Angestellte des Sana-Klinikums in Lichtenberg fordern mehr Lohn und Entlastung

Sana-Klinikum Berlin: »Wir geben 110 Prozent – ihr nicht mal 8,6«

»Die Beschäftigten leisten schon genug, viele müssen in Teilzeit gehen, weil sie den Druck einer Vollzeitstelle und das ständige Einspringen nicht aushalten", sagt Verdi-Vorstandsmitglied Sylvia Bühler. Es gebe Abteilungen, »die zerfallen, weil die Beschäftigten kündigen oder innerlich resignieren«, beschreibt Pfleger Rolf Meier gegenüber »nd« die Situation in der Sana-Klinik

»Heute ist kein Arbeitstag – heute ist Streiktag«, schallt es am Mittwochmittag durch die Frankfurter Allee. Rund 250 Beschäftigte des Sana-Klinikums Lichtenberg demonstrieren im Rahmen ihres …

 … Warnstreiks. Die meisten tragen die gelben Verdi-Westen. Viele haben auf selbstgemalten Schildern ihre Forderungen und Anliegen formuliert: »Ohne uns keine Pillen« steht auf dem Schild einer Pflegerin. »Wir halten Hände und Kinder – keine Geburt ohne Hebamme« steht auf einer großen Pappe. »Hier zeigt sich auch, wie notwendig das Sana-Klinikum Lichtenberg für die Bewohner*innen des Stadtteils ist«, sagt Lisa vom »Café Wostock«, einem Treffpunkt des Stadtteilkomitees Lichtenberg. »Hier gehen wir hin, wenn wir uns bei Glatteis einen Knöchel brechen oder Gesundheitsprobleme haben«. Dafür bekommt sie von den Streikenden viel Applaus. Wir geben 110 Prozent – ihr nicht mal 8,6 Prozent«, steht auf einem Plakat, das drei Auszubildende tragen. Damit machen sie darauf aufmerksam, dass sie in ihrer Arbeit völlig überlastet sind und der Sana-Konzern bisher nicht auf die Forderung nach 8,6 Prozent mehr Lohn eingegangen ist. Stattdessen habe der Konzern Anfang Februar auf flexiblere Arbeitszeiten und Mehrleistung gedrängt. »Die Beschäftigten leisten schon genug, viele müssen in Teilzeit gehen, weil sie den Druck einer Vollzeitstelle und das ständige Einspringen nicht aushalten«, moniert Verdi-Bundesvorstandsmitglied Sylvia Bühler das Verhalten von Sana. Auf einer Zwischenkundgebung berichten die Beschäftigten Alicia und Pierre über die Belastungen in ihrem Arbeitsalltag. Pierre empört sich besonders, dass der Sana-Konzern behauptet, der Streik werde auf dem Rücken der Patient*innen ausgetragen. »Wir sind gezwungen zu streiken, denn nicht die Patient*innen, sondern der Konzern ist für unseren Lohn verantwortlich«, sagt er.

Rolf Meier, der als Pfleger auf der internistischen Abteilung arbeitet, berichtet davon, dass er nachts oft nicht wisse, welche Patient*innen er zuerst betreuen soll. Er stellt auch die Frage: »Wie wollen wir arbeiten? Dabei geht es nicht nur um mehr Lohn, sondern auch um den Personalschlüssel.« Es gebe Abteilungen, »die zerfallen, weil die Beschäftigten kündigen oder innerlich resignieren«, beschreibt Meier gegenüber »nd« die Situation in der Klinik. Bereits im Juni 2024 legten die Beschäftigten der Sana-Kliniken für zwei Tage die Arbeit nieder und forderten neben höheren Löhnen auch eine spürbare Entlastung durch Einstellung von zusätzlichem Personal. Anders als vor zwei Jahren habe man sich beim derzeitigen Warnstreik mit dem Sana-Konzern schnell über den Notdienst einigen können, betont Meier.

Kein Verständnis zeigten die Beschäftigten für das Argument des Sana-Konzerns, dass das Geld für die Umsetzung der Forderungen der Beschäftigten fehle. Sie erinnern daran, dass die Sana-Kliniken-AG einen Milliardenumsatz macht. Eigentümer der AG sind 24 private Krankenversicherungen. Zurzeit verhandelt die AG über die Übernahme der Parkkliniken Weißensee.

Der Warnstreik der Lichtenberger Klinik geht am kommenden Mittwoch weiter. Ab 9.30 Uhr wollen die Beschäftigten die zweite Tarifrunde mit einer Kundgebung vor der Verdi-Bundesverwaltung in Berlin lautstark begleiten.

Peter Nowak