Solidarität mit von Zwangsräumung bedrohten Mieter*innen in Barcelona und mit der Gewerkschaft der Hotelbeschäftigten Las Kellys

Transnationale Proteste gegen Blackstone

Eine Zwangs­räumung droht auch 10 Familien im Stadtteil Raval in Bar­celona, dar­unter sind Rentner/​innen, die seit vielen Jahren in den Häusern wohnen.

Einige junge Tourist/​innen aus Spanien waren erstaunt, als sie am 11. Juli am Ber­liner Gen­dar­men­markt eine Gruppe von Men­schen sahen, die Schilder mit der Auf­schrift „Stop des­a­hucios“ trugen. Es ist das spa­nische Wort für Zwangs­räumung und wurde nach der Krise in Spanien zum Schrecken für…

.… viele zig­tausend Men­schen, die aus ihren Woh­nungen geworfen wurden. Viele hatten für den Kauf einer Eigen­tums­wohnung Hypo­theken bei Banken auf­ge­nommen, ver­loren in der Krise ihre Arbeit und konnten die Kredite nicht mehr bedienen. Darauf begann eine Welle von Zwangs­räu­mungen in ganz Spanien, die auch zur Poli­ti­sierung vieler Men­schen bei­trugen. Die Plattform für Hypo­the­ken­be­troffene (PAH), in der sich viele Tau­sende von Zwangs­räumung bedrohter Men­schen orga­ni­sierten, wurde zu einer der wich­tigsten zivil­ge­sell­schaft­lichen Orga­ni­sa­tionen in Spanien in den Jahren der Krise. Es gelang durch die Pro­teste Räu­mungen zu ver­hindern, doch sie wurden nie gestoppt. Dafür konnte auch die 2014 ins Amt gewählte Bür­ger­meis­terin von Bar­celona, Ada Colau, nicht ver­hindern, die vorher in der PAH aktiv war. 

Soli­da­rität mit Las Kellys
Eine Zwangs­räumung droht auch 10 Familien im Stadtteil Raval in Bar­celona, dar­unter sind Rentner/​innen, die seit vielen Jahren in den Häusern wohnen. Für diese Zwangs­räumung ist Black­stone ver­ant­wortlich, einer der weltweit größten Immo­bi­li­en­fonds. In Berlin gehören Black­stone min­destens 2500 Woh­nungen, außerdem hält der Fond einen Anteil von 40 % an der Hotel­kette Hilton. Daher meldete das Ber­liner Bündnis gegen Zwangs­räumung am Don­ners­tag­nach­mittag die Pro­test­kund­gebung vor dem Hilton-Hotel am Gen­dar­men­markt an. Auch einige Mit­glieder der »Grupo de accion sin­di­cales (Gas)« hatten die Kund­gebung mit vor­be­reitet. Es handelt es sich um Men­schen, die vor mehr als zehn Jahren während der Krise von Spanien nach Deutschland kamen und sich hier poli­ti­sierten. „In der ersten Zeit kon­zen­trierten wir unsere Arbeit vor allem auf Rechts­be­ratung für die Spanier/​innen in Berlin. Doch das machen mitt­ler­weile auch die DGB-Gewerk­schaften. Jetzt richten wir unseren Fokus auf den Kampf gegen prekäre Arbeits­be­din­gungen in der Ber­liner Gas­tro­nomie, weil dort viele Spanier/​innen arbeiten“, erklärte ein Aktivist gegenüber Mie­te­rEcho online. Die Gruppe wird Fotos vom Ber­liner Protest auch an die spa­nische Orga­ni­sation „Las Kellys“ wei­ter­leiten, in der das Hotel­per­sonal für bessere Arbeits­be­din­gungen kämpft. Die über­wie­gende Mehrheit der ca. 3000 Mit­glieder sind Frauen, die die Hotel­zimmer rei­nigen. Die Prä­si­dentin der »Las Kellys«, die 40-jährige, aus Uruguay stam­mende Myriam Barros wurde im März 2019 auf der Inter­na­tio­nalen Tou­rismus-Börse (ITB) in Berlin mit dem To Do Award Human Rights in Tourism aus­ge­zeichnet. Einen Award konnten die Pro­tes­tie­renden am Don­nerstag nicht ver­leihen, aber Grüße mit den Pro­test­fotos sehr wohl. „Wir wollen mit dieser Pro­test­aktion zeigen, dass der Kampf um eine Wohnung und der Kampf für die Ver­bes­serung der Arbeits­be­din­gungen zusam­men­ge­hören und dass dieser Kampf keine Län­der­grenzen kennt“, erklärte Tim Riedel vom Bündnis gegen Zwangs­räumung in Berlin. 

Peter Nowak