Engagierte Medien abseits des Mainstreams gibt es zunehmend mehr. Sie sind hochinteressant, aber oft wenig bekannt. Deshalb stellt M in jeder gedruckten Ausgabe und auf M Online einige davon vor.

Schon entdeckt? Stichwort Bayer

In der nächsten Ausgabe von Stichwort Bayer: „Glyphosat als Chemie-Waffe. Momentan kommt es im Nahost-Krieg zum Einsatz. Und in Brasilien lassen Großgrundbesitzer*innen Glyphosat versprühen, um Indigene zu vertreiben und sich deren Land anzueignen.“

Über die Nähe zwischen US-Präsident Trump und dem Tech-Milliardär Elon Musk wird viel berichtet. Doch Musk ist nicht der Einzige, der den rechten Republikaner unterstützt hat. „Die Spenden des Bayer-Konzerns bei der
US-amerikanischen Präsidentschaftswahl flossen mehrheitlich dem republikanischen Lager zu. Der Leverkusener Multi erhofft sich von einer Regierung unter Donald Trump bessere Geschäfte, weniger Umweltauflagen und mehr Rechtsschutz in Sachen Glyphosat,“ schreibt Jan Pehrke in der aktuellen Ausgabe von …

… Stichwort BAYER, dem Magazin der Coordination gegen Bayer-Gefahren (CGB). Das Magazin Stichwort BAYER (SWB) erscheint vierteljährlich seit 1983. CGB ist ein Netzwerk von Aktivistinnen, das seit Ende der 1970er Jahre den Bayer-Konzern kritisch begleitet. In über 40 Jahren hat sich an der Herstellung der Publikation viel verändert. „Die erste Ausgabe wurde noch mit Schere und Kleber zusammengebastelt. „Klein und bescheiden ist er zwar, der erste Rundbrief, aber oho“ so lautete 1983 die Parole der ersten Ausgabe des Rundbriefs. Mittlerweile ist auch in der kleinen Düsseldorfer Redaktion längst moderne Technik eingezogen und alle Ausgaben wurden digitalisiert. Was sich aber seit über 40 Jahren bei Stichwort Bayer nicht geändert hat, ist die Überzeugung, dass der Kampf für eine saubere Umwelt für bessere Arbeitsbedingungen der Bayer-Beschäftigten zusammengehören. „Immer wieder berichteten wir über die Probleme der Kolleginnen, über die Arbeitsplatz-Vernichtung, Sexismus im Betrieb und über Tarifkämpfe“, sagt der Stichwort-BAYERRedakteur Jan Pehrke. Er verhehlt aber auch nicht, dass es in der Vergangenheit manche Konflikte mit den Vorständen der Gewerkschaft IGBCE gab. „Wir waren sehr enttäuscht, dass von der IGBCE keine kritischeren Worte zur Übernahme von MONSANTO durch BAYER oder zu Glyphosat kamen“, benennt Pehrke zwei Themen, die seit Jahren immer wieder bei Stichwort Bayer kritisch behandelt werden. Heute wird die Monsanto-Übernahme auch wegen der vielen Umweltklagen, die Bayer mit einkaufte, sogar konzernintern kritisch gesehen. Die von vielen Studien belegten Gesundheitsgefahren durch Glyphosat sorgen weltweit für Widerstand gegen dieses Pestizid. Für Hintergrundmaterial dazu ist das mittlerweile digitalisierte Archiv von Stichwort BAYER eine wahre Fundgrube. Die Zeitschrift hat seit ihrer Gründung eine transnationale Perspektive. „Mit Gewerkschafterinnen an den ausländischen Standorten kommt es immer wieder zu Kooperationen, wenn etwa Lohn-Kürzungen oder Werksschließungen anstehen“, so Pehrke. „Als der Konzern auf den Philippinen gezielt Gewerkschafterinnen rausschmiss, trug die CBG den Protest auf die Hauptversammlung von BAYER“, nennt der Journalist ein Beispiel für die internationale Solidarität. Obwohl eine solche Zeitung heute dringend gebraucht wird, ist ihre Perspektive ungewiss. „Gestiegene Lebenshaltungskosten und Lohnraub lassen unser Spendenaufkommen atemberaubend einbrechen, auf das wir existenziell angewiesen sind, da für unsere konzernkritische Arbeit keinerlei öffentliche Förderung zur Verfügung steht“, beschreibt Pehrke die finanzielle Situation des Magazins. Gleichzeitig hat Stichwort BAYER wie viele andere Medien mit steigenden Kosten für Recherche, Dokumentation, Druck und Postvertrieb zu kämpfen. Stichwort BAYER ist auf die Unterstützung der Leser*innen
angewiesen, die bereit sind, Geld für eine Zeitung auszugeben, die sich dem Kampf für gute Arbeitsplätze und für Klimagerechtigkeit seit 42 Jahren widmet.


https://www.cbgnetwork.org/

Peter Nowak