Die KvU, ein aus der linken DDR-Opposition entstandener Klub, hat ihr neues Domizil wieder in einer Kirche aufgeschlagen.

Kirche von unten bei Kaiser-Friedrich-Kirche untergeschlüpft

Solidarität brauchte die KvU in den letzten Jahren immer wieder. Denn sie wurde wie so viele linke unabhängige Kultureinrichtungen Opfer der Gentrifizierung. Anfang 2014 musste die KvU ihre Räume in der Kremmener Straße im Ortsteil Prenzlauer Berg verlassen, nachdem ein Investor aus Wien das Gebäude gekauft hatte. Damals war der Kontakt zwischen der KvU und bekannten Vertreter*innen der linken DDR-Oppositionsbewegung wie Reinhard Schult vom Neuen Forum noch eng. Der Kampf um neue Räume unter der Parole »KvU bleibt« wurde auch von vielen Künstler*innen unterstützt. Es gab zahlreiche Solidaritätskonzerte.

Die Kaiser-Friedrich-Gedächtniskirche im Berliner Hansaviertel ist ein Baudenkmal aus den späten 1950er Jahren. Das protestantische Gotteshaus wurde wie das gesamte Viertel im Rahmen der Ausstellung Interbau 57 in modernem Stil errichtet. Doch Kirchen beschränken ihre Suche nach Zielgruppen heute nicht allein auf gläubige Menschen. So wirbt die Kaiser-Friedrich-Gedächtniskirche auf ihrer Homepage, dass die »einzigartige Verbindung von Geschichte, Architektur, Kunst und Theologie einen Besuch in dieser Kirche zu einem besonderen, spirituellen Erlebnis werden lässt«. Wenn in Zukunft die Händelstraße 22 häufiger von jungen Menschen aufgesucht wird, liegt das aber nicht unbedingt an den Vorzügen der Kirche. Denn in einem Nebengebäude hat die …

 … Kirche von Unten (KvU) ihr neues Domizil gefunden. Man könnte sagten, die KvU kehrt zu ihren Wurzeln zurück.

»Hier wurde der Grundstein für eine lange Tradition gelegt: selbstbestimmt gegen Ausgrenzung zu kämpfen und dabei auch seine Kultur zu entwickeln.«Paul Geigerzähler Musiker

1987 hatte sich auf dem evangelischen Kirchentag der DDR ein Raum für offene Jugendarbeit im Rahmen der Kirche von Unten gebildet. »Hier wurde der Grundstein für eine lange Tradition gelegt: selbstbestimmt gegen Ausgrenzung zu kämpfen und dabei auch seine Kultur zu entwickeln«, betont Paul Geigerzähler. Der Musiker hat die KvU über viele Jahre solidarisch begleitet.

Solidarität brauchte die KvU in den letzten Jahren immer wieder. Denn sie wurde wie so viele linke unabhängige Kultureinrichtungen Opfer der Gentrifizierung. Anfang 2014 musste die KvU ihre Räume in der Kremmener Straße im Ortsteil Prenzlauer Berg verlassen, nachdem ein Investor aus Wien das Gebäude gekauft hatte. Damals war der Kontakt zwischen der KvU und bekannten Vertreter*innen der linken DDR-Oppositionsbewegung wie Reinhard Schult vom Neuen Forum noch eng. Der Kampf um neue Räume unter der Parole »KvU bleibt« wurde auch von vielen Künstler*innen unterstützt. Es gab zahlreiche Solidaritätskonzerte.

Eine solche große Unterstützung gab es nicht mehr, als die KvU im vergangenen Jahr erneut neue Räume suchen musste. Dabei schien für den Klub alles gut zu laufen, nachdem er bezahlbare Räume auf einem Industriegelände in der Storkower Straße anmieten konnte.

Mit dem benachbarten Klub »Mensch Meier« verstanden sich die Klubbetreiber*innen und die Gäste sehr gut. Doch verkraftete »Mensch Meier« die Umsatzeinbußen der Corona-Zeit nicht und schloss Ende 2023. Mit dem kommerziellen Klub, der danach dort einzog, gab es keine so gute Nachbarschaft. »Die Betreiber*innen und das Publikum hatten mit unseren Vorstellungen von linker Klubkultur absolut nichts zu tun«, sagt Jochen von der KvU. Deshalb kam nach der Kündigung der Räume eine Besetzung nicht infrage.

Zudem kam es zu einem internen Konflikt unter dem langjährigen KvU-Team, der durch den Räumungsdruck noch verschärft wurde. Es hatte sich ein Förderverein KvU gegründet, der sich regelmässig im linken Zentrum »Bandito Rosso« in Berlin-Mitte trifft. Bei den Auseinandersetzungen gehe es weniger um inhaltliche als um persönliche Differenzen. »Manche der langjährigen Mitarbeiter*innen können und wollen nicht mehr zusammenarbeiten«, sagt Jochen. Er ist einer der wenigen, der sowohl im Förderverein als auch in der KvU im Hansaviertel aktiv ist. Dort startete nach längeren Umbauarbeiten jetzt das Veranstaltungsprogramm. Kurse zur Selbstverteidigung werden dort ebenso angeboten wie Kneipenquiz. Aber auch Lesungen, politische Veranstaltungen und Konzerte stehen auf dem Programm. Die müssen allerdings wegen des Ruhebedürfnisses der Nachbarschaft um 22 Uhr beendet sein.

Auch sonst weist Jochen auf einige Einschränkungen für die KvU hin. So sind die neuen Räumlichkeiten nicht rollstuhlgerecht. Das bedauert Jochen besonders, weil der Club in der Storkower Straße für seine Barrierefreiheit bekannt war.