Nach langer Auseinandersetzung mit dem bundesrepublikanischen Asylsystem ist Asif N. freiwillig nach Afghanistan zurückgekehrt

In Deutschland unerwünscht

CSU-Innen­mi­nister Horst See­hofer und rechte Blogger*innen können feiern: Einem jungen Mann, der hier inte­griert war, Deutsch gelernt und hoch moti­viert seine beruf­liche Zukunft in der Bun­des­re­publik plante, wurde klar­ge­macht, dass er nicht erwünscht ist.

Eigentlich ist die frei­willige Rück­reise von Geflüch­teten aus Deutschland in ihre Hei­mat­länder Alltag. Doch die Meldung, dass der 22-jährige Asif N. schon vor knapp zwei Monaten in seine afgha­nische Heimat zurück­ge­kehrt ist, wurde jetzt von vielen Zei­tungen auf­ge­griffen. Denn der junge Mann stand am 31. Mai 2017 unfrei­willig im Fokus der Öffent­lichkeit. An jenem Tag sollte er.…

.…in das Land abge­schoben werden, das er als 13-Jäh­riger auf der Flucht vor den Taliban ver­lassen hatte.

Nach einer mehr­jäh­rigen Odyssee durch Iran, die Türkei und Grie­chenland kam N. im Dezember 2012 in Passau an, wurde fest­ge­nommen und landete in der Zen­tralen Auf­nah­me­ein­richtung für Asyl­be­werber in Zirndorf. Von dort kam er als unbe­glei­teter min­der­jäh­riger Flüchtling in das Kinder- und Jugendhaus Stapf in Nürnberg. 2013 wurde sein Asyl­antrag abge­lehnt. Er erhielt einen Dul­dungs­status, der 2017 auf­ge­hoben wurde.

Doch soli­da­rische Men­schen ver­hin­derten vor zwei Jahren seine Abschiebung mit einer Blo­ckade. An der Aktion hatten sich neben außer­par­la­men­ta­ri­schen Linken auch viele Mitschüler*innen von Asif N. eine Nürn­berger Berufs­schule beteiligt. Die Polizei ging mit Gum­mi­knüppeln und Pfef­fer­spray gegen die Pro­tes­tie­renden vor. Im Anschluss wurden einige der Betei­ligten zu Geld­strafen ver­ur­teilt, so auch N. selbst, der 100 Arbeits­stunden ableisten musste, weil er sich gegen seine Abschiebung gewehrt habe. Rechte Medien hetzten weiter gegen ihn. Ende ver­gan­gener Woche berich­teten mehrere Medien über Asifs Aus­reise im Juni. Die Kom­men­tar­funktion der »Nürn­berger Nach­richten« musste anschließend wegen zahl­reicher ras­sis­ti­scher Äuße­rungen gesperrt werden. Noch vor einem Jahr hatte Asif N. gegenüber Lokal­medien die Hoffnung geäußert, dass sein Asyl­fol­ge­antrag Erfolg hat und er in Deutschland seine Schrei­ner­lehre fort­setzen kann. »Ich möchte endlich etwas Sinn­volles tun«, erklärte er. Ein Jahr später hat er die Hoffnung auf eine Zukunft in Deutschland auf­ge­geben. »In Afgha­nistan stirbt man nur einmal. Weißt du, in Deutschland stirbt man jeden Tag«, habe Asif N. ihm unmit­telbar vor seiner Abreise gesagt, schreibt Seidl in der »taz«. CSU-Innen­mi­nister Horst See­hofer und rechte Blogger*innen können feiern: Einem jungen Mann, der hier inte­griert war, Deutsch gelernt und hoch moti­viert seine beruf­liche Zukunft in der Bun­des­re­publik plante, wurde klar­ge­macht, dass er nicht erwünscht ist.

»Wir haben Asifs Aus­reise auch des­wegen geheim gehalten, weil poten­zielle Ent­führer sonst seinen Auf­ent­haltsort kennen. Wie das Hotel in Kabul, in dem er vor zwei Monaten nach seinem stun­den­langen Flug unterkam. Das gleiche Hotel, in dem sich ein 23-jäh­riger Geflüch­teter nach seiner Abschiebung aus Deutschland vor knapp einem Jahr erhängt hatte«, schreibt der Schrift­steller Leonhard F. Seidl in der »taz«. Der Vor­sit­zende des Ver­bands der Schrift­stel­le­rinnen und Schrift­steller Mit­tel­franken gehörte vor zwei Jahren zu den Men­schen, die Asifs Abschiebung ver­hin­derten. Er geriet deshalb ins Visier der Polizei.

Peter Nowak