
Eine Musikbühne, mehrere Essenstände, Hüpfburgen für Kinder: Auf den ersten Blick würde man meinen, dass am Samstag in der Buttmannstraße in Wedding ein ganz normales Straßenfest stattfand. Doch die Feierlichkeiten hatten einen ernsten Hintergrund. Das Fest stand ganz im Zeichen des Antimilitarismus. »Buttmannstraßenfest – Keine Kriege nirgendswo« lautete das diesjährige Motto. Im Wedding ist das eine ganz konkrete Forderung. Unweit von der Buttmannstraße soll bald eine Rüstungsfirma …
… die Produktion aufnehmen. Dann sollen im ehemaligen Pierburgwerk, das über viele Jahre Autoersatzteile produziert hat, Munitionshülsen hergestellt werden. Denn mittlerweile ist das Werk Teil von Rheinmetall, einer der größten deutschen Rüstungsschmieden.
Die geplante Umwandlung des Werks sorgt schon länger für Proteste. Mehrere Demonstrationen fanden statt, eine Gruppe besetzte kurzzeitig das Dach der Fabrik. Auch auf dem Buttmannstraßenfest machten gleich mehrere Stände gegen die Rheinmetall-Pläne mobil.
Die Initiative »Mein Kiez für den Frieden«, an der die Stadtteilgruppen »Hände weg vom Wedding« und das »Stadtteilkomitee Wedding« beteiligt sind, sammelte Unterschriften für zehn Forderungen. »Keine Bundeswehrwerbung und -rekrutierung im Stadtteil« gehört ebenso dazu wie »Keine Waffenfabrik im Kiez« und ein Ende von Kürzungen und Sozialabbau.
»Sicherheit entsteht nicht durch Aufrüstung, sondern durch gute Bildung, eine funktionierende Gesundheitsversorgung, bezahlbare Wohnungen, soziale Gerechtigkeit und internationale Solidarität«, sagte Marc Seilheimer von der Initiative gegenüber »nd«. »Die Ressourcen, die für Militär und Kriegsvorbereitung ausgegeben werden, fehlen dort, wo sie heute das Leben der Menschen tatsächlich verbessern könnten.«
Bei den Nachbar*innen stieße man damit auf Zustimmung. »Wir richten uns an die Menschen, die im Wedding wohnen. Dabei fragen wir nicht nach Pässen oder dem Alter«, so Maja, die ebenfalls in der Initiative »Mein Kiez für den Frieden« aktiv ist. Damit unterscheide man sich von Petitionen oder Bürgerbegehren, an denen sich nur Wahlberechtigte beteiligen könnten.
Großen Absatz fanden am Samstag rote Wimpel mit der Aufschrift »Wedding gegen Waffenproduktion«, die am Stand verteilt wurden. »Wir haben schon fast 1000 dieser Wimpel verteilt und tatsächlich sieht man sie aus manchen Fenstern hängen«, sagte Maja. In den nächsten Tagen dürfte sich ihre Zahl erhöhen. Denn am 10. Juli beginnen die Aktionstage gegen die Waffenfabrik im Wedding. Bis zum 12. Juli soll es Diskussionen, Konzerte aber auch zahlreiche Protestaktomen gegen Rheinmetall im Wedding geben. In einem Zelt auf der zentralen Wiese im Humboldthain sollen auch Beschäftige verschiedener Branchen über den Widerstand gegen Militarisierung am Arbeitsplatz diskutierten. Am Samstag soll um 14 Uhr am S-Bahnhof Gesundbrunnen eine Demonstration unter dem Titel »Gemeinsam Kriege stoppen« beginnen.
Peter Nowak
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