Punkt 18 Uhr begann am vergangenen Samstag das Kiezscheppern, zu dem Mieter/innen des Wohnblocks Leinestraße/Ecke Oderstraße aufgerufen haben.

Pears Global geht Shoppen im Schillerkiez

Tat­sächlich konnte man am Samstag auch sehen, dass nicht nur die Bewohner/​innen besser koope­rieren. So dürften viele Mieter/​innen des Häu­ser­blocks bisher wenig von der Kiez­kneipe Syn­dikat gehört haben. Die Pears Global hat sie zusam­men­ge­bracht. Daher ist sehr zu hoffen, dass auch bald wieder Demons­tra­tionen und Stra­ßen­feste möglich sind, um die Zusam­men­arbeit zu ver­bessern.

Eigentlich war für den 11. April im Stadtteil Neu­kölln eine Stadt­teil­de­mons­tration gegen die Ver­drängung von Kiez­kultur und Mieter/​innen geplant. Die wurde im Zeichen von Corona nach dem Infek­ti­ons­schutz­gesetz ver­boten. Trotzdem gab es in dem Stadtteil am ver­gan­genen Samstag Mieter/​innenproteste. Punkt 18 Uhr begann .…

.… das Kiez­scheppern, zu dem Mieter/​innen des Wohn­blocks Leinestraße/​Ecke Oder­straße auf­ge­rufen haben. Die ca. 320 Bewohner/​innen der knapp 160 Woh­nungen der beiden Gebäude hatten im Februar zufällig erfahren, wer zuge­schlagen hat. „Wie das Netzwerk Steu­er­ge­rech­tigkeit recher­chierte und uns aus ver­trau­lichen Quellen zuge­tragen wurde, handelt es sich bei dem Käufer wohl um eine Brief­kas­ten­firma in Luxemburg, hinter der die drei Mil­li­ar­därs­brüder Pears stehen. 

Die „Marie Luise S.à r.l.“ wurde ver­mutlich extra für den Zweck des Kaufs gegründet und gehört zu einem ver­zweigten Netzwerk an Firmen, mit dem die Eigen­tümer dahinter ihre Iden­tität ver­schleiern und vor allem Steuern sparen wollen.“ Nun ist die Pears Global im Schil­lerkiez berüchtigt. So ver­sucht eine ihrer Brief­kas­ten­firmen seit mehr als einem Jahr die Kiez­kneipe „Syn­dikat“ in der Wei­se­straße zu raumen. Eigentlich war die Zwangs­räumung für den 17. April ange­setzt. Der Termin wurde ange­sichts der Corona-Krise aus­ge­setzt, aber nicht auf­ge­hoben. Die Mit­glieder des Knei­pen­kol­lektivs des Syn­dikats haben mit der Recherche über ihren Eigen­tümer die bisher wenig bekannte Pears Global in den Fokus des Inter­esses gerückt. Mit Erfolg, wie sich bei der Coro­na­ge­rechten Pro­test­aktion der Mieter/​innen des Oder-Leine-Häu­ser­blocks zeigte. 

Neben der tem­po­rären Schep­per­aktion, hängen jetzt viele Trans­pa­rente aus den Fenstern der Gebäude, die sich gegen die Brief­kas­ten­firmen im All­ge­meinen und die Pears Global im Beson­deren richten. Tat­sächlich konnte man am Samstag auch sehen, dass nicht nur die Bewohner/​innen besser koope­rieren. So dürften viele Mieter/​innen des Häu­ser­blocks bisher wenig von der Kiez­kneipe Syn­dikat gehört haben. Die Pears Global hat sie zusam­men­ge­bracht. Daher ist sehr zu hoffen, dass auch bald wieder Demons­tra­tionen und Stra­ßen­feste möglich sind, um die Zusam­men­arbeit zu ver­bessern. Die Aktion vom ver­gan­genen Samstag macht aber deutlich, dass Pro­teste auch unter Corona-Not­stands­be­din­gungen möglich sind. 

Auch Mieter/​innen in der Man­teuf­fel­straße droht weiter Ver­treibung
Nicht nur die Mieter/​innen in Neu­kölln machen die Erfahrung, dass die Ver­drängung auch in der Corona-Krise wei­tergeht. So sind die Mieter/​innen der Man­teuf­fel­straße 105 und der Mus­kauer Straße 41 weiter bedroht (zum Artikel). Ihre For­derung, die am 20.4. endende Vor­ver­kaufs­frist zu ver­längern, sei bisher nicht umge­setzt worden, erklärte die Pres­se­spre­cherin der Mie­te­rIn­nen­ge­mein­schaft Linda Kokott gegenüber Mie­te­rEcho online. Zudem habe der Kreuz­berger Bezirks­stadtrat Florian Schmidt die Bewohner/​innen darüber infor­miert, dass der poten­tielle Käufer weder die Abwen­dungs­ver­ein­barung noch Zusatz­ver­ein­ba­rungen unter­zeichnen will. Peter Nowak

Peter Nowak