Mietrebellen auf der Leinwand

Ein neuer Film zeigt den Protest der letzten Jahre

Bis auf den letzten Platz war das Ber­liner Kino Movie­mento gefüllt. Dort hatte am ver­gan­genen Sonntag der Film «Mietre­bellen» Pre­mière. Viele der Prot­ago­nisten saßen im Publikum. Der 75-minütige Film liefert eine Über­sicht der ver­gan­genen zwei Jahre stadt­po­li­ti­schen Pro­tests und Wider­stands in Berlin. Er beginnt mit einer trau­rigen Szene. Sie zeigt die Beer­digung von Rose­marie Fliess. Die 67-Jährige Rent­nerin war im April 2013 gestorben, wenige Tage nachdem sie aus ihrer Wohnung zwangs­ge­räumt wurde. Im Film erklärt sie wenige Tage vor ihrem Tod: «Ich bin ein Opfer der Zwangs­räumung. Der Tod von Rose­marie Fliess hat kurz­zeitig viele Men­schen erschüttert und die Dis­kussion über ein Zwangs­räu­mungs­mo­ra­torium zumindest für ältere und kranke Mieter angeregt.

Doch davon ist längst nicht mehr die Rede. Auch in Berlin werden täglich Men­schen gegen ihren Willen aus ihren Woh­nungen geräumt. Die Zahl derer, die sich dagegen wehren und an die Öffent­lichkeit gehen, wächst langsam. Ihnen soll der Film Mut machen, was Gertrud Schulte Wes­tenberg und Mat­thias Coers gelungen ist. Die beiden Film­re­gis­seure machen deutlich, dass sie auf Seiten der Mietre­bellen stehen. Daher gelingt ihnen ein sen­sibles Porträt der Men­schen, die sich an ver­schie­denen Orten der Stadt gegen Ver­treibung wehren.

Die ver­rentete Gewerk­schaf­terin Nuriye Cengiz, die um den Ver­bleib in ihrer roll­stuhl­ge­rechten Wohnung in Kreuzberg kämpfte, hat im Film ebenso ihren Platz wie die »Pali­sa­den­panther« und die Initiative »Stille Straße«. Diese beiden Senio­ren­gruppen aus Fried­richshain und Pankow wurden über Deutschland hinaus bekannt, weil sie sich erfolg­reich gegen ihre Ver­drängung wehrten. Am Schluss des Films bezeichnet ein Aktivist die aktuelle Dis­kussion um die Miet­preis­bremse als eine Reaktion auf die Pro­teste. Regisseur Mattias Coers sieht darin eher ein Placebo. »Jedem, der sich mit dem Woh­nungs­markt kri­tisch aus­ein­an­der­setzt, wird klar, dass die neuen Rege­lungen der soge­nannten Miet­preis­bremse schon von der Wahl der Begriff­lichkeit her in erster Linie dazu gedacht sind, die Bevöl­kerung zu beru­higen.«

Damit das nicht gelingt und die Pro­teste wei­ter­gehen, liefert der kurz­weilige Film neben Ermu­tigung auch Anre­gungen. So wird im Film gezeigt, wie Akti­visten im Schen­kendorf im Umland von Berlin auf Spu­ren­suche begaben. Dort hatte einer der Immo­bi­li­en­händler, der die Zwangs­räu­mungen von Woh­nungen in Berlin vor­an­trieb, ein altes Schloss gekauft. Es steht seitdem leer und ver­fällt. Mehrere Dorf­be­wohner wollen das Schloss wieder der Öffent­lichkeit zugänglich machen.

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Peter Nowak


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