
Wer am Wochenende im Wendland-Dörfchen Meuchefitz zu den Rebell*innen wollte, musste sich auf die Suche machen. An der Bushaltestelle Küsten – Meuchefitz ist ein Ortsteil dieser Gemeinde – gab es kein Plakat und auch sonst keinen Hinweis darauf, dass sich zwei Kilometer weiter Linke aus der ganzen Republik und auch aus dem Ausland treffen wollten. Der Ort und das Gasthaus Meuchefitz sind gleichwohl in der Region und darüber hinaus …
… seit der Anti-AKW-Bewegung der späten 70er Jahre als Zentrum des linken Widerstands bekannt. Noch lange danach blickte die Republik auf Gorleben, wenn Atommülltransporte gegen den Widerstand vieler Menschen von der Polizei durchgeprügelt wurden. Später wurde es ruhiger um Gorleben und das Wendland. Doch in der Region sind immer noch vielfach die bekannten Symbole gegen Atomkraft und Atommülllagerung zu sehen. Vom 6. bis 10. August fand in Meuchefitz das »Rebellische Treffen« unter dem poetischen Motto »El Común – Solidarisch durch den Sturm« statt. Rund 150 Menschen hatten sich in dem Dorf zusammengefunden. Das Tagungsmotto ist an einen Aufruf der Zapatisten in Mexiko an ihre Freunde in aller Welt angelehnt: »Der Sturm kommt. Tut euch zusammen da, wo ihr lebt. Organisiert euch!« Mit dem Sturm sind im Fall des »Rebellischen Treffens« die Offensive der Rechten, die neuen Kriege in aller Welt, aber auch die durch die kapitalistische Lebensweise verursachte Klimakrise gemeint. An Infotischen gab es Material über den Kampf gegen die Kriegsvorbereitungen auch in Deutschland. So rufen antimilitaristische Gruppen bereits jetzt zu Protesten gegen die Rüstungsmesse Defence & Security Equipment International (DSEI) Germany auf, die im März 2027 in Hannover stattfinden soll.
Die Referenz zum Aufstand der Zapatistas in Mexiko ab 1994 kommt nicht von ungefähr. Er inspirierte und mobilisierte seinerzeit junge Linke in aller Welt, denn er zeigte, dass grundsätzlicher Widerstand auch im Kapitalismus Erfolg haben kann. Es gründeten sich in vielen Städten zapatistische Netzwerke, die auch neue Politikformen ausprobierten. Der Grundsatz »Fragend schreiten wir voran« wurde zum Leitmotiv einer neun Linken.
Das »Rebellische Treffen« im Wendland nahm darauf Bezug. Organisiert wurde es von Netzwerken, die für verschiedene Generationen der zapatistisch inspirierten Linken stehen: vom Ya Basta Netz, das auch seinen 30. Geburtstag feierte, und vom erst 2021 gegründeten Netz der Rebellion. Es steht für eine »Reise für das Leben«, die in jenem Jahr 170 Zapatist*innen absolvierten. Hier sind Menschen vereinigt, die die einzelnen Stationen der Reise vor fünf Jahren mit vorbereiteten.
Auch das Netzwerk Wald statt Asphalt, das Teil der Klima- und Umweltbewegung ist, hatte zum Treffen eingeladen. Gut vertreten waren zudem Aktivist*innen vom ehemaligen Infoladen Bankrott, die in Münster in den 90er Jahren eine wichtige Rolle beim Aufbau eines zapatistischen Netzwerkes spielten. Auf dem Treffen informierten sie über die aktuelle Situation der zapatistischen Bewegung in Mexiko. Auch über Möglichkeiten der weiteren Solidarität mit der zapatistischen Bewegung wurde intensiv diskutiert. Als am Samstagabend bekannt wurde, dass in Mexiko Mitglieder des zapatistischen Netzwerkes verhaftet wurden, verfassten Teilnehmende des Treffens spontan eine Solidaritätserklärung, die mit großer Mehrheit beschlossen wurde.
Anders als bei vielen anderen linken Treffen in Deutschland spielte die Positionierung zu den Kriegen im Nahen Osten keine große Rolle in dem Sinne, dass gegensätzliche Haltungen aufeinandergeprallt wären. Hier wurde vielmehr zugehört, in solidarischem Ton argumentiert und nachgefragt. Teil des Treffens waren auch Arbeitseinsätze zur Unterstützung der vielfältigen linken Projekte im Wendland. Peter Nowak