
Christopher T. äußerte in seinem Beitrag auch die Hoffnung, …
… dass der Marsch ein starkes Zeichen setzt und mehr Kolleginnen am Flughafen sich der Kritik an den Rüstungstransporten anschließen. „Wir können uns nicht darauf verlassen, dass DHL auf eigenes Bestreben auf Rüstung verzichten wird“, betonte er. Schließlich seien für den Konzern Rüstungsaufträge ein Geschäft wie jedes andere. Der Kollege beendete seine Rede mit den beiden Slogans „Arbeiter schießen nicht auf Arbeiter“ und „Kein Transport für Völkermord“. Von den Demonstrantinnen wurde der Beitrag mit viel Applaus aufgenommen und auf zahlreichen sozialen Netzwerken geteilt.
Erst freigestellt dann entlassen
Doch nicht allen passte der rüstungskritische Beitrag des Kollegen. Für Christopher T. hatte sein kurzer Redebeitrag gravierende Folgen. DHL hat ihn freigestellt. Seitdem durfte er den Betrieb nicht betreten und hat circa ein Viertel seines Lohns verloren. Wenige Tage später wurde Christopher T. dann gekündigt. Seine Rede bereut er trotzdem nicht. Es gäbe auch mehr Kolleg*innen, die kritisch über die Aufrüstung und Militarisierung denken, betont er. Viele seien sauer über seine Freistellung und Sanktionierung. Ein Solidaritätskomitee im Betrieb hat sich bisher nicht gebildet. Wahrscheinlich dürften die Disziplinarmaßnahmen auch für Einschüchterung sorgen. Zunächst hat sich Christopher T. über seine Rechte informiert. Er will gegen seine Freistellung juristisch vorgehen. Dafür braucht er den Rechtsschutz seiner Gewerkschaft. Zum Umgang von ver.di mit seinem Fall äußert sich T. differenziert. Lobend erwähnt er die Unterstützung eines DHLBetriebsrats. Von der ver.di-Verwaltung sei allerdings noch niemand aktiv auf ihn zugegangen. Er rechnet allerdings mit der Unterstützung bei den juristischen Auseinandersetzungen. Dabei wird es auch um die Frage der freien Meinungsäußerung gehen. Denn Christopher T. hat zwar ausdrücklich als DHLArbeiter auf der Demonstration gesprochen, die Rede fand allerdings nicht in seiner Arbeits, sondern in seiner Freizeit statt. Er hat auch keineswegs DHL angegriffen sondern ausdrücklich betont, dass die Kolleg*innen Welthandel betreiben und die Welt verbinden wollen. Er hat sich nur ausdrücklich gegen die Unterstützung des Krieges durch diese Arbeit gewandt.
Vertrauen in die Arbeiter*innen statt Sozialpartnerschaft
Er verweist auch darauf, dass es bei DHL schon vor den Protesten ein Flugblatt
kämpferischer Gewerkschafterinnen gab, die dort erklärten, dass ihre Arbeit nicht dem Krieg dienen solle. Zudem setzt er auf die Selbstorganisation der Arbeiterinnenklasse. „Wir können uns nicht darauf verlassen, dass DHL zu der
Einsicht gelangt, dass diese Lieferungen verwerflich sind, denn für die ist das ein Riesengeschäft. Wir müssen auf unsere eigene Kraft vertrauen“, betont er.
DHL begründet die Disziplinierung von Christopher T. damit, dass er Betriebsgeheimnisse preisgegeben habe, weil er in seiner Rede gesagt hat, dass er auch schon Pakete von DHL in der Hand gehabt habe, „da wird einem richtig anders. Das will man eigentlich nicht befördern“. Mittlerweile haben sich zahlreichem linke Gruppierungen, die den Protest zum Leipziger Flughafen organisiert hatten, mit Christopher T. solidarisch erklärt. Für sie ist es auch ein Präzedenzfall. Denn im Zuge der zunehmenden Militarisierung wächst auch der Protest von Kolleginnen in den Betrieben. Christopher T. verwies in seiner Rede auf antimilitaristische Streiks in Griechenland und Italien in den letzten Monaten. Doch auch bei DHL ist er nicht der einzige, der wegen rüstungskritischer Äußerungen sanktioniert wird. Es gäbe in dem Betrieb noch einen weiteren Kollegen, der deswegen sanktioniert wurde. Gewerkschaftliche Solidarität statt Burgfrieden Besonders wichtig ist ein Solidaritätsaufruf von Mitgliedern und Funktionärinnen verschiedener Einzelgewerkschaften des DGB (Deutscher Gewerkschaftsbund), die sich mit Christopher solidarisierten. Neben der Rücknahme der Kündigung haben sie auch ganz klare Forderungen an ihre Gewerkschaften. „Von unseren Gewerkschaften fordern wir als aktive Mitglieder, Christopher politisch und juristisch zu verteidigen und den Angriff von DHL auf unseren Kollegen sowie auf gewerkschaftliche Organisierung und Diskussion im Betrieb entschieden zurückzuweisen“, heißt es in dem Aufruf. Hier sprechen die solidarischen Gewerkschafter*innen einen wichtigen Punkt an. Ein Großteil der Führung des DGB und seiner Einzelgewerkschaften hat kaum Widerspruch gegen den neuen deutschen Militarismus. Im Gegenteil wird die Umwandlung von ehemaliger Zivil in Kriegsproduktion sogar mit neuen Arbeitsplätzen begründet. Besonders in der Führung der IGMetall ist eine Verteidigung dieses neuen Kriegskeynesianismus zu hören, der eigentlich nur die Fortsetzung eines Burgfriedens in einem Deutschland ist, das wie alle anderen kapitalistischen Mächte wieder kriegsfähig sein will. Wie bei jeder Mobilmachung für Kriege sind es auch heute in der offiziellen Propaganda immer die gegnerischen kapitalistischen Mächte, die Angriffspläne hegen, gegen die sich dann der „eigene“ kapitalistische Staat nur verteidigen müsse. Da klingen dann manche Statements von Gewerkschaftsfunktionärinnen nicht viel anders als die Erklärungen der Regierungsparteien. Mit dieser Propaganda wurden schon immer die Arbeiterinnen aller Länder auf die Schlachtfelder geführt, während die Aktien der Rüstungskonzerne und ihrer Zulieferer massiv gestiegen sind. „Der Krieg nährt die Reichen, die Arbeiter geben die Leichen“, dieser simple Spruch aus der Zeit des 1. Weltkriegs hat auch mehr als 110 Jahre später nichts von seiner Aktualität verloren.
Arbeiterinnen schießen nicht auf Arbeiterinnen
„Arbeiterinnen schießen nicht auf Arbeiterinnen“ lautete die Parole in einem Block auf der großen Antikriegsdemonstration am 3. Oktober 2025 in
Berlin. Dort sprachen sich Kolleginnen unterschiedlicher Branchen gegen jede Rüstungsproduktion aus. Grußadressen gab es auch von Arbeiterinnen aus anderen Ländern, die sich ebenfalls gegen Aufrüstung und Kriegsvorbereitung wehren. Würde sich eine solche Bewegung verstärken, könnte sie eine Kraft werden,
die die Kriegsvorbereitungen in allen Ländern effektiv torpedieren könnte. Deshalb setzen auch heute sämtliche kapitalistischen Staaten auf Repression, um schon die kleinsten Ansätze einer Antikriegsbewegung zu unterdrücken. Heute reagieren Konzerne wie DHL mit der Entlassung von Kolleg*innen wie im Fall von Christopher, wenn sie eine antimilitaristische Rede halten. Ein anderes Beispiel für die Repression gegen Antimilitarismus ist die Zerschlagung der Abschlussdemonstration des RheinmetallEntwaffnen Camps am 30.August 25 in der Kölner Innenstadt. Nachdem zunächst ein Verbot des Camps
juristisch gekippt wurde, wurde die Abschlussdemonstration schon bei der Auftaktveranstaltung massiv eingeschränkt. So sollten sämtliche Metallstangen entfernt werden, auf denen Transparente befestigt waren. Auf halbem Weg wurden große Teile der Demonstration dann über mehrere Stunden eingekesselt. Die Entlassung rüstungskritischer Arbeiter*innen wie Christopher in Leipzig und die Zerschlagung von antimilitaristischen Demonstrationen sind Teil der militaristischen Zeitenwende.
Peter Nowak
https://rote-hilfe.de/sites/default/files/2026-02/RHZ_2026-1_web.pdf