Printmedien verschwinden zunehmend aus der Öffentlichkeit

Seitenwende in der Medienbranche

„Es ist besonders wichtig, die Kolleg*innen bei den technologischen Umwälzungen, die die Druck- und Medienindustrie in den letzten Jahrzehnten erlebt hat, zu unterstützen“, beschreibt Schulze-Husmann die Rolle der Gewerkschaften. In Bezug auf den vermehrten Einsatz der KI seien die Folgen für Druck- Medienbranche noch nicht absehbar. „Besonders bei der beruflichen Qualifizierung und den Kampf um den Erhalt der Arbeitsplätze gilt es genau hinzuschauen, inwieweit sich Tätigkeitsfelder verändern und was das für die Kolleg*innen bedeutet“, skizziert Schulze-Husmann gewerkschaftliche Aktionsfelder.

Printmedien verschwinden zunehmend aus der Öffentlichkeit. In Bussen und Bahnen blicken fast alle Fahrgäste auf ihre Handys. An Bahnhöfen ist ein Zeitungsladen oft gar nicht leicht zu finden. Auch in den Zeitungsabteilungen der Bibliotheken wird das Verschwinden der Printmedien erkennbar. So wird man dort seit Oktober von Montag bis Freitag die …

… Tageszeitung taz vergeblich suchen. Die letzte werktägliche Printausgabe erschien am 17. Oktober 2025. Seitdem gibt es die täglichen Ausgaben nur noch digital als E-Paper. Gedruckt wird die Zeitung nun ausschließlich am Wochenende unter dem Titel Wochentaz. Die Taz hat die Leser*innen über ein Jahr lang auf die sogenannten Seitenwende vorbereitet. Die Umstellung der werktäglichen Ausgaben von Print ins Digitale war im September 2024 auf einer Mitgliederversammlung der Taz-Genossenschaft mit deutlicher Mehrheit beschlossen worden. Bei der lebhaften Diskussion kamen auch entschiedene Gegner*innen der Seitenwende zu Wort. Doch die Mehrheit sah nur die Alternative „in Schönheit zu sterben oder die Seitenwende zu wagen, wie es eine Taz-Genossin ausdrückte.

Wesentlich überraschender kam die Meldung, dass auch das traditionsreiche linke Magazin Konkret ab Januar 2026 nur noch digital zu lesen ist. Dass die Zahl der Abonnent*innen gesunken und die Kosten für Druck und Vertrieb gestiegen sind, hatte Konkret-Herausgeberin Friederike Gremliza nie verschwiegen). Doch das Ende der Printausgabe wurde erst in der Novemberausgabe 2025 bekannt gegeben. „Da man sich also weder für Antifaschismus noch für Aufklärung etwas kaufen kann, fehlt in dem Marmeladenglas, aus dem wir unsere Rechnungen bezahlen, monatlich so viel Kleingeld, dass Konkret ab dem Januarheft 2026 die Printausgabe einstellen und ausschließlich als E-Paper erhältlich sein wird“, hieß es in einer Redaktionsnotiz. Ganz verschwinden soll die Konkret aus den Zeitungskiosken aber nicht. Geplant sind jährlich zwei Themenhefte.

Für den zuständigen ver.di Sekretär im Bereich Druck, Verlage, Papier und Industrie Jan Schulze-Husmann ist der Weg ins Digitale sowohl bei der Taz als auch bei der Konkret eine notwendige Entscheidung, nachdem die Printauflagen seit Jah- ren gesunken sind. Diese Entwicklung habe auch durch di- verse Kampagnen zur Gewinnung neuer Printabos nicht gestoppt werden können.

Während Print-Auflagen und Vertriebserlöse weiter zurückgehen, verzeichnen digitale Abonnement-Modelle eine stabile Nachfrage. Laut einer aktuellen Umfrage des BDZV erwarten rund 60 Prozent der Verlage das Aus der gedruckten Zeitung innerhalb der nächsten 15 Jahre. Gleichzeitig werden immermehr Menschen ihre Zeitungen und Zeitschriften digital lesen.

„Es ist besonders wichtig, die Kolleg*innen bei den technologischen Umwälzungen, die die Druck- und Medienindustrie in den letzten Jahrzehnten erlebt hat, zu unterstützen“, beschreibt Schulze-Husmann die Rolle der Gewerkschaften. In Bezug auf den vermehrten Einsatz der KI seien die Folgen für Druck- Medienbranche noch nicht absehbar. „Besonders bei der beruflichen Qualifizierung und den Kampf um den Erhalt der Arbeitsplätze gilt es genau hinzuschauen, inwieweit sich Tätigkeitsfelder verändern und was das für die Kolleg*innen bedeutet“, skizziert Schulze-Husmann gewerkschaftliche Aktionsfelder.

Zeitungen und Magazine: Digital überholt Print

50 Mio

40 Mio

30 Mio

20 Mio

10 Mio

Quelle [M]: Statista Market lnsights 0 20 1.2026

Handlungsfelder.

Peter Nowak «