Initiative vermutet, dass türkische Sicherheitskräfte 22-Jährige gefangen halten

Verschwunden in Istanbul

»Wo ist Dallala?«, fragt daher eine linke Initiative, die mit einem Aufruf nach Anhalts­punkten über den Auf­ent­haltsort einer 22-Jäh­rigen sucht. Sie ist tür­kische Staats­bür­gerin, wurde in Sirnak in der Ost­türkei geboren und hat mehrere Jahre in Hamburg gelebt, wo sie zuletzt Jura stu­diert hat. Seit dem 22. Juli fehlt jedes Lebens­zeichen von ihr.

Der Frei­spruch des linken Jour­na­listen Max Zirngast in der Türkei ist auch die Folge einer mona­te­langen Kam­pagne für seine Frei­lassung in meh­reren Ländern. Doch es gibt poli­tische Gefangene in der Türkei, über die es kaum Infor­ma­tionen gibt. »Wo ist Dallala?«, fragt daher eine linke Initiative, die mit einem Aufruf nach Anhalts­punkten über den Auf­ent­haltsort einer .…

.…22-Jäh­rigen sucht. Sie ist tür­kische Staats­bür­gerin, wurde in Sirnak in der Ost­türkei geboren und hat mehrere Jahre in Hamburg gelebt, wo sie zuletzt Jura stu­diert hat. Seit dem 22. Juli fehlt jedes Lebens­zeichen von ihr. An diesem Tag wollte sie ihre Heimat besuchen; doch dort ist sie nie ange­kommen. Am Flug­hafen von Istanbul ver­liert sich ihre Spur. Seit diesem Tag sind ihre Accounts in den sozialen Medien gelöscht, ihre Kom­mu­ni­ka­ti­ons­geräte ist abge­schaltet.

Nachdem Freund*innen der Frau den mehr­spra­chigen Aufruf ver­öf­fent­lichten, hat sich ein Zeuge gemeldet. »Der Mann hat erklärt, er habe Dallala am 29. Juni 2019 am Flug­hafen von Istanbul in der Begleitung eines tür­ki­schen Poli­zisten und einer unbe­kannten Person gesehen«, berichtet Sami Baydar vom Unterstützer*innenkreis »Free Dallala« gegenüber »nd«.

Die Sorgen über den Ver­bleib der Frau sind auch deshalb berechtigt, weil sie im linken Volksrat der Aramäer*innen aktiv war. Die leben wie die Kurd*innen, nicht nur in der Türkei, sondern auch in den Nach­bar­ländern. In den letzten Jahren haben sich ara­mäische Orga­ni­sa­tionen mit sozia­lis­ti­scher Ziel­setzung gegründet, die auch über die Grenzen der Türkei hinweg aktiv sind und ins Visier der tür­ki­schen Repres­si­ons­organe geraten sind.

Die Unge­wissheit über Dallalas Schicksal ist für die Unterstützer*innen schwer zu ertragen. Sie befürchten, dass sie das gleiche Schicksal erleidet wie die linke tür­kische Jour­na­listin Ayten Öztürk. Sie war am 9. März 2018 am Flug­hafen von Beirut fest­ge­nommen und an die Türkei aus­ge­liefert worden. Fast sechs Monate war sie ver­schwunden. In dieser Zeit wurde sie in einem Spe­zi­al­ge­fängnis schwer gefoltert, unter anderem mit Elek­tro­schocks und Schein­hin­rich­tungen. Zu der kör­per­lichen Tortur kam die psy­chische Folter. Bei den Ver­neh­mungen wurde ihr immer wieder erklärt, dass sich in der Öffent­lichkeit niemand um sie kümmere, weil sie für tot gehalten werde. Erst nachdem Öztürks Ver­schwinden bekannt wurde, erfolgte eine Über­stellung in ein Gefängnis.

Baydar hofft, dass im Fall von Dallala die Öffent­lichkeit helfen wird, um ein Lebens­zeichen von ihr zu bekommen, und dass sie – sofern sie in der Türkei gefangen gehalten wird – in ein regu­läres Gefängnis über­führt

Peter Nowak