
»Wo sind Eva und Ahmed?« Plakate mit dieser Frage waren in den vergangenen Wochen in den sozialen Medien und auf Demonstrationen etwa in Berlin zum Internationalen Frauentag zu sehen. Gemeint waren die …
… deutsche Journalistin Eva Michelmann und ihr kurdischer Kollege Ahmet Polat. Seit Mitte Januar fehlte von den Korrespondent*innen, die in Nordsyrien für kurdische Medien arbeiteten, jede Spur. Doch jetzt gibt es ein Lebenszeichen von den Vermissten. Die Gelsenkirchener Anwaltskanzlei Meister & Partner veröffentlichte am Montag eine ausführliche Erklärung. Demnach haben mehrere Zeugen bestätigt, dass Michelmann in einem Gefängnis in Aleppo festgehalten wird. Roland Meister und Kollegen vertreten sowohl Michelmanns Familie als auch die von Polat. Angehörige und Freund*innen haben die Bundesregierung aufgefordert, sich für die Freilassung der Kölnerin einzusetzen.
Zuletzt waren die beiden gesehen worden, als sie am 18. Januar 2026 in Raqqa im Norden Syriens in ein Militärfahrzeug gebracht wurden, das der syrischen Übergangsregierung zugerechnet wird. Zu dieser Zeit gingen Regierungstruppen gemeinsam mit islamistischen Milizen gegen die kurdische Selbstverwaltung in dem Gebiet vor. Hunderte Menschen wurden verhaftet. Weil die internationalen Kontakte in das Gebiet abgebrochen waren, wurde das Verschwinden der Kölnerin und ihres Kollegen zunächst nicht bemerkt. In den vergangenen Wochen gab es allerdings eine öffentliche Kampagne und Appelle an die Bundesregierung, den Verbleib der 36-Jährigen zu ermitteln. Unterstützer*innen demonstrierten auch vor dem Auswärtigen Amt in Berlin.
Dass es mittlerweile Informationen gibt, ist vor allem dem unermüdlichen Engagement der Angehörigen und Freund*innen von Michelmann und von Rechtsanwalt Meister zu verdanken. Bei einem Gefangenenaustausch freigelassene Kämpfer*innen der kurdischen Selbstverwaltung SDF erklärten nach Angaben von Meister, dass sie in Aleppo im selben Gefängnis wie Michelmann und Polat waren. In einem Video im Besitz von Anwalt Meister erklärt ein freigelassener SDF-Kämpfer, dass noch 40 Frauen in dem Gefängnis seien, unter ihnen eine deutsche Journalistin. Er berichtet auch von Misshandlungen und Hunger, denen die Gefangenen ausgesetzt seien.
Erleichtert zeigte sich Antonius Michelmann, der Bruder der Journalistin, im Gespräch mit »nd«. Doch er äußerte auch Sorge, weil seine Schwester und ihr Kollege weiterhin den äußerst rigiden Haftbedingungen ausgesetzt sind. »Wir werden die gemeinsamen Bemühungen von Familie und Freund*innen jetzt darauf konzentrieren, Kontakt herzustellen und Kräfte für die Befreiung von Ahmed und Eva zu mobilisieren.«
Roland Meister spricht von einem steinigen Weg zur Freilassung von Michelmann und Polat. Denn offiziell behauptet die syrische Regierung, nichts vom Verbleib der Journalist*innen zu wissen. »Diese Version ist nicht mehr haltbar«, sagt Meister. Er fordert wie auch Antonius Michelmann von den deutschen Behörden, den Druck auf die syrische Regierung zu erhöhen.
Die Anwälte haben ihre neuen Informationen umgehend an das Auswärtige Amt weitergereicht. »Die Bundesregierung und das Auswärtige Amt sind gefordert, nunmehr mit Nachdruck und Entschiedenheit die Freilassung zu erwirken«, schreiben sie. Nach Artikel 36 des Wiener Übereinkommens über konsularische Beziehungen habe Michelmann das Recht auf Besuch durch einen Vertreter der deutschen Botschaft. »Wir gehen davon aus, dass ein solcher Besuch zeitnah erfolgt.«
Aus Kreisen der syrischen Regierung hieß es am Dienstag: »Wir untersuchen den Fall und werden die deutsche Regierung über Details informieren.« Das berichtete die Deutsche Presse-Agentur (dpa). Das Auswärtige Amt teilte gegenüber dpa mit, man arbeite »weiterhin mit Hochdruck daran, die Situation aufzuklären«. Die deutschen Botschaften in Beirut und Damaskus seien mit dem Sachverhalt befasst und bemühten sich intensiv um Aufklärung. Peter Nowak