Carewalk feiert Pflege und kritisiert die Arbeitsverhältnisse

Forderungen nach besserer Pflege

Beschäf­tigte demons­trieren in meh­reren Städten

»Wir sind hier und wir sind laut, weil man uns die Pflege klaut«, rief die Gruppe junger Men­schen am Sonn­tag­nach­mittag am Ber­liner Inva­li­den­platz. Dort startete um 14.30 Uhr der Walk of Care, eine Parade von Beschäf­tigten der Pfle­ge­berufe. Passant*innen blieben stehen und stimmten teil­weise in die Sprech­chöre ein. Andere winkten und liefen ein Stück des Weges mit. Die Ansprache der Men­schen am Stra­ßenrand ist ein wich­tiges Anliegen des Walk of Care. Etwa 1000 Men­schen hatten sich am Auf­takt­platz in der Nähe der Charité ein­ge­funden. Seit zwei Jahren gehen am 12. Mai in ver­schie­denen Städten in Deutschland Beschäf­tigte aus Pfle­ge­be­rufen auf die Straße. Anlass ist der.…

.…Inter­na­tionale Tag der Pflege, der seit 1967 in vielen Ländern mit Stra­ßen­um­zügen und Stra­ßen­festen gefeiert wird. Das Datum wurde gewählt, weil es der Geburtstag der bri­ti­schen Kran­ken­schwester Flo­rence Nigh­tingale ist, die als Pio­nierin der modernen Kran­ken­pflege gilt.

Seit meh­reren Jahren sind die Feiern zum Fest der Pflege poli­ti­scher geworden. For­de­rungen nach mehr und gut aus­ge­bil­detem Per­sonal und einem bes­seren Per­so­nal­schlüssel sowie eine bessere Bezahlung prägten den Umzug in Berlin. Man habe sich um eine gute Mischung aus Politik und Spaß bemüht, betonte Kurt Reuter von der Pres­se­gruppe des Ber­liner Walk of Care gegenüber »nd«. Doch ange­sichts der vielen Miss­stände im Pfle­ge­be­reich sei es gar nicht möglich, die poli­ti­schen Themen raus­zu­halten.

Das zeigte sich am Ort der Auf­takt­kund­gebung. Die Charité war in den letzten Monaten zum Ort viel­fäl­tiger Pro­teste von unter­schied­lichen Beschäf­tigten geworden. Es gab Demons­tra­tionen und Streiks, die von Initia­tiven außerhalb der Klinik unter­stützt wurden. Dazu gehört auch das femi­nis­tische Netzwerk Care Revo­lution, das sich seit meh­reren Jahren für eine Auf­wertung der Care-Arbeit ein­setzt. Eine Ver­tre­terin dieses Bünd­nisses gehörte ebenso zu den Redner*innen auf dem Walk of Care wie Vertreter*innen, der Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft ver.di, bei der viele der Beschäf­tigten, die sich für Ver­bes­se­rungen ihrer Arbeits­ver­hält­nisse ein­setzen, orga­ni­siert sind. Die Idee für den Walk of Care sei den aktiven Beschäf­tigten, die sich im Ber­liner Pfle­ge­stamm­tisch zusam­men­ge­schlossen haben, vor drei Jahren gekommen. Man habe sich von den Care Walks in anderen Ländern wie Belgien inspi­rieren lassen. Dort gehen Pfle­ge­be­schäf­tigte schon seit Jahren auf die Straße, um ihren Beruf zu feiern. Peter Nowak

Wie in den letzten beiden Jahren lag auch 2019 der Schwer­punkt des Walk of Care in Berlin. Doch auch in Aachen, Hamburg, Stuttgart und Dresden sind Men­schen aus Pfle­ge­be­rufen auf die Straße gegangen. Als Ursache für den mas­siven Per­so­nal­mangel sieht das Dresdner Bündnis die zuneh­mende Öko­no­mi­sierung des Gesund­heits­wesens und der Alten­pflege. »Wir fordern, dass die Finan­zie­rungs­systeme geändert werden in der Politik«, so Ben­jamin Ludwig, ehe­ma­liger Kran­ken­pfleger. In Stuttgart wurde mit der Parole »Pflege macht sich stark« geworben. Auch dort betei­ligten sich neben Per­sonal aus der Pfle­ge­branche Unterstützer*innen.