Bundeswehr und ihre Gegner liefern sich Schlacht um die Plakatwände

Die Bun­deswehr sucht mit »starken Ant­worten« nach Mit­ar­beitern und hat unter dem Motto »Bunte Vielfalt nicht nur im Schuh­regal« auch Frauen im Visier

Auf Lit­faß­säulen, in Zei­tungen und auf Häu­ser­wänden findet sich nicht nur Werbung für Reisen und Handys. Auch die Bun­deswehr ist unter die Wer­be­träger gegangen. Seit die Wehr­pflicht abge­schafft wurde, will sie via Werbung neue Mit­ar­beiter gewinnen. Daher prä­sen­tiert sich die Bun­deswehr als Arbeit­geber[1].

Dort wird der Ver­ant­wort­liche für die neue Kam­pagne mit den sin­nigen Namen Dirk Feldhaus so zitiert. »Junge Men­schen fragen heute immer mehr nach dem Sinn ihrer Arbeit und was ihnen diese neben einem Ein­kommen eigentlich bringt. Darauf haben wir in der Bun­deswehr starke Ant­worten.« Aller­dings sind vor allem junge Men­schen ange­sprochen, die schon das neo­li­berale Leis­tungs­denken ver­in­ner­licht haben. Denn Feldhaus erinnert daran: »Kaum ein anderer Arbeit­geber bildet ein so breites Auf­ga­ben­spektrum ab und fordert zugleich so viel von seinen Arbeit­nehmern.« Dass der Job sogar das eigene Leben kosten könnte, braucht dann nicht extra erwähnt zu werden.

Da man in der Bun­deswehr natürlich mit der Zeit geht, gehören auch Frauen zu der Ziel­gruppe der Bun­deswehr-Werbung. Unter dem Motto »Bunte Vielfalt nicht nur im Schuh­regal«[2] soll gezeigt werden, dass die Bun­des­wehr­stiefel durchaus neben bunten Stö­ckel­schuhen stehen können. Dabei kann der Bun­deswehr zumindest Ehr­lichkeit nicht abge­sprochen werden. So wird gleich am Anfang klar­ge­stellt, dass es der Bun­deswehr nicht um Frau­en­eman­zi­pation geht, wenn sie Frauen für mehr weib­liche Bun­de­wehr­mit­ar­bei­te­rinnen werben lässt.

Die Bun­deswehr braucht Nach­wuchs. Seit der Aus­setzung der Wehr­pflicht muss sie sich wie ein ziviler Arbeit­geber auf dem Markt behaupten und um Nach­wuchs­kräfte werben. Dabei setzt sie gezielt auch auf qua­li­fi­zierte, junge Frauen, denn ihr Anteil in den Streit­kräften soll größer werden.

Diese Offenheit soll natürlich einer­seits den Kri­tikern den Wind aus den Segeln nehmen. Das Argument, dass es der Bun­deswehr nur um ihren Nach­wuchs geht, brauchen sie gar nicht zu bemühen, wenn sie genau zum Aus­gangs­punkt ihrer Werbung macht. Damit kann ihr eben auch nicht mehr vor­ge­worfen werden, sie ver­berge ihre Inter­essen hinter Phrasen von Eman­zi­pation. Zudem wissen die Men­schen, die die Bun­des­wehr­werbung koor­di­nieren, dass sie damit ihre Ziel­gruppe eher ver­prellen würden. Es sind sicher nicht die Frauen, für die Eman­zi­pation wichtig ist, die sich bei der Bun­deswehr bewerben.

Bun­deswehr-Werbung nicht modern genug?

Wie in großen Unter­nehmen schreibt auch Gene­ral­leutnant Born von der Per­so­nal­ab­teilung beim Ver­tei­di­gungs­mi­nis­terium den Frauen, »ganz eigene Qua­li­täten und Stärken von denen wir als Bun­deswehr gerne mehr pro­fi­tieren möchten« zu. Inter­essant ist dann auch, wie die Geschlech­ter­rollen bei der Werbung funk­tio­nieren. Für die all­ge­meine Erklärung ist ein Mann zuständig. Gezielt ange­sprochen werden sollten Frauen für den Arbeit­geber Bun­deswehr aller­dings von schon aktiven Sol­da­tinnen. « Frauen werben Frauen« lautete das Motto, schließlich wissen Frauen am besten, was Frauen wollen, heißt es auf der Bun­deswehr-Homepage. Die Kam­pagne wurde in Medien wie dem Spiegel[3] ein anti­quiertes Frau­enbild vor­ge­worfen.

Die Kam­pagne sug­ge­riert zwei Dinge: Frauen werden nicht wegen ihrer Fähig­keiten gesucht, sondern weil sie gut aus­sehen. Zweitens: Frauen inter­es­sieren sich nur für Schuhe, Kleider und ihr Aus­sehen. Sie sind immer auch als Mutter im Einsatz. Und: Frauen sind nicht im nor­malen Arbeits­alltag, in der Nor­ma­lität mit Männern und anderen Frauen abge­bildet. Hinzu kommt: Dass auch um einen Dienst an der Waffe geworben wird, dass Frauen auch Panzer fahren oder Kampfjets fliegen, davon findet sich in der Kam­pagne nichts. Die Werber scheinen sich bemüht zu haben, dass dieser Gedanke bei der Betrach­terin mög­lichst gar nicht erst auf­kommt. Die Bun­deswehr als Wellnessveranstaltung.Spiegel

Spiegel

Doch fraglich ist, ob sich die Bun­des­wehr­werber bei der Kli­entel wirklich bla­miert haben, wie das Magazin unter­stellt. Viel­leicht sollen ja gerade Frauen mit einen eher kon­ser­va­tiven Rol­lenbild ange­sprochen werden? Außerdem erschöpft sich die Spiegel-Kritik darin, sie erreiche mit ihrer zu kon­ser­va­tiven Kam­pagne nicht das weib­liche Reser­voire in Gänze aus, weil sich ja Frauen mit modernen Rol­len­bildern nicht ange­sprochen fühlen könnten. Das ist nun keine Kritik an der Bun­deswehr, sondern im Gegenteil ein Aufruf auf einen noch erwei­terten Zugriff.

Bun­deswehr-Werbung mit Binnen‑I und auf Umwelt­schutz­papier?

Nun ist die Frage wahr­scheinlich für die Bun­deswehr-Wer­be­ab­teilung, die über einige Geld­mittel verfügt[4] so irrelevant nicht. Schließlich druckte auch die links­li­berale Taz Bun­des­wehr­werbung und da könnte eine geschlech­ter­sen­sible Sprache und Dar­stellung den gewünschten Erfolg erhöhen.

Viel­leicht sollte auch noch auf öko­lo­gische Aspekte eines Jobs bei der Bun­deswehr hin­ge­wiesen werden Aller­dings hat die Mehrheit der kri­ti­schen Taz-Leser nicht etwa das große Binnen-I- in den Anzeigen ver­misst, sondern sieht den angeblich anti­mi­li­ta­ris­ti­schen Grund­konsens des Blattes ver­letzt[5]. Sollte es den je gegeben haben, dürfte der aber spä­testens der Ver­gan­genheit ange­hören, seit Kom­men­ta­toren Mili­tär­ein­sätze in Jugo­slawien und anderswo befür­wor­teten.

Einem anti­mi­li­ta­ris­ti­schen Grund­konsens ver­pflichtet sind eher die unbe­kannten Men­schen, die in den letzten Monaten ver­stärkt, Bun­des­wehr­werbung sabo­tieren[6]. Die Aktionen reichen von Farb­at­tacken auf Bun­des­wehr­plakate[7] bis zur Kre­ierung eigener Plakate, die den kri­ti­sierten Wer­be­pro­duk­ten­ähneln[8]. Manchmal sind Ori­ginal und Kopie auf den ersten Blick zu erkennen, aber es gibt auch Plakate, die für Irri­ta­tionen sorgen.

Es gibt Bun­des­wehr­gegner die auf Auf­klärung setzen und auf Blogs[9] Argu­mente liefern, warum die Bun­deswehr ihrer Meinung nach kein Arbeit­geber wie jeder andere ist. Oft wird aller­dings nur mit­ge­teilt, dass ein Bun­deswehr-Plakat ent­fernt wurde. Erst vor wenigen Tagen haben sich unbe­kannte Bun­des­wehr­gegner zu einer solchen Aktion in meh­reren Ber­liner Stadt­teilen bekannt[10].

Die Vielfalt der Aktionen gegen die Bun­deswehr-Werbung, die unter dem Schlagwort Adbusting zusam­men­ge­fasst wird, zeigt, dass hier ein ganz neues Akti­onsfeld für Bun­des­wehr­kri­tiker ent­standen ist. Es wird seit Jahren fest­ge­stellt, dass die Oster­märsche, die auch letzte Woche in vielen Städten Abrüstung for­derten, Schwie­rig­keiten haben, junge Men­schen anzu­sprechen Die Gründe sind viel­fältig. Manchen sind die Aktionen zu tra­di­tionell. Manche wollen da nicht neben Men­schen mit­laufen, die das rus­sische Militär nicht genau so kri­ti­sieren, wie das der USA. Doch die Adbusting-Aktionen machen auch deutlich, dass sich längst neue Felder einer Mili­ta­ris­mus­kritik im All­ge­meinen und einer Bun­des­wehr­kritik im Kon­kreten auf­getan haben.

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Peter Nowak

Anhang

Links

[1]

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[2]

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[3]

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[4]

http://www.fr-online.de/politik/-mach–was-wirklich-zaehlt–so-viel-kostet-die-bundeswehr-werbung,1472596,32889988.html

[5]

http://​schu​leoh​ne​mi​litaer​.com/​2​0​1​5​/​1​1​/​1​3​/​k​e​i​n​e​-​w​e​r​b​u​n​g​-​f​u​e​r​-​d​i​e​-​b​u​n​d​e​s​w​e​h​r​-​i​n​-​d​e​r​-taz/

[6]

https://​chronik​.black​blogs​.org/​?​p​=1918

[7]

https://​chronik​.black​blogs​.org/​w​p​-​c​o​n​t​e​n​t​/​u​p​l​o​a​d​s​/​s​i​t​e​s​/​1​0​9​/​2​0​1​5​/​1​2​/​1​6​0​0​3​4.jpg

[8]

http://​maqui​.blog​sport​.eu/​2​0​1​6​/​0​1​/​1​1​/​b​u​n​d​e​s​w​e​h​r​-​w​e​r​b​u​n​g​-​z​e​r​s​t​o​e​r​t​-​w​a​s​-​b​r​i​n​g​t-es/

[9]

http://​www​.mach​was​zaehlt​.de/

[10]

http://​links​unten​.indy​media​.org/​e​n​/​n​o​d​e​/​1​74391