Eine Ausstellung in der nGbK erinnert an die linke Spielebewegung in den 1970'er Jahren. Auch eine Spielstadt wurde dafür nachgebaut.

Eine Spielutopie für Arbeiterkinder

Die Aus­stellung Spielclub ist noch bis zum 19. Januar 2020 in der NGbK, Ora­ni­en­straße 25 in 10999 Berlin zu sehen. Die Aus­stellung ist vom 22. Dezember bis zum 5. Januar geschlossen.

Die Spiel­etage in einer großen Halle in der Kulmer Straße 20 a in Schönberg exis­tierte nur zwi­schen 1970 und 1971. Doch sie hat viele Spuren hin­ter­lassen, die noch bis Mitte Januar in einer Aus­stellung in den Räumen der .….

.…. Neuen Gesell­schaft für bil­dende Kunst (nGbK) zu sehen sind. Laut Aus­stel­lungs­an­kün­digung errich­teten damals Künst­le­rInnen zusammen mit Kindern aus dem Kiez eine Spiel­stadt. Sie beinhaltete eine Bank, eine Bühne, ein Hotel, einen Groß­handel, einen Kin­der­garten, einen Waf­fel­stand, einen Foto­laden und einen Boxring. Wir könnten die Welt ein­richten, wenn wie wir nicht nur davon träumen, sondern auch über­legen, wie wir es zusammen tun werden“. Das war das Motto eines Plakats, mit den die AG Spiel­umwelt der nGbK für seine Arbeit mit Kindern aus pro­le­ta­ri­schen Kiezen warb.

Im vor­deren Teil der Aus­stellung, ist die Spiel­stadt erneut auf­gebaut. Im hin­teren Teil finden sich zahl­reiche Doku­mente und Filme der linken Spiel­e­be­wegung vor fast 50 Jahren. Neben der Kulmer Straße war das Mär­kische Viertel Ort der Akti­vi­täten des Spiel­clubs. Höhe­punkt war ein zehn­tä­giges Spielfest im Juni 1971 im Mär­ki­schen Viertel, von dem in der Aus­stellung neben Artikeln in Büchern und Zeit­schriften auch ein Film zu sehen ist. In beiden Kiezen gab es damals eine rege Arbeit von Stadtteil- in­itia­ti­ven.

Kritik an der Spielzeugindustrie

Das der Spielclub ein so schnelles Ende fand, lag an der feh­lenden Finan­zierung. „Innerhalb der nGbK kri­ti­sierte man das feh­lende künst­le­rische Konzept, andere ver­missten ein päd­ago­gi­sches Konzept“, beschreibt Valeria Fahrenkrog,eine der Kura­to­rinnen, die Kritik von ver­schie­denen Seiten.

Claudia Hummel hat als Teil der Arbeits­gruppe Spielclub in der nGbK die Aus­stellung kura­tiert. „Diese Arbeit ist heute weit­gehend ver­gessen. Noch unbe­kannter ist die linke Spie­le­arbeit aus den 1920 Jahren“, begründet Hummel im Gespräch mit der taz ihre Moti­vation. „Die Kinder waren für die 1968er eine Vision der Zukunft. Wenn es uns gelingt die Kinder zu erreichen, gelingt es uns die Gesell­schaft gestalten“, benennt Hummel den Impetus, der die Akti­vis­tInnen im AG Spielclub moti­vierte. Einen zen­tralen Stel­lenwert nahm die Kritik an der Spiel­zeug­industrie ein, der vor­ge­worfen wurde, die Kinder für ihre gesell­schaft­lichen Rollen zu kon­di­tio­nieren.

Die von den beiden Kura­to­rInnen gesam­melten Bücher und Zeit­schriften, die in der Aus­stellung ein­ge­sehen werden können, zeigen, dass die kurze Zeit des Spiel­clubs Nie­der­schlag in Kunst und Lite­ratur gefunden hat. Auch die Kinder erinnern sich noch gerne an die Spiele. Aber dass Erwachsene dabei waren, sei laut Hummel, den dama­ligen Prot­ago­nis­tInnen nicht bewusst gewesen. Zumindest erzählten sie in den Gesprächen mit den beiden Kura­to­rinnen nichts darüber.

Proteste fielen mau aus

Schon gar nichts ahnten sie von den linken Kon­zepten hinter dem Spielclub. Die Eltern waren froh, dass die Kinder in den betreuten Spielclub gingen und nicht mehr auf der Straße spielten. Als aller­dings die Spielclub-Akti­vis­tInnen wegen der aus­ste­henden Finan­zierung Pro­teste orga­ni­sieren und dazu eine Eltern­gruppe gründen wollten, sei die Resonanz gering gewesen, so Hummel.

Die Aus­stellung erinnert auch an zwei Per­sonen, die den Spielclub damals stark prägten. Neben der 2013 ver­stor­benen Göta Tel­lesch handelt es sich um den Maler Gernot Bubenik, der auch nach dem Ende des Spiel­clubs wei­terhin mit Kindern gear­beitet hat. Bubenik wird am 18. Januar in der nGbK zwi­schen 15 und 17 Uhr unter dem Motto Walk und Talk an einem Gespräch teil­nehmen. Peter Nowak

Erst­ver­öf­fent­li­chungsort:
https://taz.de/Ausstellung-in-Berlin/!5647247/