Die EZLN solidarisiert sich mit der kubanischen Bevölkerung angesichts der Lage durch die US-Sanktionen. Warum interessiert das kaum jemanden?

Verschwiegene Botschaft

Zwar wurden in den mehr als 60 Jahren im Namen der kubanischen Revolution unbestritten viele Fehler gemacht. Zumal die EZLN immer wieder darauf hinwies, dass der Weg der Revolution nicht in der Machtübernahme einer kommunistischen Partei liegt. Umso beachtlicher ist es, dass die EZLN in der Stunde der größten Gefahr nun ihre Solidarität mit Kuba erklärt.

»Das kubanische Volk, das schon mehr als 60 Jahre durch die Regierungen der USA ökonomische, politische und militärische Aggressionen erlebt, wird nun an seine Grenzen gebracht. Schamlos erklären jene, die von oben herab der ganzen Welt den Krieg aufzwingen, ihre Ziele: das Volk von Kuba zu ersticken, um Investitionen und ›Entwicklung‹ zu fördern.« So formuliert es jüngst ein Solidaritätsaufruf mit der von den USA strangulierten kubanischen Bevölkerung. Die Botschaft stammt von der …

… zapatistischen EZLN und wurde gemeinsam mit Gruppen, Kollektiven und Einzelpersonen aus Mexiko und anderen Ländern der Welt bereits im Februar dieses Jahres verfasst.

Zu dieser Zeit begann die vollständige Blockade das Alltagsleben der kubanischen Bevölkerung immer stärker zu beeinflussen. Die Stromausfälle wurden länger und lähmten auch das in Kuba bisher vorbildliche Bildungs- und Gesundheitssystem. Doch selbst linke Medien nahmen von diesem Aufruf kaum Notiz, lediglich auf der Webseite von »Amerika21« wurde er veröffentlicht. Am 18. Mai erschien die Erklärung dort noch einmal, »weil sie durch die aktuelle Zuspitzung weiterhin aktuell ist«, wie es in der vorangestellten Erklärung heißt.

Tatsächlich war das Leben auf Kuba zu dieser Zeit angesichts der steigenden Temperaturen zur täglichen Qual geworden. »Ein neuer Tag mit 15 bis 20 Stunden ohne Strom, 34 Grad Celsius im Schatten, Wasserproblemen, denn auch dafür braucht man Strom, und eine Nacht mit vielen Moskitos erwartet uns. Das ist nur das normale Elend«, beschreibt die in Havanna lebende Renate Fausten den Alltag in einem Brief. Die Verursacher dieses Elends sitzen in Washington und Miami. Sie wollen Rache nehmen, weil in unmittelbarer Nähe der USA eine sozialistische Revolution siegreich war, die von großen Teilen der Bevölkerung unterstützt wurde. Zwar wurden in den mehr als 60 Jahren im Namen der kubanischen Revolution unbestritten viele Fehler gemacht. Zumal die EZLN immer wieder darauf hinwies, dass der Weg der Revolution nicht in der Machtübernahme einer kommunistischen Partei liegt. Umso beachtlicher ist es, dass die EZLN in der Stunde der größten Gefahr nun ihre Solidarität mit Kuba erklärt.

Viele Menschen hatten sich in den letzten 30 Jahren mit der zapatistischen Bewegung solidarisiert, die Erklärungen des Subcommandante Marcos aus dem Lacandón-Urwald wurden in allen Sprachen verbreitet. Wieso aber wird der zapatistische Aufruf zur Solidarität mit Kuba jetzt weitgehend ignoriert? Liegt der Grund vielleicht darin, dass viele die zapatistischen Texte gerade deshalb so gut fanden, weil sie scheinbar so weit weg vom kubanischen Sozialismus waren? Wie auch immer: Die Zapatistas haben mit ihrer Erklärung deutlich gemacht, dass Kritik in der Sache und Solidarität gegen Angriffe von Außen kein Widerspruch sind. Peter Nowak