall Bakery Jatta reden, einen bisher rea­li­sierten Traum einer Fuß­ball­kar­riere in Europa, müssen wir, wie Kleine von der See­brücke Hamburg sagte, über das euro­päische Flücht­lings­regime reden. Aber wir müssen auch über die Kräfte in vielen afri­ka­ni­schen Ländern reden, die ver­hindern, dass die jungen Men­schen ihren Traum in Afrika ver­wirk­lichen können.