Am Mittwochabend trafen sich in Berlin die GegnerInnen des Internetkonzerns zur Kampagnenvorbereitung

Amazon ist kein guter Nachbar

Die Ber­liner Amazon-Kri­ti­ke­rInnen wollen sich New York zum Vorbild nehmen, wo Stadt­teil­ak­ti­vis­tInnen die Ansiedlung eines Amazon-Stand­ortes ver­hin­derten. „Der Konzern will schlechte Nach­richten ver­meiden und hat sich dann für einen Standort in einer anderen Stadt ent­schieden“, berichtete der Ver­treter von Make Amazon Pay, der die Pro­teste in den USA begleitete.

Ein 38stöckiges Hochhaus steht in unmit­tel­barer Nähe des S‑Bahnhofs War­schauer Brücke. Bisher handelt es sich noch um eine Simu­lation. Doch in wenigen Jahren könnte noch ein wei­teres Gebäude für Men­schen mit viel Ein­kommen Wirk­lichkeit werden. Unter dem Namen Edge East Side wird es schon in Immo­bi­li­en­kreisen beworben. Der Investor.…..

.…. Edge Tech­no­logies hat solche Hoch­häuser bereits in zahl­reichen euro­päi­schen Städten ent­wi­ckelt und will sich von der Politik mög­lichst wenig in die Pläne rein­reden lassen. Nachdem der Kreuz­berger Bau­stadtrat Florian Schmidt einen neuen Wett­bewerb für den 140 Meter hohen Turm ein­ge­fordert hat, reagierte der Gründer von Edge Tech­no­logies Coen van Oostrom höchst unge­halten. Man habe immer eng mit zustän­digen Behörden und den Ber­liner Senat zusam­men­ge­ar­beitet und das Bau­recht bekommen, erklärte von Oostrom. „Wie bei vielen anderen Nobel­pro­jekten hat der Ber­liner Senat in den letzten 20 Jahren in den unter­schied­lichen poli­ti­schen Kon­stel­la­tionen auch hier den Inves­toren den roten Teppich aus­ge­rollt“, erklärte am Mitt­woch­abend ein Ver­treter der Initiative Make Amazon Pay. Sie hat sich vor einigen Jahren gegründet, um Amazon-Beschäf­tigte bei ihrem Kampf um einen Tarif­vertrag außer­be­trieblich zu unter­stützen. Dass sich Make Amazon Pay nun auch gegen den geplanten Eight-Tower an der War­schauer Brücke enga­giert, liegt an den Mie­te­rInnen. Denn 28 der anvi­sierten 35 Etagen des Hoch­hauses sollen von Amazon bezogen werden. Dort sollen 3500 Arbeits­plätze ent­stehen. Dabei handelt es sich vor allem um gut bezahlte Pro­jek­te­ent­wick­le­rInnen. Die Befürchtung der Amazon-Kri­ti­ke­rInnen ist groß, dass die dann wie­derum in rela­tiver Nähe zu ihren Arbeits­plätzen teure Lofts beziehen werden, was zu einer wei­teren Auf­wertung des Stadt­teils bei­trägt 

Kon­stantin von der Kreuz­berger Stadt­teil­in­itiative Bizim Kiez nannte die Akti­vi­täten von Kon­zernen wie Amazon Web­techur­ba­nismus. Das bedeutet auch einen engen Schul­ter­schluss von Poli­ti­ke­rInnen und Tech­kon­zernen, die sich als modern, divers und öko­lo­gisch prä­sen­tieren. Zudem ver­schmelze in diesen Kon­zernen Freizeit und Lohn­arbeit immer mehr. Es gibt viele Wohl­fühl­zonen und Yoga für die Mit­ar­bei­te­rInnen, die in der Hier­archie weiter oben stehen. Dafür wird aber auch ver­langt, dass die Beschäf­tigten immer einen glück­lichen Ein­druck machen. Die Mehrzahl der schlecht­be­zahlten Arbeits­ver­hält­nisse, auf denen der digitale Kapi­ta­lismus basiert, werden in der Regel nicht erwähnt. 

Amazon-Kri­ti­ke­rInnen wollen sich New York als Vorbild nehmen

Die Ber­liner Amazon-Kri­ti­ke­rInnen wollen sich New York zum Vorbild nehmen, wo Stadt­teil­ak­ti­vis­tInnen die Ansiedlung eines Amazon-Stand­ortes ver­hin­derten. „Der Konzern will schlechte Nach­richten ver­meiden und hat sich dann für einen Standort in einer anderen Stadt ent­schieden“, berichtete der Ver­treter von Make Amazon Pay, der die Pro­teste in den USA begleitete. Die Grundlage des Erfolgs sei die Betei­ligung von Stadt­teil­ak­ti­vis­tInnen, aber auch durch eine kluge Bünd­nis­po­litik. Einer­seits habe man Teile der Demo­kra­ti­schen Partei in New York mit ins Boot geholt, ande­rer­seits sich auch von den Gruppen der außer­par­la­men­ta­ri­schen Linken nicht abge­grenzt. Ein ähn­liches Bünd­nis­konzept gab es bereits bei den zumindest vorerst erfolg­reichen Pro­testen gegen den Google-Campus in Kreuzberg. Daran wollen nun auch die Amazon-Kri­ti­ke­rInnen ansetzen. Gleich nach den theo­re­tisch hoch­wer­tigen Inputs ging es in am Mitt­woch­abend Arbeits­gruppen, wo kon­krete Akti­vi­täten geplant wurden. Denn die Akti­vis­tInnen wollen keine Zeit ver­lieren. Schließlich sind die Fun­da­mente für den Eight Tower schon gegossen. Im Februar 2020 sollen die Kräne an der Bau­stelle auf­ge­stellt werden. Bis dahin muss in einem Areal, der keinen Kiez­cha­rakter hat, mitten im Ber­liner Winter, eine kri­tische Öffent­lichkeit her­ge­stellt werden. Für den 21. Dezember ist ein Akti­onstag rund das Gelände geplant. Die kon­kreten Vor­be­rei­tungen sollen im Vetomat, einer Kul­tur­kneipe in der Wühlisch­straße 42 in Fried­rich­straße statt­finden. An den drei ersten Don­ners­tagen im Dezember treffen sich dort ab 19 Uhr die Amazon-Geg­ne­rInnen. Viel­leicht bleibt auch neben dem Akti­vismus Raum und Zeit für Reflektion theo­re­tische Aus­ein­an­der­set­zungen. Dazu ein aktu­eller Lesetipp* über die Kämpfe gegen Amazon, Uber und Co mit dem Schwer­punkt auf die USA.

*Katja Schwaller (Hg.) Technopolis.Urbane Kämpfe in der San Fran­cisco Bay Area. Asso­ziation A, Berlin 2019, 231 Seite, 19,80 Euro

Peter Nowak

Erst­ver­öf­fent­li­chungsort: