Spenden für Szepansky

ERINNERUNG Gedenktafel für NS-Verfolgten und Antifaschisten in Kreuzberg zerstört

Eine Gedenk­tafel für den Ber­liner Wolfgang Sze­pansky haben Unbe­kannte in der Meth­fes­sel­straße 42 in Kreuzberg zer­stört. »Die Vor­ge­hens­weise deutet unseres Erachtens auf eine gezielte Tat unter Ver­wendung von Werk­zeugen hin«, erklärte Markus Ter­vooren, Geschäfts­führer der Ber­liner Ver­ei­nigung der Ver­folgten des Nazi­re­gimes – Bund der Anti­fa­schis­tinnen und Anti­fa­schisten e. V. (VVN-BdA), gegenüber der taz. Von der Zer­störung, die bereits vor einigen Tagen erfolgte, sei die VVN-BdA von einem Anwohner erst jetzt infor­miert worden, so Ter­vooren.

Die Gedenk­tafel war im August 2012 ange­bracht worden. Dafür hatten sich die VVN-BdA und die geschichts­po­li­tische Initiative Aktives Museum mehrere Jahre ein­ge­setzt und im Stadtteil viel Unter­stützung für das Enga­gement erhalten. Der Ort für die Gedenk­tafel erinnert an eine anti­fa­schis­tische Aktion des jungen Wolfgang Sze­pansky, die in Berlin für Auf­sehen sorgte.

Am 11. August 1933 hatte der damals 23-Jährige an die Haus­mauer der Meth­fes­sel­straße 42 die Parolen »Nieder mit Hitler! KPD lebt! Rot Front!« gepinselt. Er wurde ver­haftet und ins Colum­biahaus, das berüch­tigte Kon­zen­tra­ti­ons­lager Berlins am Tem­pel­hofer Feld, ein­ge­liefert.

Nach seiner Frei­lassung war Sze­pansky nach Holland emi­griert, wo ihn der Nazi­terror nach der deut­schen Besetzung ein­holte. 1940 wurde er an die Gestapo aus­ge­liefert und in das Kon­zen­tra­ti­ons­lager Sach­sen­hausen gebracht. Als Teil­nehmer der Todes­märsche, bei denen die SS in den letzten Tagen des Nazi­re­gimes im April 1945 KZ-Häft­linge durch Deutschland trieb, wurde Sze­pansky durch bri­tische Alli­ierte befreit.

Sofort nach dem Kriegsende betei­ligte er sich am Aufbau des anti­fa­schis­ti­schen Jugend­aus­schusses in Tem­pelhof. Sze­pansky arbeitete als Lehrer, wurde aber im Zuge der Kom­mu­nis­ten­ver­folgung des Kalten Krieges aus dem Ber­liner Schul­dienst ent­lassen. Bis zu seinem Tod 2008 enga­gierte er sich aktiv gegen alte und neue Nazis und begleitete anti­fa­schis­tische Stadt­rund­fahrten.

»Wir wollen die Gedenk­tafel so schnell wie möglich erneuern«, betonte Ter­vooren. Dafür sammle die VVN-BdA jetzt Spenden ein.

Peter Nowak

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