Die Initiative »Workers for Future« will Klimabewegung und Gewerkschaften zusammenbringen

Kein Widerspruch

Zum Kli­ma­streik am 20. Sep­tember ver­teilte die Initiative translib einen Text unter dem Titel »Was bleibt von der Welt am Ende des Monats?« Mit der Über­schrift nahmen sie Bezug auf die unter­schied­lichen Rea­li­täten von manchen mit­tel­stän­di­schen Klimaaktivist*innen und Men­schen in pre­kären Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nissen. Während die Umweltaktivist*innen von dem Ende der Welt reden, müssen viele Beschäf­tigte dafür kämpfen, dass sie genug Geld für das Über­leben bis zum Monatsende haben, so der Vorwurf.

Umwelt und Klima waren in der ver­gan­genen Zeit wie­der­keh­rende Themen im öffent­lichen Diskurs. Einige Linke scheinen sich daher zu fragen, ob die Gefahr besteht, dass soziale Themen an den Rand gedrängt werden. Zuletzt gab es wohl auch auf­grund dieser Sorge ver­schiedene Ver­suche, die Trennung von der Umwelt- und Kli­ma­be­wegung einer­seits und gewerk­schafts­nahen Posi­tionen ande­rer­seits zu über­winden. Jüngst haben sich in diesem Zuge bun­desweit Initia­tiven mit dem Namen »Workers for Future« (Arbeiter für die Zukunft) gegründet, die .…

.… sich an die Kli­ma­ju­gend­be­wegung »Fridays for Future« anlehnen. »Arbeits­plätze dürfen kein Argument gegen Kli­ma­schutz sein«, heißt es so auch in einem Aufruf von meh­reren »Workers for Future«-Gruppen. In dem Papier fordern sie, sich mit dem Kli­ma­streik zu soli­da­ri­sieren, unter­schrieben haben zahl­reiche Gewerkschafter*innen und Betriebsräte.

Die Grundidee stößt auf reges Interesse unter Linken. »Wir glauben, dass gerade ver­schiedene Leute unab­hängig von­ein­ander ver­suchen, sich unter diesem Label aus einer Klas­sen­per­spektive in die Öko­be­wegung ein­zu­mi­schen«, erklärte ein Aktivist namens Max von der Leip­ziger Gruppe »translib« auf einer Ver­an­staltung im Ber­liner Sozi­al­treff »Vierte Welt«. Bei »translib« handelt es sich um ein Projekt, dass seit Jahren Texte zur linken Debatte dis­ku­tiert, aber auch selbst immer wieder in außer­par­la­men­ta­rische Bewe­gungen mit eigenen Ver­öf­fent­li­chungen inter­ve­niert.

In dem Text liefern die Aktivist*innen auch Argu­mente, warum die Umwelt­frage kein Problem des indi­vi­du­ellen Konsums ist. »Nach­hal­tiger Konsum ist nicht allein eine Frage des Willens, sondern auch eine Frage des Geld­beutels«, heißt es. Die Verfasser*innen machen mit ihren Erklä­rungen deutlich, dass Kon­sum­ver­zicht auch eine Klas­sen­frage ist.

In der Flug­schrift wird weiter kri­ti­siert, dass es bisher kaum gelungen ist, die Kli­ma­pro­teste auf das Terrain der Pro­duktion aus­zu­dehnen. Die »translib«-Aktivist*innen wollen die Dis­kussion darüber anregen, dass die Arbeiter*innen die Pro­duktion in die eigene Hand nehmen und frei von Kapi­tal­in­ter­essen dann ent­scheiden könnten, bestimmte umwelt­schäd­liche Pro­dukte nicht mehr her­zu­stellen. Die Aktivist*innen stießen nach eigener Aussage mit ihren Texten durchaus auf Interesse bei jungen Klimaaktivist*innen. Es sei aber auch schon vor­ge­kommen, dass ihnen Ordner*innen das Ver­teilen der Flug­blätter auf den Demons­tra­tionen unter­sagen wollten. Schließlich trägt auch die Umwelt­be­wegung die Parole »Nicht links – nicht rechts« vor sich her.

Die Gruppe »translib« hatte im Sep­tember 2014 mit ihren 16 Thesen zur damals in Leipzig tagenden Degrowth-Kon­ferenz die Post­wachs­tums­be­wegung einer fun­da­men­talen Kritik unter­zogen. Ihre aktu­ellen Aufrufe, in denen es um eine positive Bezug­nahme auf die Klimaaktivist*innen geht, sieht »translib« jedoch nicht als Wider­spruch, sondern als Fort­setzung ihrer ideo­lo­gie­kri­ti­schen Arbeit. Schließlich kann auch eine radikale theo­re­tische Kritik eine gute Unter­stützung für eine Bewegung sein.

Leider fehlte dieser kri­tische Duktus bei einem großen Teil des Publikums in Berlin. Vielen dürfte es vor allem wohl ums Mit­machen in einer momentan großen Bewegung gegangen sein. Ent­spre­chend wurden auch die ideo­lo­gi­schen Prä­missen von »Fridays for Future« an diesem Abend kaum hin­ter­fragt.

Zum Kli­ma­streik am 20. Sep­tember ver­teilte die Initiative einen Text unter dem Titel »Was bleibt von der Welt am Ende des Monats?« Mit der Über­schrift nahmen sie Bezug auf die unter­schied­lichen Rea­li­täten von manchen mit­tel­stän­di­schen Klimaaktivist*innen und Men­schen in pre­kären Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nissen. Während die Umweltaktivist*innen von dem Ende der Welt reden, müssen viele Beschäf­tigte dafür kämpfen, dass sie genug Geld für das Über­leben bis zum Monatsende haben, so der Vorwurf. Peter Nowak