Lieferant*innen organisieren sich gegen die Kannibalisierung in ihrer Branche

Fressen bringen und gefressen werden

Für Keno Böhme von der NGG hat der Abschied des Lie- fer­dienstes auch positive Aus­wir­kungen. Er hat früher selber für ver­schiedene Lie­fer­dienste gear­beitet und kümmert sich mitt­ler­weile haupt­amtlich bei der NGG um die gewerk­schaft­liche Orga­ni­sation bei Lie­fer­diensten.

Jung, fle­xibel und schlecht be-zahlt – diesen Ruf haben Arbeits­ver­hält­nisse bei Lie­fer­dienstem. Dem­ge­genüber nimmt die Zahl der Fahrer*innen zu, die sich gewerk­schaftlich orga­ni­sieren und für die Ver­bes­serung ihrer Arbeits­be­din­gungen ein­treten. Am Don­nerstag hatte die Gewerk­schaft.…

.….Nahrung, Genuss- mittel, Gast­stätten (NGG) zu einem „Riders Day“ in ein Hotel in Berlin-Mitte geladen. Dort standen natürlich auch die Kan­ni­ba­li­sie­rungs­pro­zesse in der Branche auf der Tages­ordnung. Zuletzt hatte sich der Lie­fer­dienst Deli­veroo vom deut­schen Markt zurück­ge­zogen, wodurch etwa 1.000 Arbeits­plätze weg­fielen. Für Keno Böhme von der NGG hat der Abschied des Lie­fer­dienstes auch positive Aus­wir­kungen. Er hat früher selber für ver­schiedene Lie­fer­dienste gear­beitet und kümmert sich mitt­ler­weile haupt­amtlich bei der NGG um die gewerk­schaft­liche Orga­ni­sation bei Lie­fer­diensten. „Unserer Meinung nach hängt der Rückzug damit zusammen, dass das Modell der Schein­selbst­stän­digkeit der Fahrer*innen nicht funk­tio­niert hat“, sagt Böhme. „Die soge­nannten Rider waren bei Deli­veroo solo-selbst­ständig tätig. Sollte es Über­le­gungen beim deutlich grö­ßeren Kon­kur­renten Lie­fe­rando gegeben haben, dieses Modell aus­zu­pro­bieren, dürfte sich das hiermit erledigt haben.“Zentraler Dis­kus­si­ons­punkt des Riders Day waren auch die Arbeits­be­din­gungen für die ehma­ligen Foodora-Beschäf­tigten, nachdem der Konzern von Lie­fe­rando geschluckt wurde. Die Gewerkschafter*innen wollen durch­setzen, dass die Betriebs­rats­struktur erhalten bleibt und die Dauer der Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nisse auch für den neuen Arbeit­geber ange­rechnet wird. Davon hängt schließlich ab, ob die Fahrer*innen erneut zwei Jahre befristet beschäftigt werden. Eine Fest­an­stellung stehe ihnen erst nach zwei Jahren zu“, betont der NGG-Sekretär Christoph Schink. Nach Redak­ti­ons­schluss sollte vor der Lie­fe­rando-Zen­trale in Berlin eine Kund­gebung beginnen. Nicht dis­ku­tiert wurden auf dem Riders Day die Idee einiger Kurierfahrer*innen nach dem Deli­veroo-Rückzug, eine eigene selbst­ver­waltete Genos­sen­schaft zu gründen.

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