Angehörige und Anwalt von Eva Michelmann fordern mehr Engagement vom Auswärtigen Amt

In Syrien entführte Journalistin: Kritik an der Bundesregierung

»Die Inhaftierung von Eva Michelmann und Ahmet Polad widerspricht grundlegenden Menschenrechten, zu deren Einhaltung sich auch das syrische Übergangsregime verpflichtet hat.«Roland Meister Anwalt der Angehörigen von Eva Michelmann

Etliche Wochen wusste die Familie von Eva Maria Michelmann nicht, was mit der Kölnerin passiert war. Zunächst war der Kontakt zu der Journalistin Anfang des Jahres abgebrochen. Sie hatte sich in Syrien aufgehalten und zusammen mit ihrem kurdischen Kollegen Ahmet Polad aus den kurdischen Gebieten im Nordosten des Landes berichtet. Erst Ende Februar bekamen die Angehörigen die Information, …

… dass beide am 18. Januar in Raqqa bei der Evakuierung eines Gebäudes von Sicherheitskräften der syrischen Übergangsregierung verhaftet worden seien. Am Freitagnachmittag zogen die Angehörigen von Michelmann auf einer Pressekonferenz in Berlin erneut ein bitteres Fazit. Dabei konnten sie Anfang April erst einmal aufatmen. Sie erfuhren zu diesem Zeitpunkt, dass Michelmann und Polad noch leben. Ein Zeuge berichtete per Video von der Nacht der Verhaftung der beiden. Am 11. April 2026 berichteten schließlich aus dem Gefängnis in Aleppo Freigelassene, sie seien mit Polad zusammen inhaftiert gewesen und auch eine deutsche Journalistin sei dort in Gewahrsam. Am 30. April 2026 bestätigte die syrische Regierung die Gefangenschaft.

Doch die Freude wich der Sorge, denn Zeugenaussagen zufolge wurden beide misshandelt, gar gefoltert. »Nun sind vier Monate seit der Verschleppung der beiden Journalist*nnen vergangen«, sagte Antonius Michelmann, der Bruder von Eva Michelmann, am Freitag. Es habe seitdem nur einen konsularischen Besuch der deutschen Botschaft bei seiner Schwester gegeben, kritisierte er. Das Auswärtige Amt habe gegenüber den Angehörigen vergangene Woche erklärt, man setze sich mit Hochdruck für sie ein.

Antonius und Rotraut Hake-Michelmann drängten darauf, dass sie ihre Schwester beziehungsweise Tochter endlich im Gefängnis besuchen können. Doch die Chancen stehen nicht gut. Roland Meister, Anwalt der Familie, berichtete, auf »dringliche Nachfragen« sei erklärt worden, man habe derzeit keine neuen Informationen. »Auch die Bitte, konsularisch-diplomatische Schutz- und Zugangsgarantien für die Anwälte Meister und Jener Sözen gegenüber der syrischen Regierung einzuholen, damit diese Eva Michelmann in Damaskus sicher besuchen können, wird von der syrischen Regierung ignoriert«, berichtete Meister.

Der Anwalt ging auch auf die Situation von Michelmann und Polad im Gefängnis ein. So berichtete eine syrische Journalistin, dass Michelmann gefoltert worden sei. Ein Mitgefangener von Polad, der bei einem Gefangenenaustausch freikam, berichtete, dass dieser verletzt sei. Die Inhaftierung der beiden widerspreche »grundlegenden Menschenrechten, zu deren Einhaltung sich auch das syrische Übergangsregime verpflichtet hat«, monierte Meister. Es erreichten ihn Stimmen von Kritiker*innen, die der Bundesregierung und dem Auswärtigen Amt vorwerfen, »von nachdrücklichen politischen Interventionen abzusehen« und Michelmann »in den Händen eines diktatorischen, aus islamistisch verbrämten Al-Qaida-Strukturen hervorgegangenen Sicherheitsregimes zu belassen, weil man diese Diktatur nicht verärgern will und an guten Beziehungen zu ihr interessiert ist, auch um Flüchtlinge nach Syrien abschieben zu können«, so der Anwalt.

Die Forderungen von Angehörigen und Anwält*innen sind klar. »Wir erwarten, dass die Bundesregierung, das Auswärtige Amt und die EU ihre Bemühungen für eine Freilassung deutlich und nachvollziehbar intensivieren«, sagte Meister. Dazu gehöre, dass »unverzüglich ein weiterer Besuch bei Eva Maria Michelmann unter Hinzuziehung einer unabhängigen Ärztin ermöglicht« werde und diplomatische Zusicherungen für die Einreise der Anwälte gegeben werden.

Antonius Michelmann ist indes zuversichtlich. »Der Fall meiner Schwester zieht enorme Kreise. Völlig unbekannte Menschen sprechen uns Mut zu und organisieren Unterstützung. So wurden Eva und Ahmet überhaupt erst gefunden«, sagte er. Viele von ihnen seien »fassungslos, dass weder eine deutsche Staatsbürgerschaft noch der Journalist*innenstatus ausreichen«, damit die Bundesregierung die Freilassung seiner Schwester durchsetze.

Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts beteuerte am Freitag unterdessen gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, die Bundesregierung setze sich »mit Hochdruck« für die Freilassung Michelmanns ein, seit sie von deren Inhaftierung erfahren habe. Die deutschen Botschaften in Beirut und Damaskus kümmerten sich weiter. Mit Blick auf den Schutz der Persönlichkeitsrechte könne sie keine weiteren Details nennen. Deutsche Vertreter hätten die 36-Jährige am 23. April erstmals im Gefängnis besuchen können. Peter Nowak