Querfront ohne linken Flügel

An die 800 Per­sonen haben in Berlin an einer ver­schwö­rungs­theo­re­ti­schen Kund­gebung „für den Frieden” teil­ge­nommen.

„Keine Blut­schuld mehr auf das deutsche Volk. Es reicht!“ und „Wir wollen als freie Men­schen in Deutschland leben“, lau­teten einige der Parolen auf den Trans­pa­renten, die auf am Sams­tag­nach­mittag in Berlin auf einen Stern­marsch getragen wurden, zu dem von Teilen der so genannten Mon­tags­mahn­wachen unter dem Motto „Deutschland raus aus dem Ukraine-Krieg“ mobi­li­siert worden war. Die Polizei spricht von knapp 800 Teil­nehmern.

In dem Aufruf wurde eine Quer­front für den Frieden pro­pa­giert: „Antifa, Pegida, Mahn­wache, Linke, Rechte, mar­schiert zusammen… ihr braucht Euch nicht zu lieben, ihr habt jetzt nur eine Bür­ger­pflicht: Denen da oben eine Grenze auf­zu­zeigen,“ hieß es dort. Der ein­schlägig bekannte Publizist Jürgen Elsässer, einer der beiden Haupt­redner bei der Abschluss­kund­gebung vor dem Reichstag, stellte seinen Beitrag unter das Motto „Von links bis rechts – gemeinsam für den Frieden“. Als Vorbild pro­pa­gierte er die neue grie­chische Regie­rungs­ko­alition zwi­schen der linken Syriza und der rechten Anel. Wie mehrere andere Redner erklärte auch Elsässer das Attentat auf Boris Nemzow in Moskau als False-Flag-Aktion west­licher Geheim­dienste zur Dis­kre­di­tierung des rus­si­schen Prä­si­denten.

„Amis raus aus Facebook“

Als wei­terer Haupt­redner trat mit Ste­phane Simon ein Mann auf, der seit Monaten einen Brü­cken­schlag zwi­schen den Frie­den­mahn­wachen und der Pegida-Bewegung pro­pa­giert. Der Dresdner Poli­tik­pro­fessor Werner Patzelt wertete Teile von Simons Rede auf einer Pegida-Kund­gebung in Dresden als Volks­ver­hetzung. Simon war in der Ver­gan­genheit auch bei einem wesentlich von extremen Rechten orga­ni­sierten Aufzug gegen den Bau einer Moschee in Leipzig auf­ge­treten. Zu den Teil­nehmern des Ber­liner Stern­mar­sches gehörte mit Karl Schmitt der Anmelder des Ber­liner Pegida-Ablegers Bärgida, der auch häufig bei Ver­an­stal­tungen der Rechts­po­pu­lis­ten­truppe „pro-Deutschland“ auf­tritt. Aus dem Pegida-Rahmen fiel eine Red­nerin, die in Berlin die ira­nische Revo­lution und Aya­tollah Khomeni in höchsten Tönen lobte.

Während Jürgen Elsässer auf seiner Homepage von einem gelun­genen Früh­jahrs­start der Frie­dens­mahn­wa­chen­be­wegung schreibt, äußerten sich andere Teil­nehmer ent­täuscht über die schwache Betei­ligung. Sie hatten aber dafür eine Erklärung parat, die dem Publikum ein­leuchtete. Die Zensur durch Facebook habe die Mobi­li­sierung geschwächt und dahinter stecken natürlich die USA respektive die Amis. Einige Teil­nehmer skan­dierten nach der häufig geru­fenen Parole „Ami go home“ auch „Amis raus aus Facebook“.

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Peter Nowak