Kampf um Standort

Die rechts­po­pu­lis­tische Schweizer Volks­partei (SVP) hat in ihrem Rund­um­schlag gegen alle Nicht­schweizer auch einen Passus über deut­schen Filz und deutsche Arroganz mit auf­ge­nommen. Ins Visier der Schweizer Rechten sind vor allem Stu­die­rende und Wis­sen­schaftler aus Deutschland geraten.

Die Klage über die zuneh­mende Zahl deut­scher Wis­sen­schaftler und Stu­die­rende in der Schweiz ist aller­dings längst nicht nur auf rechte Kreise beschränkt. Schon seit Jahren monieren in der Schweiz arbei­tende IT-Wis­sen­schaftler in Inter­net­blogs die Arroganz in ihrem Gastland. Gele­gentlich seien sie auch schon auf­ge­fordert worden, »heim ins Reich« zu gehen.

Bei den deutsch-schweizer Ani­mo­si­täten handelt es sich nicht um Ras­sismus, wie in auch in hie­sigen Medien zu lesen war, sondern um Stand­ort­na­tio­na­lismus. Schweizer riva­li­sieren mit den Zuwan­derern um die besten Jobs und die attrak­tivsten Stu­di­en­plätze. Da wird in Schweizer Medien schon mal vor deut­schen Ver­hält­nissen an Schweizer Hoch­schulen gewarnt. Gemeint sind damit über­füllte Hörsäle und rare Lehr­mittel.

Ähn­liche Töne kommen übrigens auch aus Öster­reich. Nachdem in dem Land die Stu­di­en­ge­bühren abge­schafft wurden, warnten nicht nur rechte Medien vor Stu­die­renden aus Deutschland, die auf der Flucht vor der Unimaut in Deutschland in öster­rei­chi­schen Hör­sälen Asyl suchen.

Das Lamento vieler deut­scher Medien und Poli­tiker über die Aus­fälle der Schweizer und öster­rei­chi­schen Nachbarn gegen deutsche Wis­sen­schaftler und Stu­die­rende ist aller­dings schein­heilig. Ihnen sollte man die Frage stellen, ob sie sich mit der gleichen Vehemenz auch gegen die viel­fäl­tigen Dis­kri­mi­nie­rungen wenden, denen sich Men­schen ohne deut­schen Pass im deut­schen Bil­dungs­wesen und der deut­schen Gesell­schaft aus­ge­setzt sehen.

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Peter Nowak