Dieses Kino wird bestreikt

Beschäftigte am Babylon in Mitte demonstrieren für Anpassungen ihrer Verträge

Weil ihre Ver­träge in zwei bezie­hungs­weise fünf Jahren nicht tarif­rechtlich ange­passt wurden, bestreiken Mit­ar­beiter das Kino Babylon.

»Dieses kom­munale Kino wird heute bestreikt. Darum bitten wir Sie, heute von einem Kino­besuch Abstand zu nehmen und die berech­tigen For­de­rungen der Beschäf­tigten nicht zu unter­laufen«, heißt es auf Pla­katen, die in den ver­gan­genen Tagen rund um das Kino Babylon am Rosa-Luxemburg Platz ver­teilt wurden. Ver­fasst wurden sie von der ver.di-Betriebsgruppe des Kinos Babylon. Sie fordert die Ver­bes­serung der Arbeits­be­din­gungen der 15 Kino­mit­ar­bei­te­rInnen. »Fünf Jahre Ver­zicht sind genug. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit«, steht auf einem Schild, den ein Strei­kender am Montag in die Höhe hält, als er mit einem Kino­be­sucher über den Arbeits­kampf dis­ku­tiert. »Im Dezember 2013 wurde mein Stun­denlohn nach einer For­derung des Senats auf 8,50 Euro tarif­ver­traglich ange­hoben. Seitdem gab es keine wei­teren Anpas­sungen«, erklärte der Mit­ar­beiter. Die Film­vor­führer hätten sogar seit fünf Jahren keine Gehalts­er­höhung bekommen.

Ver.di fordert die Über­nahme des Bun­des­ta­rif­ver­trages des Haupt­ver­bands Deut­scher Film­theater (HDF) für die Babylon-Beschäf­tigten. Außerdem soll es eine ver­bind­liche Min­dest­be­setzung während des lau­fenden Kino- und Ver­an­stal­tungs­pro­gramms geben, die auf die Besu­cher­zahlen abge­stimmt wird. Andreas Köhn vom ver.di-Landesbezirk Berlin-Bran­denburg betont, dass das Kino die For­de­rungen wirt­schaftlich tragen kann. »Schließlich sind die Ein­tritts­preise und die Ein­mietung in den letzten Jahren um teil­weise 20 Prozent gestiegen. Auch die Anzahl der Besucher hat sich deutlich erhöht.«

Zudem erhöhen sich auch die Sub­ven­tionen, die das Land Berlin jährlich an das Kino über­weist. Im Dop­pel­haushalt 2016/2017 sind 36 5000 Euro Zuschuss vor­ge­sehen. Bisher betrug der jähr­liche Zuschuss an das Kino 35 8000 Euro. Ver.di fordert nun vom Senat, die Aus­zahlung der Zuwen­dungen an die Umsetzung des bun­des­weiten HDF-Tarif­ver­trages zu koppeln. Der Geschäfts­führer der Neuen Babylon GmbH, Timothy Grossman, erklärte bei den zwei Ver­hand­lungs­ter­minen mit ver.di, aus eigenen Mitteln sei kein Spielraum für die Erfüllung der For­de­rungen. Gegenüber »nd« war Grossmann nicht zu einer Stel­lung­nahme bereit.

Bereits 2009 und 2010 war das Kino Babylon durch einen Arbeits­kampf über Berlin hinaus bekannt geworden. Damals wandten sich die Beschäf­tigten an die Basis­ge­werk­schaft Freie Arbeiter Union (FAU). »Der Arbeits­kampf machte damals deutlich, dass auch in pre­kären Ver­hält­nissen enga­gierte Arbeits­kämpfe möglich sind«, heißt es im Vorwort einer Bro­schüre über den Arbeits­kampf, die kürzlich vom FAU-Akti­visten Hansi Oos­tinga beim Verlag Syn­dikat A her­aus­ge­geben wurde. »Die Bro­schüre erinnert an den von heute aus gesehen doch sehr orga­ni­sierten und pro­fes­sio­nellen Arbeits­kampf«, sagt FAU-Mit­glied und Babylon-Betriebsrat Andreas Heinz dem »nd«. Auch den aktu­ellen Streik von ver.di unter­stützt die FAU aus­drücklich. Dabei waren die Bezie­hungen zwi­schen beiden Gewerk­schaften nicht immer die besten. Die FAU warf ver.di vor, mit Grossman einen Tarif­vertrag abge­schlossen zu haben, nachdem der der Basis­ge­werk­schaft ihre Tarif­fä­higkeit aberkennen wollte. Damals hatten sich in einen bun­des­weiten Soli­da­ri­täts­ko­mitee aller­dings auch Mit­glieder von DGB-Gewerk­schaften mit der FAU soli­da­ri­siert.

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Peter Nowak