Auf dem Witaj-Festival am Krabatstein in der Oberlausitz geht es nicht um Vorzeige-Demokratie

ICH KOMME VOM DORF

Die Autorin Grit Lemke, die mit Büchern und Filmen über Hoyerswerda bekannt wurde, ging auf die Geschichte der 1980 in Bautzen von Toni Brik gegründete „Produktionsgruppe Sorbischer Film“ ein. Dort bekamen Menschen ein Forum für ihre künstlerische Arbeit. Sie waren weit genug von den Berliner Funktionären entfernt und konnten recht ungestört auch kritische Themen wie die Zerstörung der Region durch den Kohleabbau thematisieren. Am Freitagabend wurden einige der Filme auf der Hauptbühne des Festivals gezeigt.

„Ja sym ze wsy“ ist obersorbisch und heißt „Ich komme vom Dorf“. T-Shirts mit dieser Parole waren beim Witaj-Festival häufig zu sehen. Das deutsch-sorbische Festival fand in diesem Jahr am letzten Juli-Wochenende zum dritten Mal am …

… Krabatstein statt, in einem ehemaligen Steinbruch in der ostsächsischen Provinz. Das Dorf Nebelschütz liegt einen Kilometer entfernt, die Kreisstadt Kamenz sieben Kilometer. Man kann auch mit dem Bus den Festivalort bis spätabends noch gut erreichen.

elbstbewusstseins geworden. Lange wurden Sorbinnen und Sorben als provinziell und rückständig abgewertet. Mit „Ja sym ze wsy“ haben die Verfemten die Parole umgedreht und verkünden sie mit Selbstbewusstsein gepaart mit Ironie. Auf dem Witaj-Festival – witaj heißt willkommen – konnte man das drei Tage lang erleben. Es wird von linken Sorb*innen organisiert. Sie wohnen oft nicht mehr auf dem Dorf, sondern in verschiedenen größeren Städten.

Dazu gehört Paul Geigerzähler, der zusammen mit Uta Šwejdźic als Duo „Berlinska Dróha“ (Berliner Straße) auf dem Festival auftrat. Die Konzerte von Paul, der auch schon zur Eröffnung der Rabe-Ralf-Ausstellung in der Zionskirche spielte, waren in den letzten Jahren zunehmend ein Treffpunkt für junge Menschen, die ihre sorbische Herkunft entdecken. Viele von ihnen waren auf dem Festival, wo er gleich zweimal auftrat.

Kein neues Sorbentum

Die Autorin Grit Lemke, die mit Büchern und Filmen über Hoyerswerda bekannt wurde, ging auf die Geschichte der 1980 in Bautzen von Toni Brik gegründete „Produktionsgruppe Sorbischer Film“ ein. Dort bekamen Menschen ein Forum für ihre künstlerische Arbeit. Sie waren weit genug von den Berliner Funktionären entfernt und konnten recht ungestört auch kritische Themen wie die Zerstörung der Region durch den Kohleabbau thematisieren. Am Freitagabend wurden einige der Filme auf der Hauptbühne des Festivals gezeigt.

Der Samstag gehörte dann ganz der Musik. Das gesamte Spektrum von Pop bis Punk war auf Deutsch und Sorbisch zu hören. Am Schluss hatte Jacke Schwarz seinen Auftritt, der vor einigen Jahren als Gastmusiker der Punkband Pisse aus Hoyerswerda auftrat. Sehr positiv war zu vermerken, dass auf dem Witaj-Festival keine neue sorbische Identität kreiert wird, die wie alle nationalen Identitäten nur wieder ausgrenzt. Das nächste Witaj-Festival findet vom 23. bis 25. Juli 2027 wieder am Krabatstein statt.

Mehr Infos:
witaj-festiwal.de

Peter Nowak