Der Alternative Westfälische Friedens­preis geht an Connection, einen Verein, der sich für die Rechte von Kriegs­dienst­verweigerern einsetzt.

Connection e.V.: Der alternative Preisträger

Verliehen werden soll der Preis am 25. September im Rathaus von Münster. Nur wenige Tage später, am 1. Oktober, soll Nato-Generalsekretär Mark Rutte den offiziellen Westfälischen Friedenspreis am gleichen Ort entgegennehmen. Der Kontrast könnte nicht größer sein und sorgt auch in Münster schon für Aufregung. »Gegen die Nato-Auszeichnung wird es sicher Proteste gegen«, sagt Bernd Drücke von der gewaltfrei-anarchistischen Monatszeitung »Graswurzelrevolution«, die ihre Redaktion in Münster hat.

Der Westfälische Frieden beendete 1648 den Dreißigjährigen Krieg, der große Teile des heutigen Deutschland verwüstete. Vor allem in Münster und Osnabrück ist der Vertragsabschluss vor über 375 Jahren zu einem Symbol geworden, auch heute für Frieden und Abrüstung in aller Welt einzutreten. Daher war bei vielen Menschen die Empörung groß, dass der Westfälische Friedenspreis dieses Jahr …

…  an die Nato vergeben werden soll. Aus Protest gründete sich ein Verein für einen Alternativen Friedenspreis. In der Jury sind unter anderem Juliane Hauschulz vom Vorstand der Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN), die langjährige Leiterin des Fachbereichs Kultur der Stadt Osnabrück Dagmar von Kathen, die Friedensaktivistin Carla Pesch und der Publizist Heribert Prantl vertreten. Der Preisträger des ersten Alternativen Westfälischen Friedenspreises wurde nun bekannt gegeben – es ist der Verein Connection e.V., der sich für die Rechte von Kriegs- und Wehrdienstverweigerern in aller Welt einsetzt.

Der Jury-Vorsitzende und Historiker Alfons Kenkmann bezeichnete die Entscheidung als klaren Kontrapunkt zum offiziellen Träger des diesjährigen Westfälischen Friedenspreises: »Die Nato hat sich zuletzt nicht durch diplomatische Initiativen hervorgetan.« Das Netzwerk Connection e.V. bringe hingegen die Perspektive von Kriegsdienstverweiger*innen und Deserteur*innen in die »oft einseitig militärisch geprägte Debatte ein«, betonte Kenkmann.

Ein aktuelles Beispiel für eine solche militärisch geprägte Debatte sind die Pläne der EU-Kommission, den Schutzstatus für ukrainische Männer im Alter von 23 bis 60 Jahren zu beenden. Dafür ist noch die Zustimmung aller EU-Mitglieder nötig.

Deutschland hat die Pläne schon abgesegnet. Die Umsetzung würde bedeuten, dass viele Männer, die sich bisher dem Krieg und den oft brutalen Rekrutierungsmethoden in der Ukraine entzogen haben, auf das Schlachtfeld und unter Umständen in den Tod geschickt werden. 

Der 1993 in Offenbach gegründete Verein Connection e.V. hingegen hat immer wieder die Rechte der Menschen betont, die sich auf allen Seiten dem Kriegsdienst entziehen oder aus dem Militär desertieren. Kein Staat auf der Welt hat das Recht, Menschen gegen ihren Willen zum Militär zu zwingen, so das Credo von Connection.

»Wir freuen uns sehr über diese Anerkennung und Unterstützung unserer Arbeit – besonders in Zeiten des internen Umbruchs nach dem Tod unseres langjährigen Geschäftsführers Rudi Friedrich«, erklärt der stellvertretende Vereinsvorsitzende Thomas Stiefel gegenüber »nd«. Erst vor Kurzem habe man die erste Geschäftsführerin eingestellt.

Der Preis ist neben der Würdigung der über 30-jährigen Arbeit des Vereins für die Rechte der Menschen, die sich Krieg und Militarismus entziehen wollen, auch eine materielle Unterstützung von Connection. Das Preisgeld beträgt 10 000 Euro. »Das können wir in unserer Arbeit gut einsetzen«, betont Stiefel. Verliehen werden soll der Preis am 25. September im Rathaus von Münster.

Nur wenige Tage später, am 1. Oktober, soll Nato-Generalsekretär Mark Rutte den offiziellen Westfälischen Friedenspreis am gleichen Ort entgegennehmen. Der Kontrast könnte nicht größer sein und sorgt auch in Münster schon für Aufregung. »Gegen die Nato-Auszeichnung wird es sicher Proteste gegen«, sagt Bernd Drücke von der gewaltfrei-anarchistischen Monatszeitung »Graswurzelrevolution«, die ihre Redaktion in Münster hat. Drücke erinnert daran, dass es in der Universitätsstadt viele Jahre massive Proteste gegen öffentliche Bundeswehrgelöbnisse gab. Peter Nowak