Tübinger Aktive wehren sich gegen Repression gegen linkes Hausprojekt Lu15

Protest nach Razzia bei Hausprojekt

Die Hausbewohner*innen der »Lu15« kri­ti­sierten das Auf­treten der Polizei während der Razzia als mar­tia­lisch. So seien Türen – trotz des Angebots, sie auf­zu­schließen – mit einem Rammbock zer­stört worden. Beschlag­nahmtes Eigentum aus Gemein­schafts­räumen sei bisher nicht doku­men­tiert und den Bewohner*innen zur Kenntnis gegeben worden.

»Es ist Dienstag, kurz vor 12 Uhr. Ich muss heute eine schwierige Prüfung schreiben, deshalb habe ich schlecht geschlafen. Als ich aus dem Bad komme, höre ich es auf dem Gang ›Polizei‹ rufen.« So schildert ein Bewohner des links­al­ter­na­tiven Wohn­pro­jekts »Lud­wig­straße 15« aus Tübingen, was er in den Mit­tags­stunden des 14. Februar erlebt hat. An diesem Tag hatte ein Groß­auf­gebot der Polizei.….

.….. die »Lu15«, wie das Projekt genannt wird, mehrere Stunden durch­sucht. Anlass war die Fest­nahme einer Bewoh­nerin wenige Stunden zuvor. Die Akti­vistin war von einer Poli­zei­streife dabei beob­achtet worden, wie sie mit einem Feu­er­lö­scher ver­suchte, Farbe auf die Wand eines Gerichts­ge­bäudes zu sprühen.
Die Hausbewohner*innen der »Lu15« kri­ti­sierten das Auf­treten der Polizei während der Razzia als mar­tia­lisch. So seien Türen – trotz des Angebots, sie auf­zu­schließen – mit einem Rammbock zer­stört worden. Beschlag­nahmtes Eigentum aus Gemein­schafts­räumen sei bisher nicht doku­men­tiert und den Bewohner*innen zur Kenntnis gegeben worden. Zudem seien die Beamt*innen auch in Räume von Bewohner*innen gegangen, die sie nach den Vor­gaben des Durch­su­chungs­be­schlusses nicht hätten betreten dürfen. Der beschränkte die Durch­su­chung auf das Zimmer einer Bewoh­nerin sowie der Gemein­schafts­räume.
Die Razzia gegen das schon vor vielen Jahren lega­li­sierte und im Stadtteil gut ver­an­kerte Haus­projekt hat in der Region für Kritik gesorgt. Dass zeigte sich am 14. Februar, als sich etwa 300 Men­schen auf einer Demons­tration in Tübingen mit der »Lu15« soli­da­ri­sierten. In kurzen Rede­bei­trägen schil­derten mehrere Hausbewohner*innen, wie sie die Razzia erlebten.
Soli­da­rität für die »Lu15« kam unter anderem vom »Offenen Treffen gegen Faschismus und Ras­sismus in Tübingen und Umgebung« sowie von der Initiative »Reut­lingen for Orga­ni­zation, Soli­darity and Actions« (ROSA). Letztere fordern eine Kenn­zeich­nungs­pflicht für Polizist*innen und unab­hängige Ermitt­lungs­in­stanzen bei Ver­dacht auf Poli­zei­gewalt.
Die Grünen, die in Tübingen den Ober­bür­ger­meister und in Baden-Würt­temberg den Minis­ter­prä­si­denten stellen, hatten sich bisher zur Poli­zei­razzia nicht geäußert. Die Linke-Bun­des­tags­ab­ge­ordnete Heike Hänsel kri­ti­sierte die Durch­su­chung dagegen in einer Pres­se­mit­teilung: »Ein Haus­projekt mit ver­mummten Ein­satz­kräften in schuss­si­cheren Westen zu stürmen, auf Grundlage des Vor­wurfs einer ver­suchten Sach­be­schä­digung mit Farbe, ist aus meiner Sicht nicht ver­hält­nis­mäßig«, monierte die Bun­des­tags­ab­ge­ordnete.
Die Pres­se­spre­cherin der »Lu15«, Miriam Koch, erklärte gegenüber »nd«, dass einige der Bewohner*innen nun juris­tische Schritte prüfen. Peter Nowak